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Christoph Rottwilm

Der Donnerstag im Überblick "Und dann bieten sie dir das Doppelte"

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit hohen Gehältern in China, streitenden Managern in Wolfsburg und einem Déjà-vu in Göteborg.

Die europäische Autoindustrie befindet sich in einer schwierigen Phase. Konzerne wie Volkswagen, BMW oder Mercedes mühen sich ab mit der Umstellung auf das Zeitalter der Elektromobilität. Hinzu kommen aktuell zahlreiche Lieferengpässe, die die Produktion und Auslieferung neuer Fahrzeuge behindern.

So ergibt sich ein Szenario wie gemacht für den Einstieg neuer Anbieter, die darauf hoffen können, den Etablierten Marktanteile abzujagen. Im wachsenden Geschäft mit Elektroautos haben vor allem Newcomer aus China diese Chance erkannt. Unsere Kollegin Margret Hucko hat sich deren höchst ambitionierte Pläne genau angesehen, hat mit etlichen Schlüsselfiguren gesprochen und beschreibt die geplante Eroberungstour dieser Jungunternehmen aus Fernost mit Namen wie BYD, Nio, Great Wall oder XPeng in einem tief recherchierten Branchenreport .

Dabei sprechen schon die Zahlen für sich: 2021 etwa hat sich die Zahl der aus China exportierten Fahrzeuge beinahe verdoppelt, zum Großteil mit dem Ziel Europa. Allein in den vergangenen vier Jahren haben fast 20 neue Marken aus China ihren Start in der Alten Welt angekündigt – und die konkreten Zielwerte für 2023, die Kollegin Hucko recherchiert hat, spiegeln ein neues Selbstbewusstsein. Gestützt werden die Eroberer dabei von einer entschlossenen politischen Führung in Peking, die das Wachstum mit viel staatlichem Geld beschleunigt. So wurde auch schon manche Fachkraft aus Europa in einen neuen Job in Fernost gelotst: "Die fragen dich, wie viel du verdienst, und dann bieten sie dir das Doppelte", erzählte ein Insider.

Willkommen in Europa: Die ersten Verkaufsräume des Premiumherstellers Nio außerhalb Chinas, in Oslo

Willkommen in Europa: Die ersten Verkaufsräume des Premiumherstellers Nio außerhalb Chinas, in Oslo

Foto: Odin Jaeger / Bloomberg

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Der Rückgang russischer Gaslieferungen bringt den Energiekonzern Uniper in Bedrängnis. Deutschlands größter Importeur von Gas aus Russland muss seine Geschäftsprognose kassieren, was Investoren mit Aktienverkäufen und einem Kurssturz quittieren. Womöglich kann sich das Unternehmen allein nicht mehr halten. Uniper spricht eigenen Angaben zufolge bereits mit der Bundesregierung über Hilfsmaßnahmen zur Stabilisierung.

  • Die Entwicklung am Gasmarkt macht sich auch beim Verbrauch hierzulande bemerkbar. Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Donnerstag bekanntgab, lag der Gasverbrauch in Deutschland in den ersten fünf Monaten dieses Jahres deutlich unter dem Vorjahresniveau. Ein milder Frühling und die vielen Energiesparappelle dürften dazu beigetragen haben. Aber auch der hohe Gaspreis hat zweifellos seine Wirkung gezeigt.

  • Vor Jahren trug Peter Mertens als Entwicklungsvorstand schon einmal dazu bei, den schwedischen Autobauer Volvo aus einer Krise zu führen. Nun hat Volvo erneut Probleme – und wiederum soll Mertens, der zwischenzeitig für mehrere Jahre ausgeschieden war, die Wende bringen. Der einstige Jaguar-Land-Rover-Manager ist bereits zurück in Göteborg, wie Kollegin Margret Hucko erfahren hat . Er fungiert dort nun als Berater des Volvo-Vorstands für technische Fragen.

Was heute sonst noch wichtig war:

Meine Empfehlung für den Abend:

Streitthema Software: Volkswagens Konzernchef Herbert Diess (Mitte) und die Kollegen Oliver Blume (Porsche, links) und Markus Duesmann (Audi) sind uneins

Streitthema Software: Volkswagens Konzernchef Herbert Diess (Mitte) und die Kollegen Oliver Blume (Porsche, links) und Markus Duesmann (Audi) sind uneins

Foto:

Carsten Koall; Peter Kneffel; Sebastian Gollnow / picture alliance/dpa

  • Volkswagen will bekanntlich vom Autohersteller zum Technologiekonzern werden, das ist das strategische Großziel von Vorstandschef Herbert Diess. Entscheidend ist dabei die Tochtergesellschaft Cariad, in der die Software für aktuelle und künftige Fahrzeuge von Konzernmarken wie VW, Audi oder Porsche entwickelt wird. Oder besser: entwickelt werden soll. Denn bei Cariad spielt sich ein Desaster ab: alles viel zu langsam, alles viel teurer als geplant. Seit Wochen tobt an der Konzernspitze ein Blame-Game um die Frage, wer die Schuld daran trägt und wie es weitergehen kann. Wirtschaftlich und persönlich geht es für die Topmanager um viel. Jetzt hat Kollege Michael Freitag noch einmal tief in den Konzern hineingehorcht. Vom angeblichen Wolfsburger Softwarefrieden keine Spur : Bei Volkswagen streiten Konzernchef Diess, Porsche-CEO Oliver Blume oder Audi-Frontmann Markus Duesmann weiter. Das Misstrauen gegen Diess' versprochene Supersoftware ist so groß, dass die beiden anderen sogar für viele Jahre darauf verzichten wollen.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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