Podcast Cover
__proto_kicker__
__proto_headline__
Kai Lange

Der Freitag im Überblick Deutschlands größter Vermieter im Winterschlaf

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Wohnungsriesen im Winterschlaf, einem Doppelspiel des neuen Krypto-Königs und neuen Risiken am Aktienmarkt.

Dass Mieten und Immobilienpreise stetig steigen, gehörte jahrelang zu den Trends, auf die man sich in Deutschland verlassen konnte. Hauspreise steigen, Deutschland wird Letzter beim Eurovision Song Contest, die DFB-Elf stolpert hilflos durch ihre Vorrundenspiele – diese Dinge galten schlicht als gesetzt. Für einen Konzern wie Vonovia, dem über 550.000 Wohnungen gehören und der Deutschlands größter Vermieter ist, bietet der ewige Immobilienboom eigentlich eine gute Geschäftsgrundlage.

Doch die Zeiten ändern sich. Steigende Zinsen sowie explodierende Kosten bei Neubau und Sanierung von Gebäuden bremsen den Dax-Konzern aus. Vonovia-Chef Rolf Buch hat die Investitionen für energetische Modernisierung in diesem Jahr beinahe halbiert. Im nächsten Jahr sollen sie noch einmal deutlich sinken. Statt mit dem Bau von Solardächern und Wärmepumpen die Energiewende voranzutreiben und den Wohnwert für die Mieter zu verbessern, versetzt Buch Europas größten privaten Immobilienkonzern in den Winterschlaf. Das heißt: Der Wohnungsriese Vonovia hat derzeit keine seriöse Wachstumsperspektive, wie unsere Kollegin Hannah Steinharter im aktuellen manager magazin berichtet.

Buch formuliert es freilich freundlicher: Man habe "auf Pause gedrückt" und warte auf "klare Sicht". Aber im Grunde ergeht es Vonovia derzeit wie vielen privaten Hausbesitzern, die angesichts hoher Kosten und fehlender Fachkräfte wichtige Sanierungsarbeiten aufschieben. Der Kapitalmarkt hat auf Buchs Pause-Taste bereits reagiert: Der Aktienkurs von Vonovia, einst als krisenfestes Investment gepriesen, hat sich seit Jahresbeginn fast halbiert. Der Vonovia-Chef gibt sich zwar – ähnlich wie Bundestrainer Hansi Flick – trotzig zuversichtlich, dass er doch noch die Wende schafft. Was der Wetterwechsel im Immobiliensektor jedoch langfristig für die Zukunft von Vonovia bedeutet, lesen Sie hier.

Abwarten: Vonovia-Chef Rolf Buch kürzt die Investitionen und hofft auf bessere Zeiten

Abwarten: Vonovia-Chef Rolf Buch kürzt die Investitionen und hofft auf bessere Zeiten

Foto: Marcel Kusch / dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Aufruhr in iPhone City: Bis zu 20.000 Mitarbeiter des chinesischen Apple-Zulieferers Foxconn sollen das Firmengelände im chinesischen Zhengzhou inzwischen verlassen haben. Sie protestieren wegen einbehaltener Prämien und gegen die strengen Covid-Beschränkungen. Der Protest hat auch Folgen für Apple: Die Produktion kann nicht wie geplant ausgeweitet werden.

  • Viele Arzneimittel sind derzeit knapp: Das Bundesinstitut für Arzneimittel meldet derzeit mehr als 300 Lieferengpässe bei Medikamenten. Ursachen sind Lieferkettenprobleme, Inflation, Rohstoffmangel – und dass viele Pharmafirmen ihre Wirkstoffproduktion nach Asien verlagert haben. Die Probleme dürften nach Einschätzung des Apothekerverbands noch über Wochen andauern.

  • Chef der Kryptobörse Binance prüft Zukäufe: Nach dem Absturz der Kryptobörse FTX prüft der Chef der Handelsplattform Binance, Changpeng Zhao, den Kauf des insolventen Krypto-Lenders Voyager Digital. Zugleich wirbt Zhao für einen Stabilisierungsfonds, der in Not geratene Krypto-Unternehmen stützen soll. Ob der neue Krypto-König Zhao wirklich den Gesamtmarkt stabilisieren oder in erster Linie vom jüngsten Crash profitieren will, ist umstritten.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Unternehmer des Jahres: Unternehmertum, Innovationskraft und gesellschaftliches Engagement zeichnen die Gewinnerinnen und Gewinner des "Entrepreneur Of The Year 2022" aus. manager magazin und die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY würdigen mit diesem Titel die besten inhabergeführten mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Einen Überblick über die Preisträger finden Sie hier.

  • Das Ende der Eisernen Seidenstraße: Der Containerhafen in Duisburg war bislang Drehscheibe für den Chinahandel. Sogar die Staatsreederei Cosco war an einem neuen Terminal am Ende der 10.000 Kilometer langen Bahnverbindung, die von China quer durch Russland nach Europa führt, beteiligt. Doch inzwischen setzt Hafenchef Markus Bangen auf Unabhängigkeit: Im Gespräch mit meinem Kollegen Helmut Reich erklärt Bangen, welche Pläne er mit dem neuen, 100 Millionen Euro teuren "Duisburg Gateway Terminal" verfolgt – und welche Rolle Wasserstoff auf der ehemaligen "Kohleninsel" dabei spielt.

Das Beste aus dem aktuellen Economist:

  • Big Bang an Chinas Aktienmarkt: China mag derzeit Probleme mit seiner eisernen Seidenstraße haben. Doch an deren Startpunkt, in Shanghai und Shenzen, boomt derweil das Geschäft mit Börsengängen. Zwischen Januar und September haben Firmen an Chinas Börsen dreimal mehr Kapital eingesammelt als etwa in New York. Entscheidend dabei ist die Rolle des Staates – als Investor und Regulator. Der Economist erklärt in einer großen Analyse, welche Branchen und Firmen vom IPO-Boom in China profitieren.

  • Das Problem der Superstar-CEOs: Mit 71 Jahren kehrt Bob Iger auf den Chefsessel von Disney zurück. Er ist nicht der einzige Business-Held, der nicht loslassen kann. Hätte Iger doch bloß auf Elton John (75) gehört und sich dessen Retirement-Hymne "Goodbye Yello Brick Road" zu Herzen genommen, meinen unsere Kollegen vom britischen Economist. Denn für die Firmen ist die Rückkehr der Rentner ein Risiko. m+ Abonnenten lesen die Economist-Analyse - inklusiv Songtext - hier.

Meine Empfehlung für den Abend:

New Yorker Börse: Wie nachhaltig sind die jüngsten Kursgewinne?

New Yorker Börse: Wie nachhaltig sind die jüngsten Kursgewinne?

Foto: Richard Drew / dpa
  • Kann man jetzt schon wieder Aktien kaufen? Dax und Dow Jones haben sich seit Ende September jeweils um rund 20 Prozent erholt, der deutsche Leitindex Dax stieg sieben Wochen in Folge. Ist nach dem Börsen-Einbruch im Frühjahr also bereits das Schlimmste überstanden? Aktienstratege Pascal Bendinger-Schmidt rät im Interview mit meinem Kollegen Christoph Rottwilm zur Vorsicht: "Die Börse wird noch einmal auf neue Tiefpunkte fallen", meint Bendinger. Vor allem in der Eurozone werde sich die Inflation als hartnäckig erweisen und die Aktienmärkte belasten, glaubt der Portfoliomanager von Deutsche Oppenheim, der vor allem reiche Familien und Stiftungen berät. Im Interview erklärt er, warum Cash derzeit wichtig ist, welche Branchen der Inflation am besten trotzen – und welche Aktien schon jetzt einen Blick wert sind.

And now, back to the howling old owl in the woods,

Ihr Kai Lange

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.