Lukas Heiny

manage:mobility Ist "Volkswagen" zu Old School?

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Warum Herbert Diess einen neuen Namen für Volkswagen sucht.

  • Warum es bei Audi statt McLaren eher McLeiderdochnicht heißt.

  • Welcher Mobilitätskonzern der beste Arbeitgeber Deutschlands ist.

  • Welcher Auto-CEO der bestbezahlte ist.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Ein neuer Name für Volkswagen

Foto: Jens Niering / picture alliance / Jens Niering

Die ersten drei Monate des Jahres liefen trotz aller Krisen wirklich gut für Volkswagen. Herbert Diess (63) präsentierte am Mittwoch mit 6,7 Milliarden Euro Gewinn fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Ausblick ist stabil, auch wenn insbesondere die Energie und der Krieg in der Ukraine für angespannte Unsicherheit sorgen. Intern macht derweil ein Schreiben des Vorstandsvorsitzenden die Runde, in dem er nicht weniger als den Namen des Konzerns in Frage stellt.  Kein Witz oder PR-Stunt wie noch vor einem Jahr, als die US-Tochter plötzlich "Voltswagen" heißen sollte. Diess, so hat mein Kollege Michael Freitag erfahren, hat bereits ein Team beauftragt, Ideen zu liefern. Vorbild: Facebook (Meta) und Google (Alphabet). Ist "Volkswagen" also zu uncool? New Name for New Auto? Schicken Sie uns gern schon mal Ihre Vorschläge – wir leiten sie weiter: manage.mobility@manager-magazin.de 

Köpfe: Amedeo Felisa ++ Imelda Labbé ++ Desi Ujkashevic

Rotes Rennblut: Als Ferrari-Chef wurde Amedeo Felisa berühmt

Rotes Rennblut: Als Ferrari-Chef wurde Amedeo Felisa berühmt

Foto: Gianluca Colla / Bloomberg via Getty Images
  • Amedeo Felisa (76), einst Ferrari-Boss, will es noch einmal wissen. Er wird CEO der Sportwagen-Boutique Aston Martin, nachdem Tobias Moers (56) mit sofortiger Wirkung zurückgetreten war. Der ältere Herr soll nun die grüne Transformation vorantreiben. Haupteigner Lawrence Stroll (62) lobt: Felisa sei "jung im Herzen".

  • Imelda Labbé (54) wird Vertriebs- und Marketingchefin bei Volkswagens Kernmarke VW – und damit die erste Frau im Markenvorstand.

  • Desi Ujkashevic (55), zuletzt eine der höchstrangigen Managerinnen bei Ford, wechselt  zu Apple. Die Expertin für Produktion und Sicherheitstechnik im Auto hat auch umfangreiche Erfahrung mit Regulierern – kann Apple bei den Roboautoplänen sicher gut gebrauchen.

Unternehmen: Audi/McLaren ++ Ferrari ++ Bosch ++ Share Now

Einsam in der Box: Bei McLaren will man nichts von Audi wissen

Einsam in der Box: Bei McLaren will man nichts von Audi wissen

Foto:

IMAGO/Joao Filipe / IMAGO/PanoramiC

  • Porsche und Audi drängen bekanntlich in die Formel 1. Doch gerade "die viel schwächere Marke", für die ein Einstieg der "eigentlich der bessere Case" wäre (O-Ton H. Diess), hat ein Problem: Wunschpartner McLaren will nicht, der Deal ist im Prinzip geplatzt. Nun muss Audi-Chef Markus Duesmann (52) einen neuen Partner finden  - unter Hochdruck.

  • Kleiner Tipp zwischendurch: Meine Kollegin Margret Hucko wird am Freitag in unserem Podcast "Das Thema" über Glanz, Drama und Business der Formel 1 erzählen. Außerdem hat sie ein Exklusivinterview mit Jorn Teske (54), dem Chef des Hockenheimrings, über einen möglichen Grand Prix in Deutschland geführt.

  • Ferrari ist und bleibt das Maß der Profitabilität in der Autowelt. Im ersten Quartal lieferten die Italiener 3251 Autos aus, machten damit 1,2 Milliarden Euro Umsatz – und erreichten eine operative Traummarge von 25,9 Prozent.

  • Auf nicht ganz so strahlende Zahlen blickte der neue Bosch-Chef Stefan Hartung (56) bei seiner ersten Bilanzvorstellung. Die Ziele von 2021 sind für 2022 nicht zu erreichen. Vor allem im Autozulieferergeschäft sei der Kostendruck extrem hoch.

  • Mercedes und BMW sind ausnahmsweise gemeinsam froh. Sie sind ihren Carsharing-Dienst Share Now los. Die Stellantis-Tochter Free2Move hat den Verlustbringer gekauft. Deren Chefin Brigitte Courtehoux (50) will den Umsatz bis 2030 nun auf 2,8 Milliarden Euro steigern. Aber an großen Versprechen mangelte es bei Share Now sowieso nie.

Die besten Arbeitgeber Deutschlands:

Chefrekruiterin: Mercedes-Personalvorständin Sabine Kohleisen

Chefrekruiterin: Mercedes-Personalvorständin Sabine Kohleisen

Foto:

Michael Dannemann / Daimler

Mercedes-Benz ist und bleibt der Traumarbeitgeber schlechthin. Kein anderes Unternehmen ist unter Studierenden beliebter und höher angesehen als der Autobauer. Personalvorständin Sabine Kohleisen (58) hat die Spitzenposition unter Absolventinnen und Absolventen sowohl der Wirtschafts- als auch der Ingenieurswissenschaften verteidigen können. Das ist das Ergebnis einer großen Exklusiv-Studie zu Deutschlands besten Arbeitgebern  an 44 deutschen Hochschulen, die das Institut Trendence für uns erstellt hat. Knapp dahinter folgen Apple und BMW.

Neue Mobilität: Lyft und Uber ++ Daimler Truck ++ Cariad ++ McKinsey

  • Die US-Mobilitätsplattform Lyft hat die Investoren schockiert. Die Q1-Zahlen waren eigentlich noch ganz gut, aber die Perspektive hatte es in sich. Lyft muss in Fahrerinnen und Fahrer investieren, denn die Jobs sind angesichts des Arbeitskräftemangels und der Benzinkosten nicht mehr so leicht zu besetzen. Der Aktienkurs rauschte um ein Viertel ab. Nervös zog Rivale Uber gleich mal die eigenen Zahlen vor – und präsentierte ein sattes 5,9-Milliarden-Dollar-Loch.

  • Der Lkw-Bauer Daimler Truck hat sich am kalifornischen Softwareunternehmen Apex.AI beteiligt. Wie übrigens auch Volvo, Toyota, Continental, ZF, Hella und andere. Gründer Jan Becker (51) verspricht "Android fürs Auto" – Codebausteine für ein Betriebssystem.

  • Volkswagen, besser: die Software-Tochter Cariad, will ein solches System bekanntlich selbst programmieren. Intern wie extern gibt es an den Erfolgsaussichten erhebliche Zweifel. Doch Chef Dirk Hilgenberg (57) schließt per LinkedIn  die Reihen: "We have broad shoulders. We can carry the load."

  • Der Ramp-up der europäischen Batteriezellproduktion kommt auch den Maschinenbauern  zugute. Eine brandaktuelle Studie von McKinsey identifiziert ein Marktpotenzial von zusätzlich 5,3 bis 7,1 Milliarden Euro schon im Jahr 2025. Allein: Die meisten europäischen Anbieter können es nicht.

Zahl der Woche: 263 Millionen

Läuft bei ihm: Peter Rawlinson hat ein einträgliches Jahr hinter sich

Läuft bei ihm: Peter Rawlinson hat ein einträgliches Jahr hinter sich

Foto: CAITLIN O'HARA / REUTERS

Über so viel Dollar Vergütung darf sich Lucid-Chef Peter Rawlinson (64) freuen, wie aus einem aktuellen SEC-Filing  hervorgeht. Sein Grundgehalt 2021 machte nur 575.000 Dollar aus. Aber er hat noch vor dem Börsengang im Juli einen der höchsten Vergütungsdeals aller Zeiten herausgehandelt (getoppt natürlich von King Elon). Und die kurze Phase, in der Lucid an der Börse richtig viel Geld wert war, reichte für Zuteilung der versprochenen Aktienpakete. Insgesamt wäre für Rawlinson sogar mehr als eine halbe Milliarde Dollar drin – Wahnsinn.

Deep Drive: Studie der Woche

Das ist doch mal eine gute Nachricht. Trotz des Kriegs in der Ukraine und des Ausschlusses Russlands als weltgrößter Rohstofflieferant aus vielen globalen Lieferketten gibt es genug für einen fortgesetzten Elektroautoboom. Die kritischen Metalle Lithium und Nickel reichen auch so, um 2023 weltweit 14 Millionen E-Autos zu bauen, so eine aktuelle Studie  von Transport & Environment.

Geisterfahrer der Woche

Foto: epa Andrew Gombert/ picture-alliance/ dpa

In New York gibt es – wie fast überall in den USA – in diesem Jahr so viele Verkehrstote wie lange nicht. 64 bis Mitte April. "Das ist eine echte Krise", hat Bürgermeister Eric Adams (61) nun gesagt und eine millionenschwere Kampagne gestartet . Mit Schockbildern und -botschaften. Kernbotschaft: Slow down.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny