Christoph Seyerlein

manage:mobility Volkswagen und der holprige Weg in die Zukunft

Liebe Leserin, lieber Leser,

der neue Volkswagen-Chef Oliver Blume mistet das Portfolio aus. Nach dem Aus für die Roboauto-Hoffnung Argo AI letzte Woche verklappen die Wolfsburger nun ihre Carsharing-Tochter WeShare in den Konkurrenten Miles Mobility.

Zwar soll es für Carsharing einen Platz in der mit Europcar geplanten Mobilitätsplattform finden. Doch erst einmal ist man froh, Verlustbringer WeShare von der Payroll zu haben. Miles bestellt zudem bei VW im Zuge des Deals mindestens 10.000 Stromer. Mit dem Autobauen und -verkaufen fühlt man sich in Wolfsburg dann doch wohler.

Dass sich VW mit neuen Geschäftsmodellen auch an anderer Stelle schwer tut, erfahren Sie in einem unserer weiteren Themen der Woche:

  • Warum der Einstieg ins Stromgeschäft für VW kompliziert ist

  • Wie Bentley die Kurve bekommen hat

  • Welch irre Ausmaße der Kampf um Lithium annimmt

Topthema: Volkswagen, Elli, The Mobility House der schwierige Einstieg ins Stromgeschäft

Energiefrontfrau: Elli-Chefin Elke Temme (54) will VW zum Stromhändler machen

Energiefrontfrau: Elli-Chefin Elke Temme (54) will VW zum Stromhändler machen

Foto: Volkswagen

Volkswagen plant im Zuge seiner E-Offensive nicht nur Batteriezellen zu produzieren und E-Autos zu verkaufen. Auch am Strommarkt will der Autobauer aktiv werden. Jenes Geschäft soll Elke Temme (54) für die Wolfsburger erschließen. Kein einfaches Unterfangen – Übernahmen könnten helfen. Die Spuren führen zu The Mobility House. Doch der aktuelle Beziehungsstatus ist kompliziert .

Köpfe: Adrian Hallmark ++ Jaclyn McQuaid ++ Richard Lutz ++ Michael Manske

Luxuslenker: Bentley-Chef Adrian Hallmark (60) nimmt Kurs auf ein Rekordjahr

Luxuslenker: Bentley-Chef Adrian Hallmark (60) nimmt Kurs auf ein Rekordjahr

Foto: PHIL NOBLE / REUTERS
  • Adrian Hallmark (60) heuerte 2018 als Bentley-Chef an. Damals schrieb der britische Luxusautobauer 288 Millionen Euro Verlust. Endzeitstimmung machte sich breit, Hallmark fühlte sich zeitweise "wie bei einer Beerdigung". Heute steht Bentley besser da denn je. Wir haben den CEO gefragt, wie er das geschafft hat. Geholfen hat unter anderem: der Verzicht auf Putzlappen und Handschuhe .

  • Jaclyn McQuaid (44) ist neue Europachefin von General Motors . Nach dem Opel-Verkauf vor fünf Jahren spielen die Amerikaner auf dem Kontinent keine Rolle. Bald wollen sie aber als "agiles, nicht-traditionelles Mobilitäts-Start-Up" auftreten. Wir sind gespannt.

  • Richard Lutz (58), Chef der Deutschen Bahn, steht für die mitunter chaotischen Zustände auf der Schiene unter Dauerbeschuss. Lob kann er gebrauchen. Vielleicht ja hierfür: Künftig dürfen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter ihre Dienstuniform unabhängig von ihrer geschlechtlichen Orientierung wählen. "Come as you are" , sagt Lutz. Vorbildlich, sagen wir.

  • Michael Manske (32) war Mastermind hinter Herbert Diess' (64) Social-Media-Strategie. Ab sofort hat er weniger weiche Themen: Manske ist als Krisenkommunikator bei Cariad  gefragt. Diess-Nachfolger Oliver Blume (54) werden wir vorerst wohl nicht in Videos über den Mittellandkanal surfen sehen.

Unternehmen: Ferrari ++ Auto1 ++ Cazoo

Luxus läuft: Ferrari erhöht die Prognose

Luxus läuft: Ferrari erhöht die Prognose

Foto: DARREN STAPLES/ REUTERS
  • "Mit Ausnahme einiger weniger Modelle ist unsere gesamte Palette ausverkauft", freut sich Ferrari-Chef Benedetto Vigna (53). 23,9 Prozent operative Umsatzrendite, die Italiener schrauben die Erwartungen nach dem dritten Quartal weiter nach oben. Bentley hui, Ferrari hui – Luxus läuft.

  • Anders sieht es im Handel mit Alltagsfahrzeugen aus. Auto1 hat zum wiederholten Mal die Absatzprognose für das laufende Jahr gekappt. Trotzdem und auch trotz mehr als 35 Millionen Euro Verlust sprechen die Berliner von einem "Meilenstein" -Quartal. Lassen wir mal so stehen.

  • Auf Crashkurs befindet sich Auto1-Konkurrent Cazoo. Jüngst stellten die Briten ihr Europageschäft ein. In Italien hat man mit Aramis  jetzt einen Abnehmer gefunden. "Viel Glück für die Zukunft, Ihr werdet es brauchen", rief ein italienischer Manager Cazoo bei LinkedIn hinterher. Später löschte er seinen Post.

Mehr Mobilität: 49-Euro-Ticket ++ Volocopter ++ Free Now ++ Share Now ++ Fastned

Nein zur 29, ja zur 49: Demonstranten forderten bis zuletzt eine 29-Euro-Nachfolge für das 9-Euro-Ticket. Bund und Länder verständigten sich aber auf eine 49-Euro-Variante.

Nein zur 29, ja zur 49: Demonstranten forderten bis zuletzt eine 29-Euro-Nachfolge für das 9-Euro-Ticket. Bund und Länder verständigten sich aber auf eine 49-Euro-Variante.

Foto: LISI NIESNER / REUTERS
  • Das 49-Euro-Ticket kommt. Angepeilter Start-Termin: 1. Januar 2023. Das "Deutschlandticket" finanzieren Bund und Länder zu gleichen Teilen mit jeweils 1,5 Milliarden Euro. Zudem wird der Bund jährlich weitere Milliarden für den Ausbau des regionalen Nahverkehrs bereitstellen.

  • Nach dem abgeblasenen Börsengang Ende 2021 wollte Volocopter eigentlich anderweitig 500 Millionen Euro Kapital einsammeln. Nach 153 Millionen Euro im März gab es nun von Investoren weitere 182 Millionen Euro. Heißt: Es bleibt eine Finanzierungslücke bei den Flugtaxiträumen.

  • Free Now bezeichnet sich selbst als Europas Mobilitäts-Superapp. Gar nicht mal so super, dass der öffentliche Nahverkehr dabei bisher keine Rolle spielte. Das soll sich jetzt ändern. Ab sofort kann man über die Free Now-App Tickets für die Düsseldorfer Rheinbahn buchen. Weitere ÖPNV-Partner  sollen folgen.

  • Nach dem Miles-WeShare-Deal ist Share Now nicht länger Deutschlands größter Carsharing-Anbieter. Dafür erweitert die Stellantis-Tochter nun ihr Angebot und bietet in Münster erstmals stationsbasiertes Autoteilen an. "Dürfte für manche nach Fake News klingen" , sagt selbst CEO Olivier Reppert (47) – ist aber real.

  • Auf den ersten Blick zweifelhaft wirken in Zeiten wie diesen auch News zu sinkenden Preisen an Ladesäulen. Tatsächlich sind die Einkaufspreise an den Strombörsen zuletzt aber gefallen. Fastned reagiert und bietet die kWh an seinen Schnellladern in Deutschland nun für 74 statt 83 Cent  an.

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Foto:

Marcos Zegers / The New York Times / Redux / laif

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Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

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