Marleen Gründel

Der Tag im Überblick Die allerletzte Chance für VW-Chef Diess

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem verschärften Klassenkampf bei VW, einem neuen Aufsichtsratschef für die Telekom und Thyssenkrupps Billig-Spin-off.

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat nach mehr als einem Jahr endlich eine neue Chefin für den Bereich IT und Organisation gefunden: Die studierte Informatikerin Hauke Stars, die bis November 2020 im Vorstand der Deutschen Börse saß, soll den Job bekommen . Das Kontrollgremium wollte der Berufung von Stars sowie weiteren Personalien eigentlich schon Ende Oktober zustimmen – wäre da nicht die Sache mit Herbert Diess.

Der VW-Chef hat das Vertrauen der Arbeitnehmer verloren. Er hält sich nicht an Vereinbarungen, stattdessen reiht er einen Alleingang an den nächsten. Hinzu kommen seine aktuell schwachen Leistungen: Diess findet kein Mittel gegen die Halbleiterkrise, VW, Škoda und Seat schreiben Verluste und im Rennen gegen den kalifornischen Elektropionier Tesla fällt VW immer weiter zurück. Selbst das gerade beschlossene neue Werk für das Zukunftsmodell Trinity hat der Stimmung kaum geholfen.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Boss Jörg Hofmann stellen daher Diess' Zukunft bei VW infrage - und blockieren gleichzeitig die wichtigen Personalentscheidungen. Vorstandsfragen könne man nur im Paket entscheiden, da gehöre auch das Amt des Vorsitzenden hinein, argumentiert die Arbeitnehmerseite. Bis zum 9. Dezember soll nun der Vermittlungsausschuss eine Lösung liefern. Ob Diess eine "allerallerallerletzte" Chance erhält, wie es ein Insider formuliert? Mein Kollege Michael Freitag beschreibt den verschärften Klassenkampf in Wolfsburg .

Ist es gewohnt, sich durchzusetzen: VW-Chef Herbert Diess hat schon wieder Ärger mit dem Betriebsrat

Ist es gewohnt, sich durchzusetzen: VW-Chef Herbert Diess hat schon wieder Ärger mit dem Betriebsrat

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Carsten Koall / dpa / picture alliance

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Noch einmal Volkswagen: Immerhin in Sachen Corona gehört der Autokonzern zu den Vorreitern. Noch bevor eine bundesweite Homeoffice-Pflicht in Kraft tritt, schickt VW-Personalvorstand Gunnar Kilian alle seine Mitarbeiter, die nicht zwingend vor Ort gebraucht werden, an den heimischen Schreibtisch zurück. VW reagiert damit auf die rapide ansteigenden Corona-Inzidenzzahlen der vierten Welle, die am Dienstag erneut einen weiteren Höchststand erreichten.

  • Vierte Welle? Am deutschen Aktienmarkt sorgt das für wenig Aufregung. Im Gegenteil: Erneut erreichte der deutsche Leitindex Dax einen neuen Höchststand, diesmal stieg er auf 16.283 Punkte. Angetrieben wurden die Märkte von einem im Vergleich zum Dollar schwächelnden Euro und niedrigeren Ölpreisen. Besonders gefragt waren die Aktien von Siemens Healthinieers, nachdem sich der Medizintechnikkonzern höhere Ziele gesetzt hatte.

  • Der Dialysekonzern Fresenius Medical Care leidet dagegen deutlich unter den Folgen der Corona-Pandemie. Um die Kosten zu senken, hatte die Fresenius-Tochter Anfang November ein Sparprogramm angekündigt. Nun wird klar, dass auch in Deutschland hunderte Stellen wegfallen.

Die Personalie des Tages:

  • Seit Monaten sucht die Deutsche Telekom nach einem Nachfolger für Aufsichtsratschef Ulrich Lehner, der Anfang April 2022 seinen Rückzug einleiten will. Bisher sagten die Kandidatinnen und Kandidaten weder dem Großaktionär Bund noch Telekom-Chef Timotheus Höttges zu – der hier offenbar auch ein Wörtchen mitzureden hat. Doch nun ist der Konzern in der Nachbarschaft fündig geworden, wie mein Kollege Philipp Alvares de Souza Soares herausfand: Deutsche-Post-Chef Frank Appel gilt als Favorit für Lehners Nachfolge .

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz will die lästige Stahlsparte bekanntlich per Spin-off loswerden. Allerdings soll der Industriekonzern ihren Plänen zufolge nur noch eine Minibeteiligung an dem Geschäft halten, wie mein Kollege Thomas Werres erfahren hat. Auch die Anschubfinanzierung für die Sparte will Merz äußerst knapp halten. Das schürt Widerstand im Arbeitnehmerlager .

  • Der Kölner Motorenbauer Deutz will bis 2031 die Hälfte seines Umsatzes mit klimaschonenden Antrieben erzielen. Ein ehrgeiziges Ziel von CEO Frank Hiller, schließlich tragen derzeit Antriebe, die mit Wasserstoff oder Strom arbeiten, nur 4 Prozent zu den Erlösen bei. Mein Kollege Christoph Neßhöver erklärt, warum der massive Ausbau der alternativen Antriebsarten auch eine kleine Revolution für den 157 Jahre alten SDax-Konzern ist.

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Die Corona-Pandemie hat das Zeitmanagement vieler CEOs durcheinandergewirbelt. Für das hybride Arbeiten benötigen sie eine neue Strategie. Schließlich lassen sich die meisten Aufgaben zwar sehr gut remote erledigen, der Aufbau von Beziehungen aber nicht. Wie Manager ihren hybriden Tag planen .

Meine Empfehlung für den Abend:

Arbeiten, während andere frei haben: Eine Fiesheit des Föderalismus

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Foto: GoodLifeStudio / E+ / Getty Images
  • Mussten auch Sie heute am Buß- und Bettag arbeiten? Dann wohnen Sie wohl nicht in Sachsen - oder haben noch nicht alle Vorteile des mobilen Arbeitens kennengelernt. Laut Arbeitsrechtlerin Eva Wißler ist es möglich, sein mobiles Büro einfach dort aufzuschlagen, wo gerade ein Feiertag ist. Wer das maximal ausreizt, kann an bis zu fünf weiteren Tagen pro Jahr die Füße hoch legen. Lesen Sie hier das ganze Interview mit Eva Wißler über den Feiertagstourismus. Vielleicht klappt es ja dann im nächsten Jahr mit dem freien Tag.

Herzliche Grüße und einen entspannten Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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