Lukas Heiny

Newsletter "Der Tag" Der Tag der Zampanos

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem neuen Lidl-Chef, dem spektakulären Ende der Hück-Affäre und einer goldenen Zukunft bei Volkswagen.

Das Autogeschäft, es brummt. Man konnte es an diesem Mittwoch bei Daimler geradezu brummen hören. Das Ergebnis des zweiten Quartals war vor allem bei Mercedes so gut, dass Konzernchef Ola Källenius sich kurzfristig über eine operative Umsatzrendite von satten 12 Prozent freuen konnte. Im Autogeschäft sind solche zweistelligen Ergebnisse die absolute Ausnahme (auch die weiteren Daimler-Prognosen sind zurückhaltend).

Ein paar hundert Kilometer weiter nördlich, bei Volkswagen in Wolfsburg, schauen sie natürlich auch auf die Umsatzrendite. In den offiziellen Planungen ist sie für die kommenden Jahre hoch einstellig – aber mein Kollege Michael Freitag berichtet von internen Strategiepapieren.  Danach rechnet Konzernchef Herbert Diess mit geradezu goldenen Zeiten. Der Elektroboom, das Geschäft mit Software, Ladesäulen und sonstigen Produkten, die den Autokäufern künftig mit angedreht werden, soll nach Diess'scher Rechnung ab 2025 dauerhaft für zweistellige Renditen sorgen. Der Gewinn pro Auto soll sich verdoppeln, mindestens. Es ist im Grunde die Tesla-Strategie, mit der Volkswagen neue Gewinndimensionen erreichen soll . Und da bei Elektroautos nichts mehr brummt, muss es dann heißen: Das Geschäft surrt und schnurrt.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Discount-King: In der Schwarz Gruppe hört man jetzt auf Gerd Chrzanowski.

Discount-King: In der Schwarz Gruppe hört man jetzt auf Gerd Chrzanowski.

Foto: Sebastian Berger
  • Es ist gerade erst wenige Wochen her, dass der ehemals mächtigste Zampano des deutschen Einzelhandels vom Hof gejagt wurde. Klaus Gehrig, Chef der Schwarz Gruppe, zu der bekanntlich die Discountketten Lidl und Kaufland zählen, musste gehen. Und der neue starke Mann, Gerd Chrzanowski, zögert nicht, wichtige Entscheidungen zu fällen. Nun hat er auch die wichtigste Personalie gelöst, über die zuletzt branchenweit gerätselt wurde. Unsere beiden Handelsexperten Margret Hucko und Martin Mehringer haben herausgefunden: Neuer Chef an der Lidl-Spitze soll der Ire Kenneth McGrath werden. Der ist ein alter Bekannter im Konzern, zweimal schon ging er, um für höhere Positionen zurückzukommen. Die Neuordnung des Lidl-Reichs. 

  • Neues auch von einem, der ehemals als mächtigster Zampano der deutschen Betriebsratsszene galt: Uwe Hück, Faust- und Arbeitskämpfer und 22 Jahre lang Betriebsratschef bei Porsche. 2019 trat er plötzlich zurück, die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Unregelmäßigkeiten und abgezweigten Geldern. Nun wurde das Verfahren eingestellt – aber Hück muss einen sechsstelligen Betrag zahlen. Und Porsche satte 40 Millionen Euro.

  • Ähnlich wie Daimler (siehe oben) blickt auch SAP auf gute Monate zurück. Oder mit den Worten von Vorstandschef Christian Klein: "Wir hatten ein fantastisches Quartal."

  • Nicht ganz so gut lief es bei Netflix. Der Streamingdienst, einer der großen Gewinner der Pandemie, hat weniger neue Abonnenten gewonnen als je zuvor. CEO Reed Hastings sah sich zu diesem Satz genötigt: "Die Wachstumsstory bleibt intakt." Was soll er auch sonst sagen? Wie sehr der Konzern unter Druck steht, hatte Ihnen mein Kollege Jonas Rest neulich schon ausführlich beschrieben: Der Serienangriff .

Was Ihnen im Berufsleben helfen könnte:

  • Kennen Sie vermutlich so gut wie ich. Tagtäglich müssen wir Entscheidungen treffen – dummerweise beruhen sie häufig auf einer verzerrten Wahrnehmung. Fachleute sprechen vom "Bias". Im Privatleben ist das ärgerlich, im Berufsleben zusätzlich auch noch teuer. (Es gibt das Bonmot über einen CEO, dessen Aufsichtsräte seine 10 Millionen Euro Jahressalär damit rechtfertigten, dass er eben verlässlich mindestens sechs von zehn Entscheidungen richtig treffe.) Die beiden Ökonomen Maximilian Schmidt und Arnt Wöhrmann beschreiben, mit welch einfachen Methoden Unternehmen den Bias bei ihren Führungskräften verringern können: Dem Bauchgefühl misstrauen. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Deutliche Bremsspur: Vorstandschef Jan Mrosik hat es weder intern noch extern leicht

Deutliche Bremsspur: Vorstandschef Jan Mrosik hat es weder intern noch extern leicht

Foto: elias hassos
  • Sie erinnern sich bestimmt: Vor Kurzem kündigte der MDax-Konzern Knorr-Bremse per Adhoc-Meldung an, den Erwerb des Autozulieferers Hella prüfen zu wollen. Es wäre ein Milliardendeal gewesen, den der neue Vorstandschef Jan Mrosik da anpeilte. Allein: Die Investoren meuterten, der Börsenwert sank um ein Sechstel – und Mrosik sagte den Plan notgedrungen wieder ab. Was hinter dem Hella-Desaster steckte, haben meine Kollegin Angela Maier und mein Kollege Michael Freitag recherchiert. Besagter Mrosik nämlich kann sich gut vorstellen, ins Digitalgeschäft zu expandieren. Knorr-Bremse – bestehend bislang aus einer Zug- und einer Lkw-Sparte – könnte sogar eine dritte Geschäftssäule bekommen. Aber lesen Sie selbst: Die Irrungen des neuen Chefs. 

Herzlich, Ihr Lukas Heiny

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