Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Neue Milliardäre und investmentfreudige Notenbanker

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der ethischen Dimension in der Wirtschaft, den deutschen Newcomern auf der Milliardärsliste und investmentfreudigen Notenbankern.

Adidas, BMW, Volkswagen, Tengelmann – sie alle haben eins gemeinsam: Mit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stoppten sie und viele andere internationale Konzerne ihre Geschäfte in Russland und gingen damit über die staatlichen Sanktionen hinaus. Ihre entschiedene Reaktion entspricht dem Zeitgeist: Ethisches Management soll Gewinnmaximierung als Hauptziel allen Wirtschaftens ablösen.

Dieses Ziel wird ab dem 1. Januar nach jahrelanger Verzögerung durch Lobbyorganisationen endlich zur gesetzlichen Regelung in Deutschland. Dann tritt das sogenannte Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz in Kraft. Es legt fest, dass Unternehmen systematisch gegen Verletzungen von Grundrechten vorgehen müssen – und zwar entlang ihrer gesamten Lieferkette. Bei Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 2 Prozent des Jahresumsatzes.

Es ist der bislang schärfste Vorstoß, deutsche Unternehmen ethisch in die Verantwortung zu nehmen. Deutschland hinkt damit anderen Ländern wie den USA, Großbritannien und Frankreich hinterher, in denen längst strengere Gesetze gelten. Wie sich Mercedes, Volkswagen, Tchibo und der Textilhersteller Engelbert Strauss bereits auf das Gesetz vorbereitet haben und was Anwälte und Berater den Firmen raten, hat unsere Kollegin Eva Müller in einem lesenswerten Report für Sie aufgeschrieben: Gegen Ausbeutung und Krieg – das Ethik-Dilemma der Konzerne .

Renata Jungo Brüngger, Vorständin für Integrität und Recht bei Mercedes: "Unser Geschäft muss nachhaltig werden, oder wir haben irgendwann keines mehr"

Renata Jungo Brüngger, Vorständin für Integrität und Recht bei Mercedes: "Unser Geschäft muss nachhaltig werden, oder wir haben irgendwann keines mehr"

Foto: Daimler/ dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Weniger Milliardäre: Die Zahl der auf der Welt lebenden Milliardäre ist nach Recherchen des US-Magazins "Forbes" zuletzt um 87 auf 2668 Menschen geschrumpft. An der Spitze des globalen Reichsten-Rankings steht Tesla-Chef Elon Musk mit einem Vermögen von rund 219 Milliarden US-Dollar (200 Milliarden Euro), gefolgt von Amazon-Gründer Jeff Bezos sowie dem französischen Luxusunternehmer Bernard Arnault. In dem Ranking befinden sich auch zwei Frauen und fünf Männer aus Deutschland, die bisher nicht auf der Liste standen. Wer die Newcomer sind, erfahren Sie hier.

  • Mehr Windräder: Das FDP-geführte Verkehrsministerium und das Wirtschafts- und Klimaministerium von Robert Habeck (Grüne) haben sich auf zusätzliche Flächen für Windräder geeinigt. Durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse ist es nun möglich, im Umfeld von Wetterradaren und Drehfunkfeuern – die für die Navigation von Flugzeugen wichtig sind – die Abstände für Windräder zu verringern. Somit können den Angaben zufolge rund 1000 neue Anlagen in Deutschland entstehen.

Was uns heute sonst noch beschäftigt hat:

  • Schärfere Sanktionen: Angesichts der schrecklichen Bilder aus der ukrainischen Stadt Butscha flammt die Diskussion um ein Energie-Embargo gegen Russland wieder auf. Doch gerade in der gashungrigen Chemie- und Pharmabranche, aber auch in der Stahl-, Keramik- und Glasindustrie sind die Sorgen vor einem plötzlichen Ausbleiben russischer Energie groß. Wir haben uns einmal näher angeschaut, warum die deutschen Konzerne ein sofortiges Gas-Embargo ablehnen. Den von der EU geplanten Importstopp für Kohle unterstützt die deutsche Industrie dagegen. Die USA haben unterdessen angekündigt, alle neuen Investitionen in Russland zu verbieten.

  • Zweifelhafte Geldanlagen: "Sie machen uns ARM und sich selbst REICH", titelte jüngst die "Bild"-Zeitung und warf EZB-Chefin Christine Lagarde und der deutschen EZB-Exekutivdirektorin Isabel Schnabel vor, lieber ihre Privatinvestments mit billigem Geld aufzupeppen, als auftragsgemäß die Inflation in Schach zu halten. Ob an dem plumpen Vorwurf etwas dran ist, hat unser Kollege Christian Schütte untersucht: Wie zweifelhaft sind die privaten Investments der Währungshüter? 

  • Erkaltete Gefühle: Als "väterlich" beschrieben Beobachter das Verhältnis von Klaus Gehrig zu Annabel Ehm und Melanie Köhler. In seinen letzten Jahren als Chef der Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland) beförderte Gehrig die beiden ehemaligen Lidl-Managerinnen in höchste Ämter. Das Vertrauensverhältnis reichte sogar so weit, dass Ehm und Köhler Beteiligungen an seinen Unternehmen erhielten. Doch nachdem alle drei nacheinander aus der Schwarz Gruppe ausgeschieden sind, haben die beiden Topmanagerinnen nun auch ihre Anteile an Gehrigs Firmen abgegeben .

Meine Empfehlung für den Abend:

Endlich wieder im Büro: Führungskräfte müssen sich etwas einfallen lassen, um ihre Mitarbeiter an einem Ort zusammenzubringen

Endlich wieder im Büro: Führungskräfte müssen sich etwas einfallen lassen, um ihre Mitarbeiter an einem Ort zusammenzubringen

Foto: Jakob Schnetz
  • Haben Sie auch Schwierigkeiten dabei, Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Höhepunkt der Corona-Pandemie wieder zurück ins Büro zu holen? Die Coachin und Bestsellerautorin Erica Keswin berät Unternehmen dabei, wie sie Menschen bei der Arbeit an einem Ort zusammenbringen können. Ihr Credo: Gestalten Sie einen Tag, den Ihre Angestellten auf gar keinen Fall verpassen wollen. Dabei sollten Sie darauf achten, die Vor-Ort-Tage mit Ihren Unternehmenswerten in Einklang zu bringen, berufliche Weiterbildung einzuplanen und Rituale zu schaffen. Für unsere Kollegen vom Harvard Business manager hat Keswin aufgeschrieben, wie sie der Belegschaft der US-Investmentbank EA Markets zu ihren "Superdays" verholfen hat: Wow, ein Tag im Büro! 

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel