Christoph Seyerlein

manage:mobility Deutsche Batterieträume und krisenfeste Esten

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Deutschland AG hat gute Nachrichten dringend nötig. In die allgemeine Krisenstimmung gesellte sich Anfang der Woche auch noch die Nachricht, dass die deutsche Außenhandelsbilanz im Juni erstmals seit 2008 wieder negativ war.

Für neue Energie im Land könnten - zumindest für die Mobilitätsbranche - ausgerechnet Batterien sorgen. Volkswagen legt morgen in Salzgitter den Grundstein für seine erste Gigafabrik, Northvolt will ebenfalls ab 2025 in Heide Batteriezellen fertigen, und auch Daimler Trucks erwägt eine eigene Produktion. Noch muss der Standort Deutschland beweisen, dass er wirklich zur Akku-Hochburg taugt. Die Richtung stimmt schon einmal.

Unsere Highlight-Themen in dieser Woche:

  • Wie Thomas Schmall Volkswagens Batterie-Offensive zum Erfolg führen will.

  • Warum das Mobilitäts-Start-up Bolt die Krise als Expansions-Chance sieht.

  • Wieso vier große Autohändler ihre Eigenständigkeit aufgeben.

Top-Thema: Volkswagens überlebenswichtige Batteriefabrik

Batteriebeauftragter: Thomas Schmall muss Volkswagens Elektro-Mission aufladen.

Batteriebeauftragter: Thomas Schmall muss Volkswagens Elektro-Mission aufladen.

Foto: Holger Hollemann / picture alliance/dpa

60 Prozent aller von Volkswagen verkauften Neuwagen sollen 2030 reine Batterie-Autos sein. 2021 waren es gerade einmal 5 Prozent. Sollen sich die Wolfsburger Elektro-Träume erfüllen, braucht es jede Menge Batteriezellen. Die Verantwortung dafür trägt Technologievorstand Thomas Schmall (58). Er muss Volkswagens Gigafabriken bauen und zum Laufen bringen. Zur Grundsteinlegung des ersten Werks in Salzgitter hat sich heute sogar Bundeskanzler Olaf Scholz (64) angekündigt. Jede Menge Druck also für Schmall, der meinem Kollegen Michael Freitag im Interview verrät, warum er dennoch besser schläft als noch vor einem Jahr .

Köpfe: Barbara Bergmeier ++ Wang Chuanfu ++ Ulrike Wörz

Autos statt Kampfjets: Barbara Bergmeier wechselt zu Jaguar Land Rover

Autos statt Kampfjets: Barbara Bergmeier wechselt zu Jaguar Land Rover

Foto: Alister Thorpe / Jaguar Land Rover

Unternehmen: Bolt ++ Europcar ++ Mahle ++ Northvolt

Kennt keine Krisen: Bolt-CEO Markus Villig

Kennt keine Krisen: Bolt-CEO Markus Villig

Foto:

PR

  • Kursstürze, nervöse Investoren, Massenentlassungen: die Start-up-Szene ist gebeutelt. Doch es gibt Ausnahmen. Eine davon ist Bolt. Der Mobilitätsanbieter hält sein Team beisammen und baut es sogar noch aus. Die Schwäche mancher Wettbewerber will CEO Markus Villig (28) nun ausnutzen. Selbst in der weitgehend unrentablen Carsharing-Branche wittert er Chancen auf gute Geschäfte. Wie er damit erfolgreich werden will, hat Villig meinem Kollegen Jonas Rest und mir verraten .

  • Carsharing soll es künftig auch bei Europcar geben. Und Autoabos. Und Ridehailing. Und autonome Fahrdienste. Zunächst einmal muss Volkswagen den Autovermieter nach der Übernahme mit zwei Partnern aber grundsanieren. Beim Autobauer träumt man zwar bereits von der Mobilitäts-Superapp, der Weg dorthin ist aber noch weit.

  • Einen Weg in die Zukunft suchen auch viele Automobilzulieferer. Der Kolben-Spezialist Mahle etwa ist nach dem angekündigten Verbrenner-Aus in der EU 2035 endgültig angezählt. Nun ist für die Schwaben der "Weg frei für die Ablösung des Verbrennungsmotors in allen Fahrzeugklassen". Hoffen sie zumindest und bauen dabei auf einen neuen Elektromotor, der allerhand Spektakuläres können soll. Ach ja, ein neuer Chef wäre auch gut nach dem frühen Abschied von Matthias Arleth (55) Ende April.

  • Als sehr zukunftsfähig gilt anders als manch klassischer Zulieferer der Batteriezellenspezialist Northvolt. Die Schweden sollen unter anderem Volkswaagen bereits erwähnte Batterieproduktion ergänzen. Schon seit Jahren gilt Northvolt als Kandidat für die Börse, bislang galt ein Start 2023 als wahrscheinlich. Doch Aufsichtsratschef Carl-Erik Lagercrantz (57) hat nun die Zeitleiste verschoben.

Mehr Mobilität: Loden One ++ Amazon ++ Star Alliance

Wie nützlich ist das Nutzfahrrad? Margret Hucko hat das Loden One getestet

Wie nützlich ist das Nutzfahrrad? Margret Hucko hat das Loden One getestet

Foto: PR
  • Was landläufig als Lastenrad bekannt ist, bezeichnet der US-Hersteller Loden als "Nutzfahrrad". Gut so, findet meine Kollegin Margret Hucko, die mit dem Loden One eines der elektrischen Cargobikes getestet hat. Schließlich sind Kinder, die man auf dem Rad gut und gerne mitnehmen kann, keine Last. Wie gut sich das Loden One ansonsten im Alltag schlägt, erfahren Sie hier.

  • Auch bei Lieferdiensten stehen elektrische Cargobikes immer höher im Kurs. Amazon setzt in London nun auf eine ganze Flotte von Zweirädern . Gemeinsam mit Kurieren, die Päckchen zu Fuß ausliefern, sollen sie tausende Vans in der verstopften Metropole ersetzen.

  • Geht es nach der Deutschen Bahn und den zahlreichen Fluglinien der Star Alliance, sollen Schiene und Luft künftig eine echte Symbiose bilden. "Von Freiburg nach Singapur: Dafür braucht es nur noch ein einziges Ticket", frohlocken die neuen Kooperationspartner . Wollen wir hoffen, dass der Zug aus dem Breisgau dann auch rechtzeitig am entsprechenden Flughafen einfährt.

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Deep Drive der Woche: Mobilitäts-Inflationssorgen

Wie lange können wir uns individuelle Mobilität noch leisten? Diese Sorge treibt offenbar viele Verbraucher um. Continental hat für seine diesjährige Mobilitäts-Studie 6000 Personen in sechs Ländern befragt. 70 Prozent befürchten, dass exklusiv auf sie zugeschnittene Mobilitätsangebote in Zukunft zu teuer für sie werden .

Zahl der Woche: 40.000

Der Klassiker für individuelle Mobilität ist nach wie vor das Auto. Wer eines will, geht heute noch überwiegend zum Händler. Doch Elektromobilität, Direktvertrieb, Online-Handel und Co. wälzen das Geschäftsmodell um. Dagegen hilft nach Ansicht vieler Experten vor allem: Größe. Vier bereits relativ große Volkswagen-Händler schließen sich nun zu einem echten Mega-Dealer mit über 40.000 verkauften Autos im Jahr und einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro zusammen. Mancher Wettbewerber zwischen Wiesbaden und Coburg dürfte bei den Dimensionen ordentlich schlucken.

Geisterfahrer der Woche

Keiner will die Krypto-Corvette: Bei einer NFT-Auktion fand sich kein einziger Bieter

Keiner will die Krypto-Corvette: Bei einer NFT-Auktion fand sich kein einziger Bieter

Foto: JOHN ROE

Der erhoffte PR-Coup entpuppte sich als klägliche Nullnummer: Das Management der Sportwagenmarke Corvette wollte vor Kurzem ein NFT (Non-Fungible Token) einer Z06 mit Baujahr 2023 versteigern. Doch bei der Auktion bot niemand mit. Und das, obwohl einem Käufer auch eine echte, physische Corvette gewunken hätte. Offenbar war das festgelegte Startgebot von 206 Ethereum - umgerechnet rund 230.000 Euro - zu viel des Guten. Die Häme gab's dann natürlich frei Haus. So twitterte etwa "The Drive": "NFT clearly stood for "nobody's favorite thing" at this auction." 

Ich wünsche Ihnen eine Woche ohne Totalausfälle.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

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