Lukas Heiny

manage:mobility Die Jagd nach dem Rohstoff unter der Haube

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Der Hype ums Batteriezell-Recycling.

  • Das Frauenquoten-Beben beim Motorenbauer Deutz.

  • Die Börsenfantasien um Porsche.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Gute Mine, großes Spiel

Resterampe: Direkt neben der neuen Zellfabrik im schwedischen Skelleftea will Northvolt unter dem Namen Revolt die größte Recycling-Fabrik Europas bauen

Resterampe: Direkt neben der neuen Zellfabrik im schwedischen Skelleftea will Northvolt unter dem Namen Revolt die größte Recycling-Fabrik Europas bauen

Foto: ERLAND SEGERSTEDT / AFP

Das Recycling von Batteriezellen ist ein Nischenthema, bislang stehen in Europa nur ein paar Pilotanlagen, eine Standardtechnik gibt es nicht und keinen natürlichen Marktführer – aber eine Verheißung auf ein ökologisch einwandfreies Milliardengeschäft. "Recycling in sehr großem Umfang wird zwingend notwendig", hat uns Peter Lamp gesagt, der zuständige Manager bei BMW. "Der gesamte Markt bereitet sich schon heute darauf vor. Das ist fast schon ein Hype." Das Who-is-Who der globalen Auto- und Chemieindustrie liefert sich ein Rennen um die rollenden Rohstoffminen: ab 2030 werden laut einer Studie aus dem Hause Porsche mehr alte Batteriezellen ausrangiert als heute weltweit eingebaut. Die Alchemisten des Tesla-Zeitalters. 

Köpfe: Daniela Cavallo ++ Michael Halbherr ++ Marco Mattiacci ++ Martin Daum ++ Hera und Zeus

Deutschlands mächtigste Automanagerin: Betriebsratschefin Daniela Cavallo

Deutschlands mächtigste Automanagerin: Betriebsratschefin Daniela Cavallo

Foto:

Swen Pförtner / dpa

  • Daniela Cavallo (46), Betriebsratsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns, schlägt öffentlich Alarm wegen der Performance in China. VW müsse "in China die Kurve kriegen und die Bedürfnisse der Kunden besser verstehen". Ob sie unseren letzten Newsletter und "Volkswagens China-Problem" gelesen hat?

  • Michael Halbherr (57), ehemaliger CEO des Kartendienstes Here, wird neuer Chairman  der ABB-Sparte E-Mobility – und spielt damit eine entscheidende Rolle für den demnächst angepeilten Börsengang der Ladetochter.

  • Marco Mattiacci (51), ehemaliger Ferrari-Manager und Formel-1-Teamchef, wechselt  als Chief Brand Officer zu Aston Martin. Derweil verlässt Strategiechefin Bernadette "Bernie" Collins (35) den Aston-eigenen Rennstall.

  • Martin Daum (62), CEO von Daimler Truck, wird ab diesem Freitag ein MDax-Unternehmen führen. Der seit Kurzem selbständige Lkw-und-Bus-Bauer ersetzt im Börsenindex vorzeitig Alstria Office. Bei der nächsten offiziellen Neusortierung Anfang März dürfte es dann in den Dax gehen – Daum macht den Durchmarsch.

  • Salma Hayek (55) und Arnold Schwarzenegger (74), alias Hera und Zeus, spielen die Hauptrolle in BMWs Super-Bowl-Spot für dieses Wochenende . Wichtig? Nein, aber wir dachten, es interessiert Sie trotzdem.

Unternehmen: Bosch ++ Toyota ++ Deutz ++ Porsche ++ Continental ++ H2 Energy ++ Tesla

Like a Bosch: Boss Stefan Hartung, diese Woche in Stuttgart-Feuerbach

Like a Bosch: Boss Stefan Hartung, diese Woche in Stuttgart-Feuerbach

Foto:

Bernd Weißbrod / dpa

  • Premiere für Stefan Hartung (56) in seiner Rolle als Bosch-Chef. Erstmals durfte er die Bilanz des weltgrößten Autozulieferers präsentieren – nicht sooo schlecht. Und doch: Für 2022 bleiben massive Herausforderungen, man könnte sie auch als Probleme bezeichnen: die Chipkrise, steigende Rohstoffpreise, auch der Vorstoß in die Elektromobilität bleibt schwierig. 80.000 Mitarbeiter sollen umschulen.

  • Zahlen hat auch der weltgrößte Autobauer Toyota vorgelegt. Nettogewinn nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres: satte 17,4 Milliarden Euro. Allerdings kappten die Japaner ihre Absatzziele. Sie ahnen es: die Chips...

  • Beben beim Motorenbauer Deutz. Die Kölner haben, natürlich, die Transformation eingeleitet. Nur in Sachen Diversität läuft es noch, sagen wir, holprig. Aufsichtsratschef Bernd Bohr (65) und der Vorstand um CEO Frank Hiller (55) haben sich tief zerstritten über die Frage, wie der Konzern die Frauenquote im Vorstand erreichen könnte. Nun steht der Chefaufseher vor dem Rücktritt und ein Nachfolger bereit, haben meine Kollegen Eva Buchhorn und Christoph Neßhöver recherchiert und dabei auch schöne Details aus internen Mails  erhalten. Der Machtkampf ist noch nicht ausgestanden. Keine Sorge, wir bleiben dran.

  • Rund um Porsche beflügeln derweil wieder die Börsenpläne die Fantasie der Anleger. Ein vager Bericht der Kollegen von Reuters  ließ die Aktien von Porsche SE und Volkswagen emporschießen. Über die Szenarien hatten wir bereits im Februar 2021 berichtet; nach viel Beschleunigen und wieder Abbremsen nimmt die Sache jetzt offenbar wieder mehr Fahrt auf.

  • IPO-Speku, Teil 2: Auch um Continental ranken sich begründete Gerüchte, die Sparte für das automatisierte Fahren herauszulösen und an die Börse zu bringen – oder zu verkaufen. Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle (72) hatte uns ja bereits erklärt, "für jede denkbare Kooperation offen"  zu sein.

  • Der Jet-Tankstellen-Betreiber Philipps 66 und das Wasserstoff-Start-up H2 Energy (hinter dem wiederum der Rohstoff-Gigant Trafigura steht) wollen in Deutschland, Österreich und Dänemark ein Netz von Wasserstofftankstellen bauen, 250 bis 2026 . Wir sind gespannt.

  • Und Neues aus Grünheide? Nö. Das Genehmigungsverfahren für das Tesla-Werk "wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen", sagte der zuständige Abteilungsleiter im brandenburgischen Umweltministerium, Axel Steffen. Auch nach einem Bescheid könne es noch Wochen dauern, bis die ersten Teslas für den Verkauf vom Band rollen können.

Zahl der Woche: 32,6

Mit diesem Weltmarktanteil ist der chinesische Konzern CATL auch 2021 der größte Batteriezellhersteller der Erde gewesen. Auf Rang zwei folgt laut eines SNE-Reports  LG Energy Solutions aus Südkorea mit 20,3 Prozent vor Panasonic mit 12,2 Prozent. Mit insgesamt 193 Gigawattstunden Kapazität beherrschen allein die Top Drei damit zwei Drittel des Geschäfts. Mit BYD, CALB, Volkswagen-Partner Gotion und SVOLT folgen unter den zehn größten Herstellern noch vier weitere Firmen aus China.

Neue und grüne Mobilität: AutoX ++ Deutsche Bahn

X-Faktor: Minimaler Teil der Robotaxi-Flotte von AutoX

X-Faktor: Minimaler Teil der Robotaxi-Flotte von AutoX

Foto: autox
  • AutoX ist eines der chinesischen Robotaxis-Start-ups, die regelmäßig spektakuläre Nachrichten in die Welt posaunen. Nun verkündete die Firma, zu deren Hauptinvestoren der Techriese Alibaba gehört, schon mehr als 1000 Robotaxis zu haben ("die größte Robotaxi-Flotte in China") und die Tests in San Francisco auszuweiten. "Und das ist nur der Anfang", so Gründer und Chef Jiangxion Xiao, in der Meldung übrigens ganz offiziell  als "Professor X" betitelt.

  • Die Deutsche Bahn will weg vom Diesel. Vorstandschef Richard Lutz (57) kündigte die "schrittweise Abschaffung des Diesels" an – bis 2040. Nach und nach sollen die 3000 Dieselloks Biokraftstoff tanken oder ganz durch Batterie- oder Wasserstoffloks ersetzt werden.

Deep Drive: Studie der Woche

Welche Autos sind eigentlich am wenigsten schädlich für das Klima? Das war die Leitfrage für Wissenschaftler der Bundeswehr Universität München. Sie nahmen den gesamten Lebenszyklus in den Blick, von der Produktion über den Verbrauch bis zum Recycling. Dabei trauten sie nicht allein den Herstellerangaben, sondern griffen also auf eine Datenbank zu 790 Modellen und Varianten zu. Ergebnis: Reine Elektroautos stoßen im Vergleich zu Benzinern und Dieseln 89 Prozent weniger Treibhausgase aus; Plug-in-Hybride 73 Prozent weniger. Spannendstes Detail für Connaisseure: Das zusätzliche CO2, das bei der Produktion eines Tesla Model 3 SP anfällt, pustet ein VW Passat 2.0 TSI in 18.000 Kilometern in die Luft. Hier gehts zu den kompletten Daten , die erst demnächst offiziell veröffentlicht werden.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Geisterfahrer der Woche

"Oh man, this year has been such a supply chain nightmare & it’s not over!”, twitterte Elon Musk im November 2021

"Oh man, this year has been such a supply chain nightmare & it’s not over!”, twitterte Elon Musk im November 2021

Foto:

ALY SONG/ REUTERS

"Chipkrise" ist bekanntlich in der Autoindustrie das Unwort der Gegenwart. In nicht wenigen Fabriken standen die Bänder still – auch ein Grund, warum die EU-Kommission in dieser Woche ihren Chips Act vorgestellt hat, samt eines 43-Milliarden-Euro-Investment-Plans. Besonders gut schien Elon Musk den Mangel gemanagt zu haben. Während er öffentlich noch mit dem "supply chain nightmare" haderte, fand Teslas Gigafactory Shanghai (von wo aus auch Deutschland beliefert wird) die Lösung, wie der US-Sender CNBC recherchiert hat.  Warum nicht einfach einen von zwei Chips in der Steuerelektronik weglassen? Zack, die Hälfte der Chips gespart! Äh, sollten wir dann nicht wenigstens unseren Kunden Bescheid sagen? Quatsch, das Auto fährt doch! Und den zweiten Chip brauchen die eh erst, wenn wir wirklich mal mit einem Autopilot um die Ecke kommen. Vielleicht liegt hier die tiefere Bedeutung des Wortes "Halbleiter".

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny