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Christoph Rottwilm

Der Donnerstag im Überblick Auto-Deutschland gegen den Rest der Welt

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Kopfzerbrechen in Wolfsburg, München und Stuttgart, Flüssigerdgas in Sassnitz und dem Ölmarkt in gebannter Erwartung.

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Autoindustrie ist eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft. Hersteller wie Volkswagen, Mercedes oder BMW sowie unzählige Zulieferer bieten seit Jahrzehnten Millionen Menschen Arbeit und sorgen für Milliardenumsätze und -gewinne. Doch wird das auch in Zukunft so sein?

Nicht unbedingt. Der Wandel zum Elektroantrieb wirbelt die globale Autobranche durcheinander. Die Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag haben mit Strategen und Topleuten aus den Spitzen der deutschen Konzerne gesprochen. Ihre zentrale Frage: Wo stehen die deutschen Autobauer in diesem Wettstreit um die Marktanteile der Zukunft? Das Ergebnis stimmt nicht allzu zuversichtlich, um es vorsichtig zu sagen. Die Autobosse zählen seit Jahren zwar zu den bestbezahlten Managern der deutschen Wirtschaft – aber sie haben den Wandel und dessen Bedeutung auf vielen Ebenen völlig falsch eingeschätzt.

Norbert Reithofer, Dieter Zetsche, Herbert Diess und viele mehr – die Liste der Spitzenmanager, die daran scheiterten, ihre Konzerne konsequent und mit dem erforderlichen Tempo zukunftstauglich zu machen, ist lang. Und so drohen die deutschen Autobauer nun den Anschluss zu verlieren. Tesla ist schon längst nur noch eines von mehreren Unternehmen, die hiesigen Herstellern die Kundschaft abspenstig machen. Insbesondere in China verlieren Volkswagen, Mercedes, Audi, BMW und Co. an Boden. Die Autokäufer im wichtigsten Automarkt der Welt wenden sich immer öfter von deutschen Offerten ab und heimischen zu. So wachsen vergleichsweise junge Anbieter wie BYD in atemberaubendem Tempo zu ernsthaften Wettbewerbern heran.

In den Vorstandsetagen in Wolfsburg, München oder Stuttgart ahnt man inzwischen, dass in den vergangenen Jahren allzu viel versäumt wurde. Doch kommt diese Erkenntnis vielleicht schon zu spät? Eine Antwort darauf gibt unsere umfassende Recherche auf manager-magazin.de .

Zukunftstraum: Die Vision EQXX von Mercedes kann beeindrucken – doch es gibt sie nicht zu kaufen

Zukunftstraum: Die Vision EQXX von Mercedes kann beeindrucken – doch es gibt sie nicht zu kaufen

Foto:

Bernd Hanselmann / Mercedes-Benz AG

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Besseres Geschäftsklima: Die düstere Vorahnung einer kommenden Rezession drückt seit Monaten auf die Stimmung im Land. Da wirkt die Kunde vom Ifo-Institut in München geradezu erleichternd: In den Chefetagen deutscher Unternehmen lässt der Pessimismus gegenwärtig bereits wieder nach, haben die Forscher herausgefunden. Ifo-Chef Clemens Fuest ist der Ansicht, dass die Rezession nicht so schlimm wird, wie zeitweilig befürchtet.

  • Gaslieferungen an der Ostseeküste: Der verstärkte Import von Flüssigerdgas – kurz: LNG – ist ein wichtiger Teil der Antwort Deutschlands auf die Energiekrise. Gute Nachrichten kommen zu dem Thema jetzt aus Sassnitz. Dort legte erstmals ein LNG-Spezialschiff an. Mit der entsprechenden Anlage soll im nahegelegenen Industriehafen von Lubmin künftig Flüssigerdgas wieder gasförmig gemacht und ins Pipeline-Netz eingespeist werden.

  • Käufer für Hertha BSC gefunden: Der schillernde Investor Lars Windhorst hat einen Käufer für seine Anteile am weniger schillernden Fußballklub Hertha BSC in Berlin gefunden. Und zwar in Amerika. Die Private-Equity-Gesellschaft 777 Partners aus Miami fügt die Berliner ihrem Portfolio an Fußballklubs bei.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Die Elektrifizierung der Autoantriebe treibt auch Michael Brecht um. Er war lange der mächtigste Arbeitnehmerführer im Daimler-Reich, sitzt heute im Aufsichtsrat des Pkw-Bauers Mercedes-Benz und ist Betriebsratschef bei Daimler Truck, dem größten Lkw-Bauer der Welt. Im Interview mit den Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag erklärt er, warum er unbedingt eine Batteriezellfabrik in Deutschland haben will, und warum er bei dem Thema auch die Bundesregierung in der Pflicht sieht. Kürzlich schrieb Brecht sogar einen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz. Was drin stand? Auch das erfahren Sie in dem Interview auf manager-magazin.de .

  • Den Kohleausstieg auf 2030 vorzuziehen, wie es Wirtschaftsminister Robert Habeck im Oktober verkündet hat, das klingt erstmal nach einem klimafreundlichen Manöver. Einen echten Klimaeffekt entfaltet die Entscheidung aber erst, wenn die Bundesregierung auch gleichzeitig im entsprechenden Maße CO2-Verschmutzungsrechte vom Markt nimmt. Das tut sie aber bislang nicht, berichtet unsere Kollegin Kirsten Bialdiga . Sie weiß auch, wer sich dennoch über die vorzeitige Stilllegung von Braunkohlekraftwerken freuen kann: RWE-Chef Markus Krebber. Sein Konzern streicht in jedem Fall Milliarden sein.

Meine Empfehlung für den Abend:

Abschied vom russischen Öl: Die Raffinerie von TotalEnergies in Leuna muss vom 5. Dezember an ohne russisches Rohöl auskommen

Abschied vom russischen Öl: Die Raffinerie von TotalEnergies in Leuna muss vom 5. Dezember an ohne russisches Rohöl auskommen

Foto: Katja Buchholz / Getty Images
  • Nach exorbitanten Anstiegen hat sich die Lage beim Gaspreis wieder ein wenig beruhigt. Doch schon dräut das nächste Übel: Der Ölpreis könnte in den kommenden Wochen in Turbulenzen geraten. Grund dafür sind EU-Sanktionen gegen russische Ölexporte, die in Kürze in Kraft treten. Sie sollen es dem Kriegstreiber in Moskau erschweren, seine Attacken gegen die Ukraine weiterhin mit Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu finanzieren. Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass der Wegfall des russischen Ölangebots auf dem Markt vermutlich zu einem Anstieg der Ölpreise führen wird. Alle Details und möglichen Folgen der Entwicklung am Ölmarkt hat Kollegin Anna Driftschröer für Sie recherchiert, Sie finden ihre erhellende Analyse auf manager-magazin.de.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

P.S.: Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

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