Podcast Cover
__proto_kicker__
__proto_headline__
Kai Lange

Der Dienstag im Überblick VW-Verkäufer vor dem Streik, EY vor Zerschlagung

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit VW-Verkäufern, die nichts mehr verkaufen wollen, EY-Partnern, die sich abspalten wollen, und Mitarbeitern, die Abkühlung wollen.

Das Verhältnis zwischen Koch und Kellner ist auf den ersten Blick ganz einfach: "Der Größere ist Koch, der Kleinere ist Kellner", rief Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) 1998 seinem Koalitionspartner Joschka Fischer (Grüne) zu. Fast ein Vierteljahrhundert später proben erneut die Kellner den Aufstand: Rund 800 selbstständige VW-Händler zeigten kürzlich dem großen Volkswagen-Konzern auf ihrer Verbandstagung die Rote Karte. Einige wollen sogar die Autos gar nicht mehr an die Kunden bringen, die ihnen der weltgrößte Autobauer herausreicht.

Hintergrund für die bizarren Streikdrohungen der Händler ist ein Kampf, klar, um die Gewinnmargen. VW will bei den meisten seiner Marken das sogenannte Agenturmodell im Vertrieb einführen: Die Händler sollen nur noch eine festgelegte Provision pro Auto bekommen. Damit sinkt ihr finanzielles Risiko, doch sie werden zu Vermittlern degradiert – und bei Ihnen bleibt womöglich weniger Geld hängen. Kein Wunder, dass Verbandsfürst Dirk Weddingen von Knapp und seine Getreuen nun ein Schröder'sches "Basta!" rufen. So eskaliert der Streit nun. Selbst das bereits vereinbarte Agenturmodell für die Elektromodelle von VW soll womöglich noch einmal nachverhandelt werden.

VW wähnt sich in der stärkeren Position und hat die rebellierenden Kellner erst einmal auflaufen lassen. Die Händler wiederum schöpfen Mut – Analogie zu den echten Koch-Kellner-Beziehungen: Selbst ausgebuchte Spitzenrestaurants müssen derzeit tageweise schließen, weil ihnen schlicht die Kellner fehlen. Vielleicht nimmt sich VW-Verhandlungsführer Achim Schaible am ehemaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel ein Beispiel und erklärt die Koch-Kellner-Diskussion für offiziell beendet: VW will möglichst viele Autos verkaufen – und "kein Restaurant aufmachen."

Rote Karte für Volkswagen: VW-Händler bei einer Verbandstagung in Hannover

Rote Karte für Volkswagen: VW-Händler bei einer Verbandstagung in Hannover

Foto: PR

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • EZB plant historische Wende: Die Inflation in der Euro-Zone ist im Juni über die Marke von 8 Prozent gestiegen. Der Rat der Europäischen Zentralbank dürfte daher nach seiner Sitzung an diesem Donnerstag den Leitzins erhöhen: um 0,25 Prozent, vielleicht sogar um 0,5 Prozent, wie es an diesem Dienstag hieß. Die Notenbank würde damit die Zinswende einleiten. Zusätzlich bereitet sie ein sogenanntes Anti-Fragmentierungsprogramm vor: Es soll verhindern, dass die Risikoaufschläge für Anleihen hoch verschuldeter Länder wie Italien im Vergleich zur Bundesanleihe durch die Decke gehen. Das Mittel dafür ist bekannt: Die EZB will erneut Staatsanleihen kaufen.

  • Apple wappnet sich für Abschwung: Es ist eher der Ausnahmefall, dass Apple auf die Kostenbremse tritt. Doch jetzt will Konzernchef Tim Cook die Ausgaben deutlich reduzieren und im Jahr 2023 in einigen Bereichen kein neues Personal mehr einstellen. Der iPhone-Hersteller folgt damit dem Beispiel anderer US-Konzerne wie Tesla oder Meta. Auch in Europa gibt es Kündigungswellen in der Techbranche sowie der Start-up-Branche. Und nicht nur da, denn:

  • Goldman Sachs will "Minderleister" feuern: Rezessionssorgen und die Abkühlung der Weltwirtschaft haben der US-Investmentbank Goldman Sachs einen Gewinneinbruch beschert. Nach dem Rekrutierungsrausch des Vorjahres steuert nun auch Bankchef David Solomon um: Goldman Sachs werde künftig weniger neue Mitarbeiter einstellen und sich von leistungsschwachen Kollegen trennen, wie US-Medien berichten. Für die erfolgsverwöhnten Edelbanker sind das neue Töne.

Was für Ihre Karriere wichtig sein könnte:

  • Viele Führungskräfte glauben: Digitalisierung ist, wenn wir neue Software einführen. Dabei brauchen Unternehmen jetzt eine komplett digitale Denkweise, soll die Transformation gelingen. Die Teams müssen die Art und Weise verändern, wie sie über Probleme und deren Lösungen nachdenken. Klingt, zugegeben, abstrakt. Aber Tsedal Neeley, BWL-Professorin an der Harvard Business School, und der Technikprofessor Paul Leonardi aus Kalifornien geben in ihrer Analyse ausführliche und sehr praktische Antworten. Gleichzeitig ist das die Titelgeschichte des neuen Harvard Business managers: Wie Ihre Mitarbeiter ein digitales Mindset entwickeln .

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Kampfzone Innenstadt: Früher rollten endlose Schlangen von Pkws durch die City. Heute kämpfen Bus, Fahrrad, Lastenrad, E-Scooter, Roboterautos und herkömmliche Verbrenner um jeden Meter Raum in der Innenstadt. Zukunftsforscher Stefan Carsten erklärt, wie ein nachhaltiges Mobilitätskonzept in deutschen Städten aussehen kann. Und er weiß schon jetzt, dass es beim Kampf um Raum in deutschen Städten einen klaren Verlierer geben muss. Das Gespräch unseres Kollegen Lutz Reiche mit Carsten über die Mobilität der Zukunft lesen Sie auf manager-magazin.de.

  • Homeoffice im Schwimmbad: In weiten Teilen Deutschlands herrschen an diesem Dienstag mehr als 30 Grad, und am Mittwoch soll es noch wärmer werden. Arbeitsrechtler Michael Fuhlrott erklärt im Interview, wer seinen Arbeitsplatz kurzerhand ins Freibad verlegen darf – und wer nicht. Wenn Sie zur schwitzenden zweiten Gruppe gehören, erfahren Sie auch, auf welche Weise Ihr Arbeitgeber Ihnen laut Arbeitsstättenverordnung Kühlung verschaffen muss. Halten Sie durch!

Meine Empfehlung für den Abend:

Die Prüfer in Deutschland bremsen: EY-Deutschland-Chef Henrik Ahlers

Die Prüfer in Deutschland bremsen: EY-Deutschland-Chef Henrik Ahlers

Foto: Political-Moments / IMAGO
  • Zerschlagung von EY soll zum Zahltag werden: Die vier großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften EY, PWC, Deloitte und KPMG verdienen seit Jahren exzellent. Gleichzeitig laufen sie immer wieder Gefahr, sich in Interessenkonflikten zu verheddern. EY-Weltchef Carmine di Sibio wählt nun angesichts des wachsenden Drucks der US-Börsenaufsicht SEC einen lukrativen Notausgang: Er hat angekündigt, das Prüfungs- und Beratungsgeschäft zu trennen, EY zu zerschlagen und das Consulting-Geschäft an die Börse zu bringen. Damit steht das Geschäftsmodell der gesamten Branche auf dem Prüfstand, wie unser Kollege Dietmar Palan beschreibt. Er erklärt, warum vor allem den Consultants des Wirecard-Skandalprüfers EY bei einem Börsentag ein großer Zahltag ins Haus steht – und warum vor allem die Partner der deutschen Prüfungsgesellschaft derzeit auf der Bremse stehen.

Herzlich, Ihr Kai Lange

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.