Lukas Heiny

Newsletter Der Tag mit einem Diversity-Muffel

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dabei: ein selten ehrlicher CEO, eine Wende im Dieselskandal, die Steuerdaten der Multimilliardäre und der neue Bafin-Chef im Porträt.

Inzwischen hat Frank Slootman seine Sätze wieder einzufangen versucht, klar. Schließlich brach umgehend ein Shitstorm über ihn herein, nachdem er dem US-Sender Bloomberg ein Interview aus dem Homeoffice gegeben – und sich in selten gehörter Klarheit dafür ausgesprochen hatte, bei Neueinstellungen und Beförderungen in seinem Unternehmen doch bitteschön mehr auf das Können und das Talent zu achten als auf Diversität.

Mr. Slootman, 62, ist CEO des US-Konzerns Snowflake, einem der jüngsten Stars der Tech-Welt (aktueller Börsenwert: umgerechnet mehr als 60 Milliarden Euro). Und man darf davon ausgehen, dass er das mit der Diversität – allen späteren Entschuldigungen zum Trotz – wirklich so meint. Auf die verwunderte Nachfrage der Moderatorin nämlich erklärte er, andere CEOs dächten doch genauso wie er; sie würden es nur nicht öffentlich sagen. "Wir sind CEOs, wir führen Unternehmen, wir müssen Ergebnisse für unsere Mitarbeiter und unsere Partner, unsere Investoren und unsere Kunden erwirtschaften."

Als CEO, hatte Slootman noch gesagt, solle man sich nicht auf die hysterisch geführte Diversity-Debatte einlassen – sondern sich aufs Wesentliche konzentrieren: Business. Hat nicht geklappt.

Börsengang: Snowflake ging im Herbst 2020 an die Wall Street, beäugt von der Bronzestatue "Fearless Girl" (die wurde – kleiner kultureller Exkurs – übrigens über Nacht anlässlich des Weltfrauentags 2017 aufgestellt, versehen mit den Worten: "Know the power of women in leadership. SHE makes a difference.")

Börsengang: Snowflake ging im Herbst 2020 an die Wall Street, beäugt von der Bronzestatue "Fearless Girl" (die wurde – kleiner kultureller Exkurs – übrigens über Nacht anlässlich des Weltfrauentags 2017 aufgestellt, versehen mit den Worten: "Know the power of women in leadership. SHE makes a difference.")

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

Menschen, die uns heute wichtig waren:

Reiz der Macht: Als Bafin-Chef verzichtet Mark Branson auf viel Geld – bei rund 400.000 Euro Jahressalär dürfte er liegen

Reiz der Macht: Als Bafin-Chef verzichtet Mark Branson auf viel Geld – bei rund 400.000 Euro Jahressalär dürfte er liegen

Foto: Peter Klaunzer / picture alliance / Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa
  • Mark Branson. Gerade erst hat der Wirecard-Untersuchungsausschuss in seinen 675-Seiten-Bericht den deutschen Aufsichtsbehörden "kollektives Versagen" vorgeworfen. Insbesondere die Finanzaufsicht hat, nun ja, nicht gut gearbeitet. Als neuer Chef soll nun Mark Branson die Bafin wieder aufrichten. Der Brite leitete zuletzt die Schweizer Bankenaufsicht und kommt mit seinem Schweizer Dialekt fast harmlos daher – dabei kann der Ex-Banker auch anders. Meine Kollegin Katharina Slodczyk zeichnet in ihrem ausführlichen Porträt das Bild eines Mannes, der auf die nette Tour aggressiv ist. 

  • Jerome Guillen. Der ehemalige Daimler-Mann war einer der vier höchsten Tesla-Manager, zuletzt verantwortlich für die geplante Disruption des Truck-Geschäfts. Jetzt hat er Elon Musk und dessen Reich verlassen.

  • Debbie Hewitt. Die Topmanagerin und Multiaufsichtsrätin (unter anderem Visa Europe) wird als erste Frau Chefin des britischen Fußballverbands FA.

Meine Empfehlung für den Abend:

Armer, reicher Mann: In einzelnen Jahren bekam Jeff Bezos sogar Unterstützungsgelder vom Staat

Armer, reicher Mann: In einzelnen Jahren bekam Jeff Bezos sogar Unterstützungsgelder vom Staat

Foto: Patrick Semansky / AP
  • Wie sie an diese Daten gekommen sind, sagen die US-Journalisten von "Propublica" natürlich nicht. Fakt ist: Sie sind spektakulär. Die Kollegen listen nämlich die Einkommenssteuerzahlungen der 25 reichsten Amerikaner für die vergangenen Jahre auf. Wobei "Zahlungen" nicht immer heißt, dass die Multimilliardäre auch immer Geld an den Staat gezahlt haben. Im Gegenteil: Jeff Bezos etwa, reichster Mann der Welt, erhielt sogar Zuschüsse für seine Kinder, weil er offiziell so wenig verdient hatte.

Herzlich, Ihr Lukas Heiny