Christoph Seyerlein

manage:mobility Buzz-Stopp bei VW

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Warum die Softwareprobleme bei Volkswagen viel schlimmer sind als gedacht.

  • Wieso sich Matthias Arleth nur vier Monate im Mahle-Chefsessel halten konnte.

  • Und wie Peter Carlsson, der Chef des kommenden Batterie-Riesen Northvolt, tickt.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Warum Volkswagens Tech-Vision scheitert

Kein Buzzer Beater: Volkswagen-Chef Herbert Diess läuft beim Thema Software die Zeit davon

Kein Buzzer Beater: Volkswagen-Chef Herbert Diess läuft beim Thema Software die Zeit davon

Foto:

JOHN MACDOUGALL / AFP

Seit Ende des Jahres ist die Einheit Cariad bei Volkswagen Chef-Sache, doch schon zuvor wurde Software wohl für niemanden zu einem derartigen Buzz-Word wie für Herbert Diess (63). Auch unter seiner Verantwortung für den wichtigsten Bereich im Konzernvorstand hat sich dort allerdings wenig zum Guten gewendet. Zwar versuchen Diess und Cariad-Chef Dirk Hilgenberg, mit LinkedIn-Posts die negativen Schlagzeilen einzufangen. Ein internes McKinsey-Papier zeichnet jedoch ein alarmierendes Bild: Die Probleme in der Softwarearchitektur sind so gravierend, dass wohl hohe zusätzliche Milliardenkosten anfallen und sich Modellanläufe teils um Jahre verzögern. Alles viel schlimmer als bislang bekannt. Mein Kollege Michael Freitag beschreibt detailliert das Ausmaß des Missmanagements: Warum Volkswagens Tech-Vision scheitert .

Köpfe: Fleur Pellerin ++ Matthias Arleth ++ Martin Brandt ++ Elon Musk

Auto- statt Konzertabos: Frankreichs Ex-Kulturministerin Fleur Pellerin sitzt künftig im Board von Finn

Auto- statt Konzertabos: Frankreichs Ex-Kulturministerin Fleur Pellerin sitzt künftig im Board von Finn

Foto:

LOIC VENANCE/ AFP

  • Fleur Pellerin (48), ehemalige französische Kultur- und Digitalministerin, bestimmt künftig beim deutschen Start-up Finn mit. Pellerin ist CEO des Hauptinvestors Korelya Capital und zieht ins Board ein. Das Unternehmen um Co-Gründer und Chef Max-Josef Meier (36) wettet auf den Markterfolg von Auto-Abos und kann sich nebenbei auch über weitere 110 Millionen US-Dollar Kapital freuen .

  • Matthias Arleth (54), Anfang des Jahres als Hoffnungsträger zu Mahle gewechselt, hielt sich letztlich nur vier Monate als CEO im Amt. Woran er gescheitert ist? Meine Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag liefern die Antwort .

  • Martin Brandt (62), Chef des Wohnmobil-Herstellers Hymer, hat bald mehr Zeit für private Caravaning-Ausflüge. Ab dem 1. Juli will er sich mehr aufs Familienleben konzentrieren. Nachfolger wird der bisherige Dethleffs-Geschäftsführer Alexander Leopold (49) .

  • Elon Musk (50), dauer-polarisierender Star-Unternehmer, hat neulich angekündigt, für Tesla eine "hardcore Rechtsabteilung" aufbauen zu wollen. Als Anlass vermuteten viele die Vorwürfe einer Frau gegen Musk, sie im Rahmen einer Space-X-Dienstreise im Privatjet sexuell belästigt zu haben (was Musk bestreitet). Seine künftige Anwalts-Armada will Musk aber explizit für Tesla einrichten. Und so dürften die Gründe dafür andere sein .

Unternehmen: Northvolt ++ Europcar ++ Hyundai ++ Leoni

Batteriefürst und Prinzessin: Northvolt-Chef Peter Carlsson (l.) zeigt Schwedens Kronprinzessin Victoria seine Baustelle

Batteriefürst und Prinzessin: Northvolt-Chef Peter Carlsson (l.) zeigt Schwedens Kronprinzessin Victoria seine Baustelle

Foto: All mauritius images / mauritius images / TT News Agency / Alamy / Alamy Stock Photos
  • Mit Elon Musk hatte einst auch Peter Carlsson (50) zu tun, fünf Jahre lang arbeitete er als Einkaufschef für Tesla. Die Zeit kostete den Schweden so viel Kraft, dass er sich eigentlich zurückziehen wollte. Heute leitet er das vielleicht wichtigste Start-up Europas: den Batteriezellhersteller Northvolt. Meine Kollegin Margret Hucko hat Carlsson getroffen, hat mit dessen Begleitern gesprochen, im Umfeld recherchiert und beschreibt den "Messias der deutschen Autoindustrie" .

  • Elektroautos sind natürlich längst kein rein europäisches Thema, auch in den USA soll ihr Anteil schnell wachsen. Hyundai will mehr als 5,5 Milliarden US-Dollar in die Hand nehmen, um in Georgia eine Fabrik für Batteriefahrzeuge hochzuziehen. Und die Pläne der Koreaner gehen noch weiter.

  • Die Übernahme des Autovermieters Europcar durch die Green Mobility Holding nimmt weiter Formen an. Am Mittwoch gaben die Kartellbehörden grünes Licht. Hinter der Holding verbergen sich Volkswagen, Attestor und Pon Holdings. Alles in allem dürfte der Deal rund drei Milliarden Euro schwer werden.

  • Leoni braucht Geld, 1,5 Milliarden Euro Schulden hat der Zulieferer angehäuft. Immerhin: Der Verkauf eines weiteren Teils des Autokabelgeschäfts soll nun 400 Millionen Euro in die Kassen spülen. Auch personell stehen die Zeichen auf Transformation: Klaus Rinnerberger (58) soll Klaus Probst (68) als Aufsichtsratschef ablösen.

Noch mehr Mobilität: Condor ++ Microlino ++ Pony.ai

Schlag ins Condor: CEO Ralf Teckendrup hat sich verzockt

Schlag ins Condor: CEO Ralf Teckendrup hat sich verzockt

Foto: Maximilian von Lachner / VISUM
  • Während sich praktisch die gesamte Airline-Branche mit Sicherungsgeschäften – im Fachjargon Hedging – gegen steigende Kerosinpreise gerüstet hat, verzichtete Condor-Chef Ralf Teckendrup (64) weitgehend darauf. Äh, keine gute Idee: Eingeweihte berichten meinem Kollegen Michael Machatschke von fast 100 Millionen Euro Schaden. Und es drohen bereits weitere Schmerzen .

  • Nach sechs Jahren Auf und Ab soll der Microlino noch 2022 auf die Straße kommen. Bei einem virtuellen Launch-Event ihres elektrischen Klons des 50er-Jahre Kultautos BMW Isetta berichteten die Gründer Merlin und Oliver Ouboter von Fortschritten, alle Zweifel konnten sie aber nicht ausräumen. Teile fehlen, die Produktionsanlagen sind nicht fertig und auch neue Geldquellen wollen sich die Schweizer erschließen.

  • Mit satten 8,5 Milliarden Dollar ist der Robotaxi-Entwickler Pony.ai seit der jüngsten Finanzierungsrunde im Frühjahr bewertet. Das chinesische Start-up sah sich schon als Rivale von Cruise, Waymo oder Argo AI. Jetzt allerdings kam die Hiobsbotschaft : In Kalifornien darf das Unternehmen seine Autos vorerst nicht einmal mehr mit Sicherheitsfahrer auf die Straße schicken. Versagt hatten zuvor offenbar nicht die Technik, sondern die Menschen.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Deep Drive der Woche: Angst auf zwei Rädern

Kommende Woche, genauer gesagt am 3. Juni, ist Weltfahrradtag. Radfahren boomt – zumindest in der Theorie. Im Alltag gibt es offenbar doch noch viele Hemmungen. Das zeigt eine Ipsos-Analyse . Die Marktforscher haben über 20.000 Menschen befragt und herausgefunden: In Deutschland nutzt nur gut jeder fünfte (21 Prozent) für kurze Entfernungen von bis zu zwei Kilometern am häufigsten das Rad als Fortbewegungsmittel. Damit liegt das Fahrrad nicht nur hinter den eigenen Füßen (33 Prozent), sondern auch – Sie ahnen es – hinter dem Auto (31 Prozent) zurück. Das Hauptproblem: 42 Prozent der Befragten finden Fahrradfahren in ihrer Umgebung zu gefährlich.

Zahl der Woche: eine Million

Von einem Boom zum nächsten: Bahnfahren war wohl noch nie so gefragt. Der Vorverkaufsstart des 9-Euro-Tickets löste einen echten Run aus. Allein am Montag und Dienstag wurden mehr als eine Million der Fahrkarten verkauft. Dass die Server aufgrund des Ansturms zeitweise ausfielen – geschenkt. Brenzliger dürfte es werden, wenn der Kampf um die Plätze in den Regionalzügen entbrennt. Gut 50 Züge mehr will DB Regio bereitstellen, CEO Jörg Sandvoß (64) glaubt aber offenbar selbst nicht so recht, dass das reicht:  "So wie ein plötzlicher Stau auf der Autobahn die Fahrt verzögert, kann das bei sehr hohem Verkehrsaufkommen auch bei der Bahn passieren."

Geisterfahrer der Woche

Plötzlich Auto-Boss: Russlands ehemaliger Verkehrsminister Maxim Sokolov

Plötzlich Auto-Boss: Russlands ehemaliger Verkehrsminister Maxim Sokolov

Foto: Sergei Karpukhin / REUTERS

Nachdem sich Renault gezwungen sah, seine Anteile am größten russischen Autobauer Avtovaz zum Spottpreis an den russischen Staat zu verscherbeln, wird nun ein neuer CEO installiert. Künftig hat Maxim Sokolov (53) das Sagen . Der war zwischen 2012 und 2018 russischer Verkehrsminister. Man stelle sich vor: Andreas Scheuer (47) würde bald in Wolfsburg übernehmen.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.