Lukas Schürmann

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Beginn einer neuen Volkswagen-Ära

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Tesla, Tech-Aktien - und Heinz-Herrmann Thiele.

Es ist ein historischer Freitag in Wolfsburg und Dresden: Volkswagen hat heute erstmals Elektroautos vom Typ ID.3 an Kunden übergeben. Im Stammwerk in Niedersachsen überreichte der scheidende Vertriebschef Jürgen Stackmann (58) die ersten Schlüssel, in der Gläsernen Manufaktur in Sachsen sprach E-Auto-Vertriebsleiterin Silke Bagschik von einer "neuen Ära für klimaneutrale Mobilität." Neue Ära – kleiner macht man's in Wolfsburg nicht.

Eigentlich hatte Volkswagen den Hoffnungsträger, der nur den Auftakt einer ganzen Reihe von Elektromodellen bildet, bereits im Sommer ausliefern wollen. Probleme hatte die Softwareausstattung gemacht; einige Funktionen sind nun auch beim Marktstart noch nicht verfügbar, Kunden müssen im Winter Updates nachladen. Mitte der Woche hatte das Auto bereits eine Klatsche vom Automagazin "Auto, Motor und Sport" erhalten ("erheblicher Nachbesserungsbedarf"). Auch Tesla-Chef Elon Musk (49) hatte sich jüngst nach einer ID.3-Runde mit VW-Chef Herbert Diess (61) kritisch über die Beschleunigungswerte des Kleinwagens geäußert. Diess konterte damals: "Du solltest unseren Porsche Taycan probieren."

Apropos Musk: Während Volkswagen die ersten Auslieferungen seiner Massenmarkt-Hoffnung feierte, wandte sich der Tesla-Chef auf Deutsch an das Autoland Deutschland. "Bitte arbeiten Sie bei Tesla Giga Berlin! Es wird super Spaß machen!!", twitterte er in der Nacht – und machte damit zumindest bei Twitter deutlich mehr Welle als die Wolfsburger Konkurrenz. Gut 2.300 Retweets standen am Nachmittag für ihn zu Buche, Volkswagens "Meilenstein"-Tweet zur ID.3-Auslieferung kam auf: 2.

Keine Maske stört das historische Foto mit Kunde Nummer 1 in Wolfsburg: VWs scheidender Vertriebschef Jürgen Stackmann (links, 58) mit Oliver Nicolai, dem ersten ID.3-Käufer.

Keine Maske stört das historische Foto mit Kunde Nummer 1 in Wolfsburg: VWs scheidender Vertriebschef Jürgen Stackmann (links, 58) mit Oliver Nicolai, dem ersten ID.3-Käufer.

Foto: ANNEGRET HILSE / REUTERS

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

  • Während man in Wolfsburg die Zukunft feiert, wird in München gespart: Volkswagens Lkw-Tochter Traton streicht bei der Marke MAN deutlich mehr Stellen als geplant. Der neue Chef Matthias Gründler (54) will bis zu 9500 der 36.000 Jobs in Deutschland und Österreich einsparen, einzelne Standorte könnten ganz geschlossen werden.

  • Tesla ist nur einer von vielen Werten, die in dieser Woche an der Börse abgestürzt sind. Nach dem dramatischen Crash vieler Tech-Aktien dürfte die Unsicherheit noch weiter anhalten, analysieren unsere Kollegen vom "Economist"  - wie jede Woche veröffentlichen wir exklusiv für unsere m+-Abonnenten die besten Stücke aus der neuen Ausgabe.

  • Derweil macht eine Legende der deutschen Wirtschaft am Markt ordentlich Kasse: Heinz-Herrmann Thiele (79) hat zehn Millionen Aktien seines Auto- und Bahn-Zulieferers Knorr-Bremse verkauft - für 100 Euro pro Stück. "Vielleicht braucht er Geld für sein Engagement bei der Lufthansa", sagte ein Börsianer. Wohl dem, der mal eben eine Milliarde Euro locker machen kann.

  • China ist erstmals größter Kunde für Deutschlands Exporteure. Oder problematisierender formuliert: Deutschlands Exporteure sind so abhängig wie nie zuvor vom chinesischen Markt - und wären bei einem Handelskrieg zwischen den USA und dem Reich der Mitte damit extrem verwundbar. Und während sich Europa vom Demokraten-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden (77) eigentlich ein Ende der Handelskriege erhofft, macht der aktuell auch auf "America first".

  • Finanzminister Olaf Scholz (62) bläst zur Offensive gegen Krypto-Assets: Fünf große EU-Staaten drängen auf ein Regelwerk für Libra, Bitcoin und Co. Sollten die Regeln nicht eingehalten werden, seien auch Verbote denkbar, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters aus einer Erklärung.

  • Und wo wir von riskanten Investments sprechen: Die Philippinen ermitteln im Fall Wirecard aktuell gegen 57 verdächtige Personen und Unternehmen.

Die Personalmeldungen des Tages:

  • Im vergangenen Jahr war Werner Baumann (57) der erste Dax-Chef, dem seine Aktionäre auf der Hauptversammlung die Entlastung verweigerten. Das Vertrauen seines Aufsichtsrats genießt der Bayer-CEO trotzdem immer noch: Baumanns Vertrag wird um drei Jahre verlängert, teilte Bayer mit - trotz der milliardenschweren Folgen des Monsanto-Deals.

  • Den Chefsessel räumen muss derweil Jean-Sébastien Jacques (48), aktuell noch an der Spitze des Bergbauriesen Rio Tinto. Spätestens im März 2021 tritt der Franzose zurück, wenn nicht vorher ein Nachfolger gefunden wird. Der Grund: Im Mai hatte sein Unternehmen zwei bedeutende Stätten australischer Ureinwohner in die Luft gesprengt, um Eisenerzvorkommen erschließen zu können.

Meine Empfehlung für den Abend und das Wochenende:

  • Vielleicht geht es Ihnen ja wie Herrn Thiele und Sie haben plötzlich eine erkleckliche Summe auf der hohen Kante. Wenn es bei Ihnen keine Milliarde ist – die Tipps meines Kollegen Mark Böschen sind auch für kleinere Vermögen geeignet: In der neuen Folge unseres Geldanlage-Podcasts erklärt er, wie größere Summen Geld geschickt auf einmal angelegt werden können.

Machen Sie etwas aus Ihrem Wochenende!

Herzlich, Ihr Lukas Schürmann

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