Lukas Heiny

Der Tag im Überblick Lauter Roboter und ein Traum vom B-Leben

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Aus für den Robo-Bulli, einem Tesla-Bot und dem Eon-Chef im Klartext-Interview.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob man Führungskraft, vielleicht sogar im Vorstand, oder Vorstandschef eines Dax-Konzerns ist. Inhaltlich wusste Leonhard Birnbaum das allermeiste, was auf ihn zukam, als er im April den CEO-Posten beim Energiekonzern Eon antrat. Aber atmosphärisch und emotional sei es dann doch etwas anderes, seit er nun ganz vorn in erster Reihe steht. "Wenn alle auf mich achten und jedes Wort, ja jede Randbemerkung für sich interpretieren."

In der Essener Zentrale hat er zwei Stunden lang mit meinen Kollegen Dietmar Student und Martin Noé gesprochen und dabei eine Menge gesagt, was weit über Randbemerkungen hinausgeht . Er hat seine Strategie erklärt (bei 41 Milliarden Euro Schulden nicht unerheblich), hat die Notwendigkeit eines Kulturwandels innerhalb der strengen Eon-Hierarchien betont ("überlebenswichtig") und die bremsende Rolle des Staates beim Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft bemängelt ("Wir verwalten uns zu Tode").

Und dann war da noch das Corona-Thema ("Das kann mich richtig aufregen"). Klar wie wenige deutsche CEOs positioniert er sich beim Impfen. Zwar gebe es derzeit noch keine rechtliche Handhabe, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Impfen zu zwingen. "Aber möglichst viele Eon-Mitarbeiter sollen geimpft sein. Wer sich nicht impfen lassen will, schadet der Gemeinschaft." Eine Randbemerkung ist das nicht – und zu interpretieren gibt es auch wenig.

Stromverteiler: Der neue Chef Leonhard Birnbaum will Eon smarter, schneller und stromlinienförmiger machen

Stromverteiler: Der neue Chef Leonhard Birnbaum will Eon smarter, schneller und stromlinienförmiger machen

Foto: Jann Höfer

Die Themen der Woche:

  • Geopolitisch natürlich: Afghanistan. Die schrecklichen Bilder und Ereignisse dort haben Schockwellen bis in alle westlichen Regierungen erzeugt. Gewissheiten stehen infrage, die Zukunft vieler Menschen ist ungeklärt. Wir haben uns in dieser Woche angeschaut, wie die Taliban eigentlich zu Geld kommen, um ihre neue Herrschaft abzusichern. Die Zentralbankreserven und IWF-Millionen sind blockiert - aber durch Zölle, Abgaben und Drogengelder kommt eine Menge zusammen. Gleichwohl erwarten Ökonomen nach dem humanitären und politischen auch einen ökonomischen Kollaps.

  • Apropos Kollaps: Auch die Börse in China war ein Thema der Woche. Nach den regulatorischen Eingriffen in diverse Segmente der Tech-Branche sinkt das Vertrauen. Insgesamt verloren die heimischen Konzerne an den Börsen in Hongkong und in China direkt rund 560 Milliarden Dollar an Wert.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Versandet: Doch kein Robo-Bulli für Katar

Versandet: Doch kein Robo-Bulli für Katar

  • Das "Projekt Katar Mobility" war mal ein Prestigeding des Volkswagen-Konzerns. Zur Fußball-WM in dem Wüstenstaat sollten autonom fahrende Elektro-Bullis der Sorte ID.Buzz durch den Wüstenstaat rollen. Doch daraus wird nichts – zu komplex und zu teuer.  Wie auch bei der Konkurrenz ist das mit den Robo-Autos eben komplizierter als gedacht.

  • Auch bei Tesla läuft es bei diesem Thema ja nicht so glatt wie es in den Reden von Elon Musk oft klingt. Die US-Behörden haben sich bekanntlich in dieser Woche den "Autopiloten" der E-Autos vorgenommen. Was Musk nicht daran hindert, weitere Robo-Ideen zu propagieren. Jetzt sorgte er auf dem "AI-Day" seines Unternehmens mit dem Konzept eines menschenähnlichen Roboters für Aufsehen, genannt "Tesla Bot". "Irgendwann im nächsten Jahr" sollen die Maschinen produziert werden, freundlich programmiert natürlich. "Man kann vor ihm weglaufen und ihn höchstwahrscheinlich überwältigen. Hoffentlich passiert das nicht, aber man weiß ja nie", sagt Musk und lachte auf eine Art, wie sie auch Armin Laschet noch im Ohr hat.

  • Die Lokführer in Deutschland werden wieder streiken. Das kündigten die GDL und ihr Chef Claus Weselsky an. Einen Robo-Zug übrigens gibt es - jedenfalls hierzulande - noch nicht, aber wer weiß, wann.

  • Karstadt und Kaufhof kann man gerade beim Verschwinden zusehen. Die Marken werden ersetzt, die verbleibenden Filialen sollen künftig nur noch als "Galeria" firmieren. Rebranding, nennt man das. Heute stellte Konzernchef Miguel Müllenbach die Grundzüge vor – darunter auch das neue Logo.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Dass bei Traton gerade ein Kulturkampf tobt, haben wir Ihnen bereits in dieser Woche ausführlich erklärt.  Dahinter steht natürlich immer die Frage, wie die Lkw-Tochter des Volkswagen-Konzerns endlich den Weltmachtanspruch einlösen kann, den man ihr intern zugedenkt. Vorstandschef Matthias Gründler wird den Aufsichtsräten und Anteilseignern seine Strategie am 15. September präsentieren. Mein Kollege Michael Freitag verrät jetzt schon, wie sie aussieht. In Kurzform: viel mehr China, viel mehr Elektro  – und trotz der Milliardeninvestitionen auch mehr Rendite. Na dann.

Die besten Originaltexte aus dem aktuellen "Economist":

  • "Nerd will invent the future", hat der Wagniskapitalinvestor Vinod Khosla 2010 in einer Rede vor dem California Institute of Technology gesagt. Er wollte die besten Köpfe aus IT, Wissenschaft und Technik animieren, sich mit Ideen gegen den Klimawandel hervorzutun. Verbunden mit dem öffentlichen Druck und den ersten kommerziellen Erfolgen werde es in zehn Jahren einen Boom an Innovationen geben, die Clean-Tech-Szene werde ihren Netscape-Moment erleben und geradezu explodieren. Jetzt ist es so weit. Im vergangenen Jahr flossen mehr als 500 Milliarden Dollar Investitionen in Klimatechnologien, ein Großteil von Wagniskapitalgebern. Ob daraus eine nachhaltige Boom-Branche werden kann? Gut möglich, argumentieren die Kollegen vom "Economist". 

  • Die Modeketten Zara oder H&M gelten ja in Teilen immer noch als billig. Im Vergleich zur irischen Discountkette Primark sind es eher Luxustempel. T-Shirts für 3,50 oder Hosen für einen Zehner – und dabei auch noch Geld verdienen (die Ebit-Marge ist nämlich durchaus branchenüblich). Wie das möglich ist?  Mit gnadenlosem Kostendrücken, Billigproduktion, Verzicht auf Werbung – und auf Tempo.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Kürzlich hat meine Kollegin Mirjam Hecking mit deutschen Unternehmern und Managern großer Konzerne gesprochen, die Opfer von Hackerangriffen geworden sind.  In der aktuellen Folge unseres Podcasts "Das Thema" berichtet sie aus der Welt der Daten-Kidnapper, ihrer Lösegeldforderungen und der Reaktionsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Aber hören Sie selbst.

  • Und zu guter Letzt lege ich Ihnen einen Text von Nico Rose ans Herz, einem der führenden Experten für Positive Psychologie im deutschsprachigen Raum und Professor für Wirtschaftspsychologie. Er fragt: Was ist Ihr Plan B?  Denn egal ob Lokführer, Tennisgöttin, Robo-Erfinder oder Gitarrist – die Berufswünsche aus der Jugendzeit sind mitnichten nur Fantastereien. Unser nicht gelebtes "Leben B" verleiht uns Kraft, Kreativität und kann unsere Karriere einzigartig machen. Also los: Ich wollte Fußballer werden, bei Werder Bremen. Und Eon-Chef Birnbaum Archäologe.

Herzlich, Ihr Lukas Heiny

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