Christoph Seyerlein

manage:mobility Blackout-Gefahr in Stuttgart, Wolfsburg und München

Liebe Leserin, lieber Leser,

in Katar rollt der Ball, aber das scheint fast Nebensache. Über Katar wird aus anderen Gründen gesprochen. Zigtausende tote Gastarbeiter, mit Füßen getretene Menschenrechte, eine gekaufte Austragung im Winter – diese Fußball-Weltmeisterschaft wird als skandalös in die Geschichte eingehen.

Auch auf manchen Mobilitätskonzern droht die Negativstimmung abzufärben. Einige sind eng mit Katar verbandelt. An Volkswagen hält das Emirat über seinen Staatsfonds 17 Prozent der Stamm- und gut 11 Prozent der Vorzugsaktien.

Investiert ist Katar auch in Porsche, Hapag-Lloyd oder Siemens. Eine nagelneue Bahn-Infrastruktur – hierzulande ein frommer Wunschtraum – baute im Emirat, man mag es kaum glauben, die Deutsche Bahn auf. Ökonomisch nachvollziehbar. Für's Image sammelt man so aber keine Punkte.

Unsere weiteren Themen der Woche:

  • Warum den deutschen Autobauern ein Elektrodesaster droht

  • Wie sehr Daimler-Truck-Betriebsratschef Michael Brecht eine Deindustrialisierung fürchtet

  • Wieso Sixt-Co-CEO Alexander Sixt in Mobilitätsdiensten kein Milliardengeschäft sieht

Topthema: Warum die deutschen Autokonzerne auf ein Elektrodesaster zusteuern

Rekordfahrt: Der Mercedes-Benz Vision EQXX kommt mit einer Batterieladung mehr als 1000 Kilometer weit. Einziger Haken: Den Wagen kann man nicht kaufen.

Rekordfahrt: Der Mercedes-Benz Vision EQXX kommt mit einer Batterieladung mehr als 1000 Kilometer weit. Einziger Haken: Den Wagen kann man nicht kaufen.

Foto:

Bernd Hanselmann / Mercedes-Benz AG

Mercedes, Volkswagen, Audi, BMW – alle haben sie große Elektro-Offensiven angekündigt, die Autobosse überschlagen sich mit öffentlichen Bekenntnissen. Doch die meisten sind noch nicht weit gekommen. Sie wurden überrumpelt von der Rasanz, mit der sich ihr bislang höchst einträgliches Geschäft ändert. Ein Desaster droht , berichten meine Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag.

Köpfe: Michael Brecht ++ Daniela Cavallo ++ Klaus Roewe ++ Jean Castex

Batteriezellfan: Daimler-Truck-Betriebsratschef Michael Brecht macht sich schon lange für Akku-Fabriken in Deutschland stark

Batteriezellfan: Daimler-Truck-Betriebsratschef Michael Brecht macht sich schon lange für Akku-Fabriken in Deutschland stark

Foto: Bernd Weißbrod / dpa / picture alliance
  • Michael Brecht (57) will als Betriebsratschef von Daimler Truck und Aufsichtsrat von Mercedes-Benz verhindern, dass die Deutschen bei der E-Mobilität abgehängt werden. Was er sich von den Vorständen, aber auch der Politik erhofft, hat Brecht uns im Interview verraten .

  • Daniela Cavallo (47) ist bei Volkswagen mindestens so mächtig wie Brecht bei Mercedes. Die Chefin des Gesamt- und Konzernbetriebsrats in Wolfsburg kann den 125.000 Beschäftigten im VW-Haustarif nun neue Konditionen präsentieren. Ab Juni 2023 gibt es 5,2 Prozent und ab Mai 2024 noch einmal 3,3 Prozent mehr Lohn. 3000 Euro Sonderzahlung legt der Autobauer obendrauf.

  • Klaus Roewe (58) leitet seit August die Geschäfte bei Lilium. Vielen Zweiflern zum Trotz will das Flugtaxi-Start-up 2025 abheben. Der Weg dorthin bleibt teuer. Ein wenig Luft verschaffen sich die Münchner nun mit einer Kapitalerhöhung um 119 Millionen Dollar . Beteiligt hat sich auch Roewe. Starthilfe für sich selbst sozusagen.

  • Jean Castex (57) war zwischen Juli 2020 und Mai 2022 französischer Premierminister. Jetzt wird er Chef der Pariser Métro . Erinnert in gewisser Weise an den Werdegang von Ronald Pofalla (63) hierzulande. Weitere Kommentare verkneifen wir uns.

Unternehmen: Knorr-Bremse ++ Nio ++ Moskwitsch ++ Tesla

Paarlauf: Der inzwischen verstorbene Unternehmer Heinz Hermann Thiele mit seiner Ehefrau Nadia Thiele beim Börsengang von Knorr-Bremse im September 2018

Paarlauf: Der inzwischen verstorbene Unternehmer Heinz Hermann Thiele mit seiner Ehefrau Nadia Thiele beim Börsengang von Knorr-Bremse im September 2018

Foto:

Hannelore Förster / imago images

  • Witwe vs. Vollstrecker: Der Umgang mit dem Milliardenerbe des im Februar 2021 verstorbenen Knorr-Bremse-Patriarchen Heinz Hermann Thiele entwickelt sich zum Drama. Witwe Nadia Thiele (46) hat Testamentsvollstrecker Robin Brühmüller (54) wegen Untreue angezeigt. Die Details zum bizarren Erbstreit  haben meine Kollegen Michael Freitag, Katharina Sloczyk und Dietmar Palan recherchiert.

  • Keine Milliarden, aber eine Stange Geld braucht auch, wer einen Nio kaufen will. Konkret: Mindestens 49.900 Euro . Zu jenem Preis startet die Limousine ET5 in Deutschland. Das größere Modell ET7 kostet mindestens 69.900 Euro, das SUV EL7 mindestens 73.900 Euro. Eigentlich wollten die Chinesen ihre Autos nur im Abo vermarkten, holten sich dafür aber einen Einlauf der deutschen Community ab.

  • Anders als Nio ist Moskwitsch kein Newcomer, sondern ein Comebacker. In Russland läuft die Produktion eines neuen Modells der Kultmarke an. Die Regierung will damit westlichen Sanktionen entgegenwirken, die die lokale Autoproduktion schwer getroffen haben. Doch die Rückkehr wirkt eher wie ein symbolischer Akt, denn wie ein echter Gamechanger.

  • Yoon Suk Yeol (61), Präsident Südkoreas, buhlt um ein Tesla-Werk in seinem Land. Elon Musk (51) sucht schon länger nach einem weiteren Produktionsstandort in Asien, Südkorea sei "einer der Top-Kandidaten" für ein Investment, ließ der Tesla-Chef nach einem Gespräch mit Yoon verlauten.

Mehr Mobilität: Sixt ++ Pony.AI ++ Baidu ++ Zapp

"70 bis 90 Prozent elektrisch": Alexander Sixt will den Autovermieter zu einem Elektrovorbild entwickeln

"70 bis 90 Prozent elektrisch": Alexander Sixt will den Autovermieter zu einem Elektrovorbild entwickeln

Foto: Oliver Soulas / laif
  • Alexander (43) und Konstantin Sixt (39) sind die Könige der Autovermieter. Den Status wollen die Brüder wahren. Im Interview mit Michael Freitag  schildert Alexander Sixt seine Zukunftspläne, spricht über den 100.000-Auto-Deal mit BYD und erläutert, warum er in Mobilitätsdiensten keinen Milliardenmarkt erkennen kann.

  • Von Mobilitätsdiensten wollen perspektivisch Pony.AI und Baidu profitieren. In Peking  dürfen die beiden Unternehmen nun autonom fahren – ohne Sicherheitsfahrer hinter dem Steuer.

  • Auf zwei Rädern will Zapp durchstarten. Die Briten bauen leistungsstarke Elektro-Mopeds, die nur 90 Kilogramm wiegen sollen. Reicht das für eine Börsen-Rallye? Ja, sagt Zapp . Gewagt, sagen wir.

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Deep Drive der Woche: Gen Z und Autos

Der Generation Z – Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren sind – wird nachgesagt, wenig Interesse an Autos zu haben. Ob das stimmt, wollte die Beratung Horyzn.io  herausfinden. Glaubt man dem Report, verbindet die Gen Z Autos gar stärker mit Freiheit als die Gen X.

Zahl der Woche: 0,12

Seltener Anblick: Ein Aiways U5 auf deutscher Straße

Seltener Anblick: Ein Aiways U5 auf deutscher Straße

Foto: Aiways

Bei Chinas Angriff auf Europas Automarkt will auch Aiways mitmischen. Nun stellt sich die Marke neu auf, Aufsichtsratschef Xuanlin "William" Chen tritt seinen Posten an den bisherigen Vorstandsboss Yang "Charlie" Zhang ab. Dessen Rolle übernimmt Xiaochuan "Matthew" Qiu. Aiways verkauft die Rochade als "Zepter-Übergabe nach erfolgreichem Markenstart" . In Deutschland ist davon wenig zu sehen. Für das SUV U5 sind beim Bund seit Oktober 2020 lediglich 1010 Fördergesuche eingegangen. Bei insgesamt 874.357 E-Auto-Anträgen  entspricht das einem Anteil von 0,12 Prozent.

Falschfahrer der Woche

Mit Katar sind wir eingestiegen, mit Katar steigen wir aus. Auch logistisch läuft es bei der Fußball-WM im Emirat nicht immer rund. Kommentator Wolff-Christoph Fuss verpasste Teile der Eröffnungsfeier. Sein Busfahrer kannte den Weg zum Stadion nicht und sei "fünf Kilometer in die falsche Richtung gestochen". Wäre Fuss mal lieber mit der (Deutschen) Bahn angereist.

Ich wünsche Ihnen eine störungsfreie Woche.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

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