Eva Buchhorn

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit grünem Stahl

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Wasserstoff, Conti, Martin Winterkorn, Börsenrekorden.

Es ist ein hochehrgeiziges Projekt, dass die Größen der internationalen Stahlbranche umtreibt: der Weg in den Klimaschutz, die Entwicklung gewissermaßen "grünen" Stahls. Möglich werden soll die umweltschonende Produktion durch den Einsatz von Wasserstoff, der statt Kokskohle als Brennstoff fungiert. Wer Rang und Namen hat in der Welt des Stahls, experimentiert derzeit im Stillen. In Schweden zieht ein illustres Investoren-Konsortium rund um die Zalando-Großaktionärin Cristina Stenbeck ein komplett neues Stahlwerk hoch. Auch Voestalpine und Tata Steel sind dran.

Sogar bei Thyssenkrupp stehen Innovationen rund um den Wasserstoff endlich mal für gute Nachrichten. CEO Martina Merz könnte damit angeben (was sie aber nicht tut), dass es ihrem Unternehmen als erstem weltweit schon 2019 gelungen ist, Wasserstoff in einen laufenden Hochofen einzublasen. Bis mehr draus werden kann, muss noch ordentlich investiert werden.

Welche Fantasien die Stahlmanager antreiben und warum sogar die Agnellis einsteigen, der legendäre Fiat-Clan, hat mein Kollege Arvid Kaiser aufgeschrieben. Fest steht: Der Hype um den Wasserstoff ist keine Luftnummer.

Setzt auf eine Zukunft mit Wasserstoff: Thyssenkrupp-CEO Martina Merz

Setzt auf eine Zukunft mit Wasserstoff: Thyssenkrupp-CEO Martina Merz

Foto: Jonas Güttler / dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Eine Gehaltserhöhung für die Personalvorständin Ariane Reinhart sorgt gerade bei Continental für Missstimmung. Seit der Reifenhersteller nach verlustreichem Jahr angekündigt hat, bis 2029 30.000 Stellen abbauen und etliche Millionen einsparen zu wollen, ist die Stimmung sowieso am Boden. Die oberen Führungskräfte verzichteten auf Teile ihres Fixums und auf der Boni. Der Vorstand wollte das auch tun, tat es dann aber doch weniger als angekündigt, wie mein Kollege Michael Freitag weiß.  Für die Personalerin gab es sogar mehr Geld. Sie kann sich über einen Verhandlungserfolg freuen, der gewissermaßen zur Unzeit kommt.

  • Martin Winterkorn wird wohl zahlen. Der ehemalige VW-CEO, in dessen Ära der Autohersteller in großem Stil Software in Dieselmotoren manipulierte, soll sich mit seinem früheren Arbeitgeber auf zehn Millionen Euro verständigt haben. Weitere 200 bis 300 Millionen könnte seine Haftpflichtversicherung beisteuern.

  • Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhält einen neuen Chef. Der gelernte Investmentbanker und langjährige Deutschlandchef der Citigroup, Stefan Wintels, soll im Sommer den heutigen KfW-Chef Günther Bräunig beerben. Morgen entscheidet das Bundeskabinett.

  • Die Stimmung an der Börse fiel sonnig aus, Dax und MDax kletterten auf neue Rekorde. Ursächlich sind unter anderem Nachrichten aus der Autoindustrie wie der geplante Porsche-Börsengang, über den wir gestern bereits berichtet hatten. Auch der Goldpreis steigt, schuld sind Inflationsängste. Die Erwartung anziehender Nachfrage treibt bereits den Ölpreis. Und die Bundesagentur für Arbeit sieht die Talsohle durchschritten: Die Arbeitslosenzahl ist im Mai weiter gesunken, auf 2.7 Millionen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • SAP erlaubt New Work extrem. Die rund 100.000 Beschäftigten des Softwarekonzerns dürfen ab sofort arbeiten wo immer sie wollen - im Büro, zu Hause oder irgendwo sonst. Die neue Personalvorständin Julia White - die wegen Corona ihren eigenen Bewerbungsprozess von den USA aus ohne ein einziges persönliches Treffen absolvierte - lässt sich nicht beirren von Ankündigungen des Topmanagements von Amazon, Microsoft oder Goldman Sachs, die ihre Leute möglichst bald wieder enger an sich binden wollen.

  • Der Österreicher Stefan Pierer ist der neue starke Mann bei Leoni. Der Bau kultiger Motorräder in seiner Firmengruppe KTM (KTM, Husqvarna, Gasgas) machte ihn zum Milliardär, füllt ihn aber nicht mehr ganz aus. Einen Teil seiner Kriegskasse hat er jetzt in 15 Prozent der Anteile des krisengeschüttelten Kabelherstellers aus dem SDax investiert. Was er damit vorhat, prognostiziert meine Kollegin Angela Maier , weiß er selbst noch nicht genau.

Meine Empfehlung für den Abend:

Gestatten, Ihr Versicherungsvertreter 2.0: Wefox-Gründer Julian Teicke

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Foto: Luca Fasching/wefox
  • Einige deutsche Gründer freuen sich derzeit über Milliardenbewertungen. Besonders attraktiv wirken Fintechs auf die internationale Investorenszene. Erst kürzlich konnte der Onlinebroker Trade Republic seine Bewertung auf fünf Milliarden Dollar schrauben. Jetzt legt Wefox nach. Gründer Julian Teicke nahm 650 Millionen Dollar ein und sieht sein Unternehmen mit 2,5 Milliarden bewertet.

    Der Mann ist kein Neuling, im Gegenteil: Wie Versicherung geht, hat er am elterlichen Esstisch gelernt. Sein Vater Hartmut Teicke baute seinerzeit einen Strukturvertrieb auf und verkaufte ihn erfolgreich an Branchengröße Carsten Maschmeyer. Welche Finanziers an Teicke Junior glauben, was er mit dem vielen frischen Wagniskapital vorhat und wo der Digital-Versicherer den wesentlichen Vorsprung zu Traditionsunternehmen wie der Allianz sieht, erläutern wir Ihnen hier.

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn

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