Christoph Rottwilm

Der Donnerstag im Überblick Marke wichtig, Bilanzen nichtig, Mischteams richtig

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Namenssuche in Wolfsburg, einem Fabrikflop in Bitterfeld und einem Lösungsversuch in Norwegen.

Donnerstag ist Autotag beim manager magazin, denn jede Woche veröffentlichen wir an diesem Tag unseren Newsletter manage:mobility mit exklusiven Nachrichten und Hintergründen aus der Branche (falls noch nicht geschehen: hier geht es zum Abonnement). Der heutige Donnerstag ist aber in besonderem Maße ein Autotag. Denn von allen großen deutschen Herstellern kommen heute Nachrichten, und zwar völlig unterschiedlicher Art.

Da wäre zunächst Volkswagen. In Wolfsburg hat Konzernchef Herbert Diess schon mit mancher Idee überrascht – nicht alles davon wurde Realität. Jetzt kommt Diess mit einem neuen Vorstoß auf seine Mitarbeiter zu. Der Konzern Volkswagen sei eigentlich keine eigene Marke, meint der Manager. Das Potenzial des Unternehmens werde daher nicht voll genutzt. Um das zu ändern, hat Diess bereits ein Team eingesetzt, das einen neuen Dachnamen für den Volkswagen-Konzern suchen soll . So ähnlich, wie es in den USA bereits Google mit der Muttergesellschaft Alphabet oder Facebook mit Meta gemacht haben.

Namenssuche: Volkswagen-Chef Herbert Diess würde gerne eine neue Marke kreieren

Namenssuche: Volkswagen-Chef Herbert Diess würde gerne eine neue Marke kreieren

Foto: Eyecatchme.Photography / picture alliance/dpa/Volkswagen AG

Mercedes gerät heute eher indirekt in die Nachrichten. Es geht um eine Fabrik für Batteriezellen, die der chinesische Hersteller Farasis im sachsen-anhaltinischen Bitterfeld bauen wollte. Dieser Plan ist nun geplatzt, die Verträge für das Vorhaben wurden gekündigt. Was das mit Mercedes zu tun hat? Der Stuttgarter Konzern wählte Farasis vor wenigen Jahren als Partner und Lieferanten für die Batteriezellen in seinen Elektroautos. Das Fabrik-Aus in Bitterfeld ist also auch ein Rückschlag für Mercedes-Chef Ola Källenius.

Und schließlich BMW. Die Münchener kommen im Vergleich zur Konkurrenz mit einer eher bodenständigen Neuigkeit daher, nämlich den Geschäftsergebnissen für das erste Quartal 2022. Weil BMW sein China-Geschäft erstmals voll einbeziehen konnte, ergab sich ein kräftiges Wachstum bei Umsatz und Gewinn. Auch die Nachfrage nach Luxusautos ist weiterhin hoch, so Konzernchef Oliver Zipse. Die BMW-Aktie legte um mehr als 2 Prozent zu.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Audis McLaren-Deal vor dem Aus: Es geht mit Auto-Nachrichten weiter. Über die Pläne Audis und Porsches für einen Start in der Formel 1 haben wir schon mehrfach berichtet. Die Hoffnung in Ingolstadt ruht bislang vor allem auf einem Einstieg beim britischen Traditionsrennstall McLaren. Doch genau daraus scheint nun nichts zu werden. Wie meine Kollegen Michael Freitag, Margret Hucko und Lukas Heiny berichten , steht der geplante Deal von Audi mit McLaren vor dem Aus. Es gebe "keinen Lösungsraum mehr", sagte ein Beteiligter zu den Verhandlungen.

  • Wirecard-Bilanzen wertlos: Der komplexe Milliardenskandal um den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard bekommt eine neue Facette. Das Landgericht München hat entschieden, dass die Bilanzen, die Wirecard für die Jahre 2017 und 2018 aufgestellt hat, nichtig sind. Als Folge daraus kann der Insolvenzverwalter des Unternehmens nun möglicherweise von Aktionären Dividenden in zweistelliger Millionenhöhe zurückverlangen. Zudem macht der Richterspruch den Geschädigten des Bilanzskandals neue Hoffnung: Juristen zufolge steigen dadurch die Chancen, auch den Wirtschaftsprüfer EY zur Haftung heranzuziehen.

  • Aufatmen bei der Lufthansa: Die Lufthansa kann sich zum Jahresauftakt über bessere Geschäftszahlen freuen. Weil die Nachfrage nach Flügen wieder steigt und die Tickets teurer geworden sind, stieg der Umsatz des Unternehmens. Zwar schreibt Deutschlands führende Airline weiter rote Zahlen. Den Verlust konnte sie aber in den ersten Monaten des Jahres ungefähr halbieren. Lufthansa-Chef Carsten Spohr blickt nun wieder optimistisch nach vorn.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Energiespeicher für die Industrie: Alle Welt spricht zurzeit davon, wie sich westliche Länder von der Energieversorgung aus Russland abkoppeln und unabhängiger werden können. Das norwegische Unternehmen Energynest hat dafür eine mögliche Lösung entwickelt: Die thermischen Batterien des Unternehmens sollen eine langfristige Speicherung von Energie ermöglichen und so den Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern erleichtern. Über die Details dieser Technik und das Potenzial für die Industrie sprach mein Kollege Helmut Reich mit Christian Thiel, dem Vorstandschef von Energynest.

Meine Empfehlung für den Abend:

Der Mix macht's: Junge und ältere Mitarbeiter erzielen gemeinsam bessere Ergebnisse

Der Mix macht's: Junge und ältere Mitarbeiter erzielen gemeinsam bessere Ergebnisse

Foto:

vm / Getty Images

  • In vielen Unternehmen dürfte es ähnlich sein: Die jüngeren Mitarbeiter halten die älteren für unmotiviert und wenig offen gegenüber Innovationen und neuen Technologien. Die Älteren auf der anderen Seite denken mitunter, nur sie wüssten, wo es wirklich lang geht, der Nachwuchs sei doch unerfahren und naiv. Im Recht sind beide Seiten damit selbstverständlich nur selten. Tatsächlich tragen in der Regel Beschäftigte aller Altersklassen zum Unternehmenserfolg bei, jeder auf seine Weise. Und mehr noch: Wie die Kollegen vom Harvard Business manager berichten, liefern Teams, in denen Jüngere und Ältere zusammenarbeiten, sogar bessere Ergebnisse . Denn ein guter Altersmix sorgt für mehr Qualität, Kreativität und Innovation.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm