Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Eine Anwältin fürs Klima und Milliarden für Künstliche Intelligenz

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Klimaschutz-Prozess gegen Volkswagen, Milliardendeals von Microsoft und Biontech und einem möglichen Ende der Gas-Krise.

Heute hat am Landgericht Braunschweig ein Klimaschutz-Prozess gegen Volkswagen begonnen: Die drei von Greenpeace unterstützten Kläger wollen unter anderem erreichen, dass der größte deutsche Autobauer ab dem Jahr 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr verkaufen darf. Außerdem soll VW bis 2030 seinen CO2-Ausstoß um 65 Prozent senken. Drei Klima-Aktivisten gegen einen Weltkonzern: Hat eine solche Klage auch nur eine geringe Chance auf Erfolg?

Die Anwältin der drei Kläger, Roda Verheyen, ist die bekannteste Umweltrechtsanwältin Deutschlands. Sie hat 2021 vor dem Bundesverfassungsgericht das bahnbrechende Urteil erstritten, dass die Politik mehr gegen den Klimawandel unternehmen und der Gesetzgeber deshalb beim Klimaschutzgesetz nachbessern muss. Künftige Generationen dürfen nicht wissentlich und fahrlässig benachteiligt werden gegenüber der heutigen, urteilte das Bundesverfassungsgericht damals. Die drei Kläger im Braunschweiger Klimaschutz-Prozess gegen VW berufen sich entsprechend auf ihre Grundrechte: "Das Urteil gilt für den Staat, aber aus unserer Sicht genauso für große Konzerne", sagt Verheyen im Interview mit unserem Kollegen Claas Tatje. "Jedes Auto, das Volkswagen heute baut, stößt auch in 20 Jahren noch CO₂ aus. Der Konzern steht also in der Verantwortung, seine Strategie zu ändern".

In einer ersten Einschätzung hat die Braunschweiger Zivilkammer den Klägern nur geringe Erfolgschancen eingeräumt. Ein Bürger könne zwar gegenüber dem Staat auf Verletzung seiner Grundrechte klagen. In einem Rechtsstreit zwischen Bürgern und einem privat geführten Unternehmen hätten die Grundrechte jedoch keine unmittelbare Wirkung, so das Gericht. Für Klimaschutz-Anwältin Verheyen ist jedoch entscheidend, dass das Gericht die Klage als zulässig erklärt und angenommen hat: "Wir sind mitten im Streit und das ist gut so", sagt Verheyen.

Ihr geht es um grundsätzliche Fragen: Wenn der Klimawandel das Leben und die persönliche Freiheit des Einzelnen bedroht, welche Folgen ergeben sich dann für das deutsche Zivilrecht, das diese Freiheit schützen muss? Und lässt sich globale Erwärmung auch unmittelbar auf das Handeln einzeln privater Konzerne zurückführen? "Die Antwort ist eindeutig ja", sagt Verheyen im Interview mit manager magazin. Sie und ihre Mitstreiter planen den Marsch durch die Instanzen: "Wir wollen, dass die Industrie Schluss macht mit ihren wolkigen Versprechen."

"Schluss mit den wolkigen Versprechen": Anwältin Roda Verheyen streitet für mehr Klimaschutz gegen Großkonzerne - wie aktuell in Braunschweig gegen Volkswagen

"Schluss mit den wolkigen Versprechen": Anwältin Roda Verheyen streitet für mehr Klimaschutz gegen Großkonzerne - wie aktuell in Braunschweig gegen Volkswagen

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Melina Mörsdorf / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Microsoft plant Milliarden-Investition: Der Software-Riese Microsoft will offenbar bis zu zehn Milliarden Dollar investieren, um sich im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) zu verstärken. Microsoft wolle sich 49 Prozent an OpenAI sichern, dem Entwickler der Chatbot-Software ChatGPT, berichtet die Wirtschaftsagentur Bloomberg. Microsoft und OpenAI wollten sich zu dem Deal nicht äußern. Doch die Verhandlungen haben bereits Konkurrenten wie die Google-Mutter Alphabet alarmiert.

  • Biontech plant größte Übernahme der Firmengeschichte: Auch der deutsche Impfstoff-Entwickler Biontech ist in Sachen Künstlicher Intelligenz aktiv. Das Mainzer Unternehmen will das britische Start-up InstaDeep übernehmen und dafür knapp eine halbe Milliarde Euro zahlen. InstaDeep soll Biontech bei der Entwicklung von neuartigen Impfstoffen und Biopharmazeutika gegen Krebs helfen. Zwischen beiden Unternehmen besteht bereits eine strategische Partnerschaft.

  • Katar prüft Kauf von Manchester United: Für die Ausrichtung der Fußball-WM hat das Emirat Katar bereits Milliarden Dollar ausgegeben. Der katarische Staatsfonds QSI hat auch beim Kauf des französischen Spitzenclubs Paris Saint Germain bewiesen, dass Geld für das Emirat kaum eine Rolle spielt. Nun prüft der Staatsfonds offenbar den Einstieg in die britische Premier League: Nachdem die Familie Glazer im November erklärt hatte, einen Verkauf von Manchester United zu prüfen, haben Investoren aus Katar Kontakt zu der Eigentümerfamilie aufgenommen. Ob neben den PSG-Stars Messi, Mbappé und Neymar künftig auch ManUnited-Spieler wie Marcus Rashford in Diensten der Katarer kicken, ist jedoch offen: Zuletzt wurde über einen Kaufpreis von bis zu sieben Milliarden Pfund spekuliert.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Ende der Gaskrise bereits in Sicht? Zweistellige Temperaturen im Januar, volle Gasspeicher, ein deutlich gesunkener Gaspreis: Sorgen der ungewöhnlich milde Winter und die ersten Schiffslieferungen mit Flüssigerdgas dafür, dass wir die Energiekrise bereits abhaken können? Unsere Kollegin Anna Driftschröer hat mit verschiedenen Energie-Experten gesprochen und kommt auf eine klare Antwort: Nein. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir gut durch diesen Winter kommen und die Netzagentur keinem Unternehmen in Deutschland den Gashahn abdrehen muss. Doch die große Aufgabe lautet jetzt, dafür zu sorgen, dass auch im kommenden Oktober und November die Gasspeicher zu mehr als 90 Prozent gefüllt sind. In diesem Jahr wird Deutschland die Speicher erstmals ganz ohne russisches Gas auffüllen müssen – und dabei noch stärker als bisher auf das per Schiff gelieferte Flüssigerdgas LNG zurückgreifen. Wie Deutschland sich schon jetzt auf den nächsten Winter vorbereitet und wie groß die Chancen sind, die Energiekrise auch im zweiten Jahr zu meistern, lesen Sie hier.

Meine Empfehlung für den Abend:

Energiekrisen-Gewinner: Enpal-Gründer Mario Kohle

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Foto: PR
  • Solarfirma Enpal verdoppelt Bewertung: Immer mehr Hausbesitzer in Deutschland bauen sich derzeit eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach. Der Run auf den Solarstrom wirkt wie ein Turbo für das Geschäftsmodell der Solarfirma Enpal: Das 2017 gegründete Start-up aus Berlin vermietet seinen Kunden Solaranlagen samt Speicher gegen eine monatliche Gebühr. Inzwischen bietet Enpal neben Solaranlagen auch Speicher und Wandladestationen an. Die Firma habe inzwischen rund 30.000 Kunden in Deutschland und arbeite bereits profitabel, sagt Gründer Mario Kohle. Mit der jüngsten Finanzierungsrunde, an der sich auch die US-Investmentfirma Westley Group beteiligt hat, ist die Bewertung des Unternehmens auf rund 2 Milliarden Euro gestiegen. Alles über die weiteren Pläne des Solar-Einhorns Enpal lesen Sie hier.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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