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Christoph Rottwilm

Der Freitag im Überblick Einmal geknetetes Fake-Hähnchen frittiert, bitte

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Google-Chef im Milliardenrausch, einem Chefvolkswirt im Flughafenchaos und einem Ex-Beatle im New-Food-Hype.

Dass die Autobranche wegen fehlender Chips und anderer Bauteile seit Monaten in Schwierigkeiten steckt, ist bekannt. Aber wie schlimm ist es wirklich? Absatzzahlen zum ersten Halbjahr 2022, die der europäische Autoverband heute veröffentlicht hat, geben Auskunft. Sie zeigen: Die Geschäfte der Autohersteller laufen im Vergleich zu noch nicht allzu lang zurückliegenden Zeiten nach wie vor schlecht.

Ein paar Highlights: Im Juni wurden in Europa so wenige neue Autos angemeldet wie zuletzt im Jahr 1996 in einem vergleichbaren Monat. Das prozentuale Minus der Fahrzeugverkäufe zum Vorjahreszeitraum war erneut zweistellig. Auch das erste Halbjahr insgesamt zeigt kein besseres Bild: Der Branchenabsatz sank um 14 Prozent auf 4,6 Millionen Pkw.

Passend dazu präsentierten der Volkswagen-Konzern und die Tochter Porsche heute ihre Halbjahresbilanzen. Europas größer Autobauer verzeichnete im Juni ebenfalls erneut ein Minus, aber – ein Lichtblick – gegenüber Mai sehen die Zahlen schon besser aus. Vor allem im wichtigen China-Geschäft ziehen die Verkäufe wieder an.

Absatzschwäche: Auch Porsches Elektromodell Taycan verkauft sich nicht mehr so gut

Absatzschwäche: Auch Porsches Elektromodell Taycan verkauft sich nicht mehr so gut

Foto:

JAVIER ROJAS / imago images/ZUMA Wire

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Saudi-Arabien hat viel Erdöl, es braucht aber auch viel Erdöl. Weil es das momentan vergleichsweise günstig in Russland zu kaufen gibt, hat das Königreich seine Importe von dort kurzerhand verdoppelt. Irgendwo muss die viele Energie, die zum Betrieb unzähliger Klimaanlagen in der Wüste benötigt wird, ja herkommen. Das eigene Öl verkaufen die Scheichs lieber auf dem Weltmarkt – zu vergleichsweise höheren Preisen, versteht sich.

  • Die strikte Null-Covid-Politik Chinas mit immer neuen Lockdowns belastet die Weltwirtschaft. Doch auch in der Volksrepublik selbst bleiben die ökonomischen Folgen nicht aus. Offiziellen Zahlen zufolge, die heute veröffentlicht wurden, ist die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal nur noch um 0,4 Prozent gewachsen. Der niedrige Wert hat selbst Experten überrascht. Sie hatten mit einem stärkeren Wirtschaftswachstum gerechnet.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Google verfügt im Internet über die größte Suchmaschine der Welt, betreibt mit Youtube die stärkste Videoplattform und ist mit Waymo führend in der Entwicklung des autonomen Fahrens. Doch die App, auf die Google-Chef Sundar Pichai die größten Hoffnungen setzt, heißt Google Maps. Was von vielen als simpler Kartendienst wahrgenommen wird, will Pichai zur lebensumspannenden Service-App ausbauen. Wie Google damit ein Milliardengeschäft machen will, erklären unsere Kollegen Jonas Rest und Sven Clausen in der neuen Folge unseres Podcasts "Das Thema".

  • Stundenlang in der Warteschlange auf dem Flughafen stehen zu müssen, ist nicht angenehm. Doch es hat auch sein Gutes: Unser Gastautor Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, hat die Zeit genutzt, um sich über die Gründe für das Chaos Gedanken zu machen und die systematischen Defizite zu analysieren, die dahinterstecken. Dabei kam er zu Erkenntnissen, die sich auch auf andere Bereiche der Wirtschaft übertragen lassen, bis hin zum Welthandel.

Das Beste aus dem "Economist":

Meine Empfehlung für den Abend:

Welteroberer mit Fake-Hähnchen: Timo Recker gründete Next Gen Foods

Welteroberer mit Fake-Hähnchen: Timo Recker gründete Next Gen Foods

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privat

  • Einmal geknetetes Fake-Hähnchen frittiert, bitte. Geht es nach Timo Recker, wird man den Satz in Restaurants rund um die Welt künftig vielleicht häufiger hören. Der Start-up-Gründer ist gerade dabei, ein weltweites Veggie-Hähnchen-Imperium aufzuziehen. So jedenfalls der Plan. Der Fleischersatz, den Recker unter der Marke "Tindle" unters Volk bringen will, kommt dabei nicht etwa in Nugget- oder Schnitzelform daher, sondern eben als eine Art gefrorene Knete. Die soll den Restaurants, über die zunächst der Vertrieb läuft, bei der Zubereitung noch möglichst viele Varianten offen lassen. Ex-Beatle Paul McCartney jedenfalls scheint es zu schmecken – er befindet sich unter den Investoren, die Reckers Start-up Next Gen Foods bereits mit Kapital ausgestattet haben, wie Kollegin Mirjam Hecking berichtet .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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