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Eva Buchhorn

Der Montag im Überblick Heldentage in Wolfsburg und Frust in München

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Baustellen des künftigen VW-Chefs Oliver Blume, Digitalchaos in Unterföhring und mieser Stimmung in der Industrie.

Zeitenwende bei VW. Den Paukenschlag aus Wolfsburg vom vergangenen Freitagabend haben Sie sicher noch im Ohr: VW-CEO Herbert Diess tritt ab, Porsche-Chef Oliver Blume übernimmt. Damit endet eine Ära. Doch was kommt? Zu den begleitenden Mythen solcher Amtswechsel gehört die Wahrnehmung, der alte Chef habe "alles" vermasselt und der Neue werde es nun richten. So ist es natürlich nicht. Blume wird manches korrigieren, aber auch einiges weiterführen, was der stets umstrittene Diess in den vergangenen vier Jahren auf den Weg gebracht hat, anders lässt sich ein Riesenkonzern wie VW gar nicht steuern.

Baustellen gibt es auf jeden Fall genug. Die wichtigsten hat unser Kollege Christoph Seyerlein zusammengetragen.  Blume muss das von seinem Vorgänger angerichtete Software-Chaos aufräumen, das die gesamte Modellentwicklung lähmt. Er muss den Absatz auf den internationalen Märkten ankurbeln und die interne Kommunikation verbessern. Und wie im antiken Drama sind die Fallstricke für den neuen Helden schon von Anbeginn seines Wirkens an ausgelegt: Denn Blume behält zugleich sein Porsche-Amt. Er wird also die Spitzenfunktion in zweien der wichtigsten deutschen Konzerne parallel und in Teilzeit ausüben – und soll Porsche überdies an die Börse bringen.

Auf den Mann wartet eine Aufgabe im XXXL-Format, der "schwierigste Job Deutschlands", resümiert Management-Professor Wolfgang Jenewein im Interview. Er rundet das Bild der Wolfsburger Zeitenwende mit einem letzten Blick auf die Ära Diess ab. Der sei "viele mutige Wege" gegangen, war aber eben nicht der integrative Typ. Der Personalwechsel ist daher auch ein "Kulturwechsel."

Helden-Rolle: Porsche-Chef Oliver Blume übernimmt mit der CEO-Aufgabe bei VW demnächst eine Aufgabe im XXXL-Format.

Helden-Rolle: Porsche-Chef Oliver Blume übernimmt mit der CEO-Aufgabe bei VW demnächst eine Aufgabe im XXXL-Format.

Foto: ANDREAS GEBERT / REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Stimmungstief in der Industrie: Gaskrise, Lieferschwierigkeiten und die hohe Inflation lassen deutsche Unternehmer immer pessimistischer in die Zukunft schauen. Der aktuelle Geschäftsklima-Index des Münchener Ifo-Instituts verzeichnet mit 88,6 Punkten den tiefsten Stand seit dem Corona-Sommer 2020. Die Wirtschaftsteilnehmer fürchten eine Rezession, vor der Experten wie Ifo-Chef Clemens Fuest schon länger warnen. Vielerorts bedrohen die aktuellen Probleme bereits die Substanz: So sind bereits 16 Prozent der deutschen Industriebetriebe gezwungen, angesichts steigender Energiekosten ihre Produktion zurückzufahren. Das hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag heute mitgeteilt.

  • Boden-Streik bei der Lufthansa: Fluggäste an deutschen Flughäfen müssen am Mittwoch dieser Woche mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Die Gewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Lufthansa zum Warnstreik aufgerufen. Verdi will für die laufenden Tarifverhandlungen Druck aufbauen: Die Gewerkschaft verlangt für ihre 20.000 Boden-Beschäftigten 9,5 Prozent mehr Lohn.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Desillusions-Theater in München: Als Rainer Beaujean 2020 sein Amt als CEO von ProSiebenSat.1 antrat, galt er als großer Hoffnungsträger. Der Medienkonzern aus Unterföhring hatte unter Amtsvorgänger Max Conze Jahre des Schreckens hinter sich, die Mannschaft war frustriert. Mit Beaujean werden die Dinge allerdings nicht besser, wie unser Kollege Jonas Rest in Erfahrung gebracht hat. Der frühere Finanzvorstand hat schlicht kein Händchen für die Digitalbeteiligungen im Konzern. Insbesondere bei Flaconi herrscht Endzeitstimmung. Spitzenkräfte fliehen, das Online-Beauty-Startup droht regelrecht zu implodieren. Auch die Zahlen der gesamten Nucom-Gruppe, in denen die Startup-Beteiligungen gebündelt sind, fallen mies aus. Beaujean kommt so langsam in Erklärungsnot: "Das Digitalfiasko des ProSiebenSat.1-Chefs". 

Hat eigentlich nichts zu lachen: ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean kriegt die Digital-Beteiligungen nicht in den Griff.

Hat eigentlich nichts zu lachen: ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean kriegt die Digital-Beteiligungen nicht in den Griff.

Foto: Robert Brembeck / DER SPIEGEL

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Wege aus der Inflation: Die rasante Geldentwertung und die Angst vor einer Rezession setzen die Unternehmenschefinnen und -chefs in diesen Tagen mächtig unter Druck. Wie sich strategisch wappnen? Wir wollen dazu in den nächsten Tagen mehrfach Antworten geben. Den Auftakt macht heute ein Text aus dem Harvard Business Manager. Das Autorenteam renommierter US-Business Schools hat sich Gedanken über wesentliche Weichenstellungen gemacht, mit denen Unternehmen langfristig gegensteuern können. Denn, so die Experten, die Inflation wird bleiben. Zu den unternehmerischen Pflichten gehört jetzt ein Rundum-Check: Wie anfällig ist die Wertschöpfungskette für Schocks? Wie steht es um die Kapitalstruktur? Gelingt es, die Mitarbeiter an Bord zu halten? Die umfangreiche Analyse der Management-Berater finden Sie hier. 

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn

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