Lukas Heiny

manage:mobility Panikstart ins Jahr des Tigers

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Warum die China-Performance zu Alarm in Wolfsburg führt.

  • Was Verkehrsminister Volker Wissing mit der Autolobby bespricht.

  • Warum Cruise ein Durchbruch im Robotaxi-Rennen gelungen ist.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Volkswagens China-Problem

Kette von Fehleinschätzungen: VW schwächelt in China bei der Vermarktung des ID.4

Kette von Fehleinschätzungen: VW schwächelt in China bei der Vermarktung des ID.4

Foto: VCG / IMAGO

China ist der wichtigste Markt für den Volkswagen-Konzern. Hier verdient er die Milliarden für die Transformation, hier sollte die Elektrostrategie von CEO Herbert Diess (63) ihre Wucht entfalten. Doch es läuft nicht. Die Verkäufe sind 2021 eingebrochen wie nirgendwo sonst auf der Welt, die Joint-Venture-Parnter sind vergrätzt – und der erhoffte Kickstart ins Elektrobusiness ist gründlich misslungen. Alarm! Intern wird seit Wochen hektisch gegengesteuert, Diess und sein noch amtierender China-Chef Stephan Wöllenstein (58) versuchen, die Investoren zu beruhigen. Doch die Ziele für 2022 sind schon deutlich nach unten korrigiert – und mit Ralf Brandstätter (53) ein China-Nachfolger benannt. "Das geht alles fast in Richtung Panik", hat ein Konzernstratege meinem Kollegen Michael Freitag erzählt, der sich intensiv in dem Unternehmen umgehört hat. Welche gravierenden Fehler gemacht wurden und was das für die Brandstätter-Mission im gerade begonnenen Jahr des Tigers bedeutet, lesen Sie hier: Volkswagens China-Problem. 

Köpfe: Volker Wissing ++ Carsten Breitfeld ++ Stefanie Wurst ++ Katharina Peterwerth ++ Johannes Lattwein

Technologieoffen: FDP-Minister Volker Wissing machte bella figura bei der Autolobby

Technologieoffen: FDP-Minister Volker Wissing machte bella figura bei der Autolobby

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS
  • Volker Wissing (51), neuer Verkehrsminister, ist zum Antrittsbesuch beim Verband der Automobilindustrie VDA angetreten – und alle Bosse waren da (einer zugeschaltet aus der Quarantäne). Sein Auftritt? "Sensationell", so ein Beteiligter. Und überraschend deutlich wurden hinter den Kulissen Elektrozweifel  artikuliert.

  • Carsten Breitfeld (58), CEO der schillernden Elektroautofirma Faraday Future, wird nach einer Untersuchung diverser Unregelmäßigkeiten sein Gehalt gekürzt. Laut SEC-Protokollen  bekommt er 25 Prozent weniger und mit Susan Swenson eine neue Aufpasserin, an die er direkt berichten muss.

  • Stefanie Wurst (53) ist seit diesem Dienstag , genau acht Jahre nach ihrem Wechsel von der Werbefirma Scholz & Friends zu BMW, neue Chefin der Tochterfirma Mini.

  • Katharina Peterwerth (41), bislang zuständig für Volkswagens Konzernorganisation, wechselt überraschend zum Haniel-Konzern – als Chefin für Strategie und Personal, wie meine Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag schreiben.

  • Johannes Lattwein (48) ist seit dieser Woche Finanzchef der Porsche SE. Der Vorstand der Familienholding bleibt damit als einer der wenigen im Dax ohne Frau. Immerhin gibt es ja im Aufsichtsrat: eine (neben neun Herren).

Unternehmen: Cruise ++ Ford ++ Mercedes-Benz ++ Faurecia ++ Daimler Truck ++ Deutsche Bahn

Herr der Roboflotte: Cruise-Mitgründer Kyle Vogt führt eine 30-Milliarden-Dollar-Company

Herr der Roboflotte: Cruise-Mitgründer Kyle Vogt führt eine 30-Milliarden-Dollar-Company

Foto: STEPHEN LAM / REUTERS
  • Wer gewinnt eigentlich das Rennen der Robotaxi-Entwickler? Cruise-Chef Kyle Vogt jedenfalls hat einen Meilenstein verkündet: Seine autonom fahrenden Taxis befördern künftig gewöhnliche Passagiere durch San Francisco. Ohne Fahrer. Erstmal zwar nur nachts, ohne Geld nehmen zu dürfen und nur in bestimmten Stadtteilen – aber immerhin. Instant-Belohnung: Investor Softbank pumpt weitere 1,3 Milliarden Dollar in die Firma. Und GM-Chefin und Mehrheitseignerin Mary Barra (60) spricht vom "Highlight" ihrer Karriere.

  • Beim alten Rivalen Ford will man ebenfalls mit großen Visionen in die Zukunft. CEO Jim Farley (59) kündigte an, künftig weitere 20 Milliarden Dollar in die Elektrifizierung zu investieren – zusätzlich zu den schon propagierten 30 Milliarden.

  • In Stuttgart konnte man in dieser Woche gar nicht aufhören, die Geschichte zu bemühen. Daimler heißt nun ganz offiziell Mercedes-Benz. Konzernchef Ola Källenius (52) feierte den "Day One" und schickte der Belegschaft gleich mal via LinkedIn ein Foto  von seinem persönlichen "Day One" 1993 samt "meines ... sagen wir: zeitgemäßen... Haarschnitts".

  • Apropos Day One: Faurecia-Chef Patrick Koller (63) freute sich über die Geburt des siebtgrößten Autozulieferers der Welt.  Die Übernahme von Hella ist seit dieser Woche abgeschlossen, sie hat insgesamt 5,3 Milliarden Euro gekostet.

  • Gemeinsam mit einer Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock und dem Energieunternehmen NextEra Energy will Daimler Truck ein Ladenetz für Lkw in den USA aufbauen. Zu zapfen ist ab 2023 Strom und Wasserstoff. Die gut 580 Millionen Euro teilt man sich gerecht.

  • Die Deutsche Bahn beschert Siemens einen weiteren Großauftrag. Für 1,5 Milliarden Euro kauft sie weitere 43 ICE3 Neo.

  • Und in der EU wurden 2021 erstmals mehr Hybridfahrzeuge zugelassen als Dieselautos. Um genau zu sein: 48 mehr, nämlich 1.901.239.

Zahl der Woche: 53.822

Die US-Aufsichtsbehörde NHTSA hat Tesla verdonnert, bei so vielen Fahrzeugen ein Softwareupdate an seinem Fahrassistenzsystem FSD aufzuspielen. Aufgrund der "Rolling Stop"-Funktion hielten die Wagen einfach nicht an Kreuzungen. Macht zwar auch kaum ein Mensch, aber einen Roboter so zu programmieren – rückrufwürdig. Zumal Teslas System eh noch seeeehr weit von einem Autopiloten entfernt ist.

Deep Drive: Studie der Woche

Wir bleiben gleich bei der NHTSA. Die legte in dieser Woche die Statistiken zu den Verkehrstoten  auf US-Straßen vor. Uuh, leider auf Rekordhöhe: 31.720 Menschen starben in den ersten neun Monaten 2021, 12 Prozent mehr als noch 2020. Seit den 1970er Jahren gab keine solchen Zunahmen. Warum das bemerkenswert für die Industrie ist? Es wird womöglich zu neuer Regulierung führen – und könnte den Einsatz von Fahrassistenzsystemen und Robocars beschleunigen. Verkehrsminister Pete Buttigieg sprach jedenfalls schon von einer "nationalen Krise".

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Neue Mobilität: Superpedestrian ++ Bolt

  • Pedestrian Defense nennt der dänische E-Roller-Betreiber Superpedestrian sein neues Feature: Fußgänger-Verteidigung. Per GPS und KI sollen die Elektroroller künftig live überwacht und mögliches Fehlverhalten live korrigiert werden. So soll etwa das Fahren auf Fußwegen unmöglich werden. Investoren gaben dem Start-up auch für diese Idee gerade 125 Millionen Dollar.  (Die US-Stadt Chicago hat solche Hard- und Software übrigens gerade als erste größere Stadt zur Lizenzbedingung erhoben .)

  • In die Reihe "Wir erfinden neue Techniken, um schärfere Regulierung zu verhindern" gehört auch der Vorstoß der E-Scooter-Firma Bolt. Sie verspricht, mit einem neuen Feature in der App ab jetzt betrunkene Fahrerinnen und Fahrer zu identifizieren. Nur wer ein kurzes Reaktionsspiel besteht, darf sich in deutschen Städten am Wochenende ab 22 Uhr noch ein Gefährt mieten.

Geisterfahrer der Woche

Das war irgendwie nichts: Knapp ein Jahr nach dem gescheiterten Börsengang soll der Online-Autohändler MeinAuto an den nächsten Finanzinvestor verkauft werden. Der britische Eigentümer Hg hatte sich mit Martin Enderle (56) an der Spitze des Aufsichtsrats einen Erlös von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro versprochen. Aber der 70-Prozent-Kurseinbruch von Rivale Auto1 wirkte wohl zu abschreckend, wie die Agentur Reuters mit Bezug auf Insider berichtet . Nun hofft man angeblich auch so auf bis zu eine Milliarde Euro.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny