Christoph Seyerlein

manage:mobility Adiós, Autohändler!

Liebe Leserin, lieber Leser,

das 49-Euro-Ticket startet nicht zum 1. Januar 2023 – und niemanden wird es wundern. Es hätte vielmehr überrascht, hätten Bund, Länder und Verkehrsbetriebe das Prestigeprojekt unfallfrei umgesetzt.

Die Politik visiert nun den April als Startmonat für den Nachfolger des im Ende August ausgelaufenen 9-Euro-Tickets an. Die Verkehrsbetriebe gehen von Mai aus. Frühestens.

In der Zwischenzeit hat die Bahn die Preise im Regionalverkehr bereits erhöht, der Fernverkehr folgt wie jedes Jahr im Dezember. Tanken wurde dagegen zuletzt günstiger.

So werden auch in diesem Winter nur wenige Menschen ihr Auto stehen lassen. Die Verkehrswende muss warten.

Unsere weiteren Themen der Woche:

  • Warum Volkswagen immer mehr Händler aussortiert

  • Wieso Autozulieferer auf Sozialleistungen ihrer Kunden angewiesen sind

  • Wer das Rennen um die Tankstelle der Zukunft macht

Topthema: Warum Volkswagen immer mehr Händler aussortiert

Abbaubeauftragte: VW-Vertriebsvorständin Imelda Labbé dünnt das Händlernetz weiter aus

Abbaubeauftragte: VW-Vertriebsvorständin Imelda Labbé dünnt das Händlernetz weiter aus

Foto: PR

Bevor der Dieselskandal im November 2015 ans Licht kam, gab es in Deutschland noch 1253 VW-Händler. Es folgten schwierige Jahre mit einigen Insolvenzen. 2018 kündigten die Wolfsburger ihren Partnern dann die Verträge. Seitdem verpasst der Hersteller seinem Netz auch eigenmächtig eine heftige Schrumpfkur, sortiert immer mehr Händler aus. 2020 waren noch 850 übrig. Nun steht die nächste Welle an .

Köpfe: Hildegard Müller ++ Carsten Breitfeld ++ Bernd Martens ++ Ann-Kathrin Schneider

Autofrontfrau: Hildegard Müller bleibt zwei weitere Jahre Präsidentin des Verbands der deutschen Automobilindustrie

Autofrontfrau: Hildegard Müller bleibt zwei weitere Jahre Präsidentin des Verbands der deutschen Automobilindustrie

Foto: Wolfgang Borrs/ dpa
  • Hildegard Müller (55) hat dem Verband der deutschen Automobilindustrie seit ihrem Antritt als Präsidentin im Februar 2020 einen neuen Anstrich  verpasst. Das soll sie nun noch mindestens zwei Jahre  fortsetzen.

  • Carsten Breitfeld (59) darf sein Werk als Chef des Elektroauto-Start-ups Faraday Future dagegen nicht weiter fortführen. Seit der Ex-BMW-Manager 2019 dort anheuerte, gab es wie zuvor wenige Ups und viele Downs. Jetzt übernimmt Xuefeng Chen (46), bislang Leiter des Chinageschäfts – und bekommt dafür ein nettes Gehaltspaket.

  • Bernd Martens (56) hat hingegen einen neuen Job. Der ehemalige Audi-Einkaufsvorstand startet als Chief Operating Officer beim Solarauto-Hersteller Lightyear . Die Niederländer beginnen gerade mit der Serienproduktion  ihres ersten Modells "Lightyear 0".

  • Ann-Kathrin Schneider (46) ist Geschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) – und nach einem Jahr Ampelregierung wenig begeistert  von deren Verkehrspolitik: "Der Verkehrsminister schaltet die Verkehrswendeampel auf Rot und Klimaschutzminister Habeck trägt das mit. Das ist beschämend."

Unternehmen: Airbus ++ Mercedes ++ Bosch ++ Scania

Bereit zum abheben: Airbus-Chef Guillaume Faury

Bereit zum abheben: Airbus-Chef Guillaume Faury

Foto: REGIS DUVIGNAU/ REUTERS
  • Seit Ausbruch der Coronapandemie fliegen viele Menschen seltener – vor allem auf der Langstrecke. Flugzeugbauer wie Airbus schmerzt das. Nun sieht Konzernchef Guillaume Faury (54) Licht am Ende der Startbahn.

  • Bei Automobilherstellern herrscht dagegen schon länger Goldgräberstimmung. Sie können ihre knappe Ware weiter zu Traumpreisen an die Kunden verteilen. Besonders hell leuchtete im dritten Quartal der Mercedes-Stern: Mit 5,2 Milliarden Euro fuhren die Schwaben noch mehr Gewinn ein als Volkswagen und BMW.

  • Gute Laune herrscht bei Mercedes auch, da das Kraftfahrt-Bundesamt dem Autobauer und Bosch die Freigabe erteilte, am Stuttgarter Flughafen S-Klasse und EQS-Fahrzeuge fahrerlos durch das Parkhaus P6 steuern zu lassen. Angeblich weltweit einmalig .

  • Lkw-Hersteller Scania legte 2016 einen Risikokapitalfonds von 500 Millionen Kronen (rund 45 Millionen Euro) auf, um sich an Unternehmen zu beteiligen, die zu den eigenen Zukunftsplänen passen. Jetzt macht Scania sogar 2 Milliarden Kronen  (ca. 180 Millionen Euro) locker, um stärker in intelligente Fabriken, Drohnen und Co. zu investieren.

Mehr Mobilität: E-Tankstellen ++ Tier Mobility ++ Helbiz

Tanke reloaded: Shells Deutschlandchefin Linda van Schaik und Rewes Finanzchef Telerik Schischmanow Ende November in Berlin

Tanke reloaded: Shells Deutschlandchefin Linda van Schaik und Rewes Finanzchef Telerik Schischmanow Ende November in Berlin

Foto:

Shell

  • Rewe, Penny, Lidl und Co. investieren vor ihren Märkten in Ladesäulen für Elektroautos. Sie wittern ein neues Geschäftsmodell – und ein Instrument, die Kundschaft in die Läden zu locken. Doch so einfach ist das nicht, berichtet meine Kollegin Marleen Gründel.

  • Alles andere als einfach scheint die Lage auch bei Tier Mobility zu sein. Vor einigen Wochen entließ der Berliner E-Scooter-Verleiher zahlreiche Mitarbeiter. Nach knapp drei Jahren stellt das Unternehmen nun das Geschäft mit Leih-Mopeds ein . Profitabel war es nie.

  • Salvatore Palella (35) ist Chef von Helbiz, ebenfalls im Scooter-Business aktiv. Er will der Krise offenbar anders begegnen und präsentiert sich in Kauflaune . Objekt der Begierde könnte der taumelnde Konkurrent Bird sein.

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Deepdrive der Woche

Ausgebrannt: Vor allem für Autozulieferer, deren Geschäft stark von Verbrennungsmotoren abhängt, wird es eng

Ausgebrannt: Vor allem für Autozulieferer, deren Geschäft stark von Verbrennungsmotoren abhängt, wird es eng

Foto: BMW

Bei Autozulieferern herrscht – wir haben mehrfach berichtet – Dauertristesse. Greifen ihnen ihre bestens verdienenden Kunden, die Automobilhersteller, nicht unter die Arme, wird es für viele eng. Mein Kollege Michael Freitag hat Felix Mogge von Roland Berger und Christof Söndermann von Lazard gefragt, wie brenzlig die Lage ist. Die Antworten sind alarmierend .

Zahl der Woche: 50.288

Bis einschließlich September kamen in Deutschland im laufenden Jahr 272.473 Elektroautos und 215.647 Plug-in-Hybride neu auf die Straße. Der Bestand an elektrifizierten Pkw wuchs deutlich langsamer. Zum Stichtag 1. Oktober 2022 "fehlten" im Vergleich zum 1. Januar 2022 genau 50.288 BEV und 36.600 PHEV . Wohl auch, da viele ihr E-Auto gewinnbringend ins Ausland verkaufen. Aktuell muss man ein E-Auto hierzulande schließlich nur ein halbes Jahr behalten, um bis zu 9000 Euro Umweltbonus zu ergattern.

Geisterfahrer der Woche

KN oder doch Kia? Das neue Logo des koreanischen Autobauers scheint viele zu verwirren

KN oder doch Kia? Das neue Logo des koreanischen Autobauers scheint viele zu verwirren

Foto: Allison Dinner / EPA

Neue Logos liegen bei Automobilherstellern im Trend. Auch Kia hat sich 2021 ein frisches Emblem verpasst – und damit bei vielen Interessentinnen und Interessenten Verwirrung gestiftet. "I" und "A" sind nun miteinander verschmolzen und ähneln so in gewisser Weise einem "N". Es kam, wie es kommen musste: Inzwischen suchen jeden Monat Zehntausende Google-Nutzer nach dem "kn car" .

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

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