Christoph Seyerlein

manage:mobility Chinas Heißhunger auf Europas Automarkt

Liebe Leserin, lieber Leser,

auf dem Weg von Würzburg nach Stuttgart bin ich kürzlich in der schwäbisch-fränkischen Provinz als 9-Euro-Ticket-Geschäftsreisender gestrandet. Schnellere Züge fahren auf der Strecke nicht. Die Regionalbahn hatte dann im Örtchen Möckmühl auch keine Lust mehr. Mangels Alternative hieß es für das vereinbarte Interview Park-Bank statt Bürostuhl, Teams statt Konferenzraum. Positiv: frische Luft und stabiles Internet.

Ich hoffe, Sie kommen bei Ihren Reisen störungsfreier ans Ziel; die beinahe täglichen Schreckensmeldungen von Bahnhöfen und Flughäfen lassen ja anderes befürchten. Falls nicht: Bahn-Chef Richard Lutz (58) leidet mit Ihnen und mir "wie ein Hund".

In welche Themen wir in dieser Woche die meiste Recherche gesteckt haben:

  • Wie ernst der Angriff chinesischer Autobauer auf Europa ist.

  • Warum die Volkswagen-Spitze weiter über die Software-Tochter Cariad streitet.

  • Wieso Peter Mertens ein überraschendes Comeback bei Volvo gibt.

Top-Thema: Wie Chinas Autobauer Europa angreifen

Neulinge im Altbau: Wie hier in Oslo machen immer mehr chinesische Automarken in Europa auf sich aufmerksam

Neulinge im Altbau: Wie hier in Oslo machen immer mehr chinesische Automarken in Europa auf sich aufmerksam

Foto: Odin Jaeger / Bloomberg

Europa gilt als gesättigter Automarkt, hiesige Konzerne sehen künftiges Wachstum in China oder den USA. Chinesische Newcomer gehen den umgekehrten Weg: BYD, Nio, XPeng und Co. drängen mit Macht nach Europa. Die Zeiten, in denen andere die Chinesen als schlechte Nachahmer belächelten, sind vorbei. Heute entfährt Automanagern nach Probefahrten ein "Wow". Welch hohe Ziele sich die hierzulande oft noch unbekannten Marken gesteckt haben und wie ernst die deutsche Autoindustrie die Angreifer nehmen sollte, zeigt meine Kollegin Margret Hucko: Wie Chinas Autobauer Europa angreifen .

Köpfe: Peter Mertens ++ Bettina Fetzer ++ Carsten Spohr

Retter reloaded? Peter Mertens greift erneut bei Volvo ein

Retter reloaded? Peter Mertens greift erneut bei Volvo ein

Foto: Thomas Pirot
  • Peter Mertens (61) ist in Deutschland vor allem in seiner kurzen Zeit im Audi-Vorstand bekannt geworden. Tiefere Spuren hat er aber zwischen 2011 und 2017 als Entwicklungschef bei Volvo hinterlassen. Die Schwedern mauserten sich in der Zeit vom Problemfall zum Premiumwettbewerber. Inzwischen hakt es bei Volvo erneut. Und wieder soll es Peter Mertens richten , wie meine Kollegin Margret Hucko erfahren hat.

  • Bettina Fetzer (42) ist die einflussreichste Marketing-Entscheiderin der Auto-Branche. Dazu kürte die Mercedes-Managerin jedenfalls das Magazin Forbes . Im internationalen Vergleich landete Fetzer auf Rang acht. Aus deutscher Sicht ebenfalls unter den Top 50: Hildegard Wortmann (Audi, Platz 17), Jens Thiemer (BMW, Platz 30) und Stefanie Wurst (Mini, Platz 33). Fetzers Vorgesetzte, Vertriebsvorständin Britta Seeger, schaffte es nicht auf die Liste.

  • Carsten Spohr (55), Chef der Lufthansa, schwant für die kommenden Wochen ähnlich seinem Bahn-Kollegen Richard Lutz Übles. Sie erinnern sich, das Reisechaos. Besser wird's erstmal nicht. Zu spät ist man auf die Idee gekommen, für die Reisezeit wieder mehr Personal anzuheuern. Anfang der Woche leistete Spohr bei den genervten Kunden per Mail Abbitte: "Haben wir es (...) mit dem Sparen an der ein oder anderen Stelle übertrieben? Sicher auch das."

Unternehmen: Cariad ++ Siemens ++ MAN ++ Mercedes

Streit um Cariad: Oliver Blume (Porsche), Herbert Diess (Volkswagen) und Markus Duesmann (Audi, v.l.) ringen um die Software-Tochter.

Streit um Cariad: Oliver Blume (Porsche), Herbert Diess (Volkswagen) und Markus Duesmann (Audi, v.l.) ringen um die Software-Tochter.

Foto:

Carsten Koall; Peter Kneffel; Sebastian Gollnow / picture alliance/dpa

Mehr Mobilität: Verbrenner-Aus ++ Google Maps ++ Tesla

Leg' Dich nicht mit Lindner an: Die FDP kritisierte Umweltministerin Steffi Lemke, ehe Deutschlands Beschluss zum Verbrenner-Aus stand

Leg' Dich nicht mit Lindner an: Die FDP kritisierte Umweltministerin Steffi Lemke, ehe Deutschlands Beschluss zum Verbrenner-Aus stand

Foto: ANNEGRET HILSE / REUTERS
  • Bevor Deutschlands Beschluss zum Verbrenner-Aus in der EU ab 2035 stand, hieß es: Christian Lindner (43) vs. Steffi Lemke (54). Der FDP-Finanzminister echauffierte sich über die Umweltministerin von den Grünen, die aus seiner Sicht allzu früh von einer Einigkeit innerhalb der Ampelkoalition sprach. Lindner bekam den Fuß noch in die Tür. E-Fuels könnten nun doch weiter im Spiel bleiben.

  • Wahrscheinlicher ist aber, dass Benziner und Diesel früher als 2035 aus den europäischen Neuwagen-Portfolios der meisten Automobilhersteller verschwinden. Was bedeutet das für eine Branche, die das Gros ihres Geldes aktuell noch mit Verbrennern verdient? Wer ist besonders gefährdet? Meine Kollegin Anna Driftschröer beantwortet die wichtigsten Fragen.

  • Wenn Sie das Gefühl haben, der richtige Antrieb für Autos betreffe uns alle, empfehle ich Ihnen die Lektüre einer aktuellen Geschichte meines Kollegen Jonas Rest. Er ist tief in Google Maps eingetaucht. Je nach Blickwinkel beeindruckend oder auch furchterregend, wie sehr die App unser Mobilitätsverhalten immer stärker beeinflussen dürfte .

  • Tesla dünnt gerade sein Team aus. Stark betroffen ist offenbar das Büro in San Mateo und damit die Autopilot-Einheit. Von 200 entlassenen Mitarbeitern dort ist die Rede. Erste zeigten sich in den sozialen Netzwerken enttäuscht .

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Deep Drive der Woche: E-Bike, E-Auto oder doch E-Scooter?

Für Verbraucher gibt es immer mehr Möglichkeiten, sich elektrisch fortzubewegen. Doch welches Strom-Gefährt ist wie beliebt? Die Beratung Deloitte fand mittels einer Befragung  heraus: Am höchsten steht das E-Bike im Kurs. Was schätzen Konsumenten an den Fahrrädern mit Akku? Beispielsweise die Alltagstauglichkeit. Fast jeder Zweite (46 %) sieht in ihnen eine Alternative zu anderen Fortbewegungsmitteln.

Zahl der Woche: 9,7 Millionen

Wir hatten es heute schon mit den chinesischen Autobauern. Einer der schillerndsten Newcomer ist Nio. Nicht zuletzt, da das Start-up auf Batteriewechselstationen setzt. 997 gibt es davon derzeit weltweit, bald sollen sie auch nach Deutschland kommen. Vier Jahre praktiziert die Marke den Akku-Tausch bereits in China, seitdem gab es 9,7 Millionen solcher Vorgänge . Wer es noch nicht gesehen hat: Ein Video zeigt, wie das Prinzip Tauschen statt Laden funktioniert .

Geisterfahrer der Woche

Hybrid hurra: Akio Toyoda hält nichts von "Alles auf reinelektrisch"

Hybrid hurra: Akio Toyoda hält nichts von "Alles auf reinelektrisch"

Foto: AFP

Auch in Japan macht man sich Gedanken über den richtigen Auto-Antrieb für die Zukunft. Toyota-Chef Akio Toyoda (66) überlässt die Entscheidungsgewalt aber nicht so sehr der Politik wie seine europäischen Kollegen. Der Auto-Boss hat offenbar durchgeboxt, dass Hybride mit reinen E-Autos gleichgestellt werden. Andernfalls hatte Toyoda der Regierung mit einer Eiszeit seitens der Auto-Lobby gedroht . Hybrid hurra!

Ich wünsche auch Ihnen eine erfreuliche und bewegte Woche.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

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