Marleen Gründel

Der Tag im Überblick Herbert Diess und seine elf Freunde

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Vorstandsumbau bei Volkswagen, der Krise bei Evergrande und der Billionen-Prognose für Apple.

Nach wochenlangem Kulturkampf bei Volkswagen steht nun fest: Konzernchef Herbert Diess darf bleiben. Das gab der Aufsichtsrat heute bekannt. Der Manager muss allerdings Kompetenzen abgeben. So hat das Kontrollgremium gleich drei neue Ressorts beschlossen. Damit gönnen sich die Wolfsburger einen zwölfköpfigen Großvorstand.

Die Personalien dürften Ihnen als Leser oder Leserin unseres Newsletters größtenteils bekannt sein. Hildegard Wortmann, die Social-Media-Queen von VW und bisherige Vertriebsvorständin von Audi, wird zusätzlich zu ihren Aufgaben in Ingolstadt in den neu geschaffenen Bereich Vertrieb aufsteigen, wie meine Kollegen Michael Freitag und Lukas Heiny bereits gestern berichtet hatten . Auch die Personalie um Hauke Stars wurde heute bestätigt . Die IT-Expertin, die lange Zeit Vorständin bei der Deutschen Börse war, zieht als zweite Frau in den Vorstand ein und wird ab Februar das ebenfalls neu geschaffene Ressort IT und Organisation führen. Zudem rückt VW-Markenchef Ralf Brandstätter in das Spitzengremium auf. Er übernimmt ab Januar 2022 den neuen Bereich Volkswagen Pkw und ab August das Ressort China. Die Zuständigkeit für die Hauptmarke VW Pkw im Konzernvorstand wird Škoda-Chef Thomas Schäfer übernehmen. Die bisher einzige Managerin im Vorstand, Compliance- und Rechtsvorständin Hiltrud Werner, tritt dagegen wie erwartet ab und übergibt ihren Posten an Manfred Döss. Der Chefjustiziar ist gleichzeitig Vorstand der Porsche SE, der Holdingfirma der Eignerfamilien Porsche und Piëch. Er soll die Familien im Vorstand vertreten.

Mit Vertrieb und China muss Diess nun also zwei wichtige Bereiche abgeben. Er soll sich nach dem Willen des Aufsichtsrats künftig vor allem um strategische Themen wie die neue Softwaresparte Cariad kümmern. Ob der gravierende Vorstandsumbau ausreicht, um all die schwelenden Konflikte im Konzern zu befrieden, ist angesichts der verhärteten Fronten zwischen Vorstand und Betriebsrat fraglich.

In seinen Kompetenzen beschnitten: VW-Chef Herbert Diess muss Macht abgeben, darf dafür aber auf dem Chefsessel bleiben

In seinen Kompetenzen beschnitten: VW-Chef Herbert Diess muss Macht abgeben, darf dafür aber auf dem Chefsessel bleiben

Foto: Krisztian Bocsi/ Bloomberg

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Apple auf dem Sprung: Der Softwarekonzern aus Cupertino ist an der Börse derzeit rund 2,6 Billionen Dollar wert – so viel wie nie zuvor. Das ist allerdings noch nichts im Vergleich zu dem, was Analysten zufolge noch möglich sein könnte. Sollte es Konzernchef Tim Cook gelingen, ein Apple-Car auf den Markt zu bringen, das auch noch vollautonom fährt, könnte die Bewertung laut Morgan Stanley auf mehr als fünf Billionen Dollar steigen. Mit Apples Markteintritt träte für etablierte Autokonzerne dann das "ultimative Negativszenario " ein.

  • Evergrande in Not: Eine Insolvenz des hoch verschuldeten Immobilienentwicklers ist inzwischen sehr wahrscheinlich. Nachdem bereits die Ratingagentur S&P den chinesischen Konzern abgestuft hatte, folgen nun die Kreditwächter von Fitch und warnen vor einem unmittelbar bevorstehenden Zahlungsausfall. Evergrande selbst hatte vor Kurzem Zahlungsschwierigkeiten eingeräumt und einige fällige Zinszahlung nicht geleistet. Für Evergrande-Gläubiger Marco Metzler ist die Insolvenzverschleppung bereits eingetreten. Anleihegläubiger werden von ihrem Investment wohl kaum etwas wiedersehen, befürchtet der ehemalige Fitch-Ratings-Analyst. Mein Kollege Lutz Reiche hat das Drama um den wankenden Immobilienriesen für Sie zusammengefasst.

  • Toyota im Höhenflug: Während seine Kolleginnen und Kollegen aufgrund der Pandemie und der Chipkrise einen sinkenden Absatz verzeichnen, freut sich Toyotas Europachef Matthew Harrison über die besten Verkaufszahlen in den europäischen Ländern seit dem Rekordjahr von 2007. Doch auch wenn der japanische Autobauer in Europa wieder Geld verdient, hinkt Harrison mit seiner Profitabilität hinter dem Gesamtkonzern hinterher. Meinem Kollegen Michael Freitag hat der Manager im Interview erklärt, woran das liegt und warum er für 2022 einen neuen Rekord erwartet .

  • Deutsche Bank unter Druck: Das Frankfurter Institut hat offenbar gegen Auflagen eines Vergleichs mit der US-Justizbehörde verstoßen. So soll die Deutsche Bank eine interne Beschwerde der Vermögensverwaltung in Bezug auf die Nachhaltigkeitsinvestments der Fondstochter DWS nicht an die Strafverfolger weitergeleitet haben. Diesen mutmaßlichen Etikettenschwindel untersuchen inzwischen auch deutsche und amerikanische Behörden. Wenn Sie mehr über den Skandal rund um Greenwashing bei der DWS erfahren wollen, lege ich Ihnen hier  noch einmal die Geschichte meiner Kollegin Katharina Slodczyk ans Herz.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Eklat bei der Aareal Bank: Der aktivistische Investor Petrus Advisers hat auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Bank dafür gesorgt, dass drei Mitglieder des Aufsichtsrats abgewählt wurden. Neben der bereits zurückgetretenen Aufsichtsratschefin Marija Korsch betraf dies auch die Aufsichtsräte Christof von Dryander und Dietrich Voigtländer. Weniger erfolgreich war allerdings das zweite Vorhaben von Petrus: Die von Petrus vorgeschlagenen Ersatzkandidaten fielen bei der Mehrheit der Aktionäre durch. Das Institut muss nun drei neue Aufsichtsratsmitglieder gerichtlich bestellen lassen.

  • Mächtige Frauen: Angela Merkel hat gestern ihr Amt als Bundeskanzlerin von Deutschland an Olaf Scholz übergeben. Damit fliegt sie auch von der Liste der mächtigsten Frauen der Welt, die das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" gerade wieder veröffentlicht hat. Ganz oben steht nun MacKenzie Scott, die Ex-Frau von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Platz zwei belegt US-Vizepräsidentin Kamala Harris vor EZB-Chefin Christine Lagarde. Auf dem achten Platz findet sich mit Ursula von der Leyen die erste deutsche Frau.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

Videokonferenz-Anbieter wie Zoom oder Microsoft Teams gelten als Gewinner der Corona-Krise. Klar, Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice, auch Schüler und Studierende wurden zeitweise ins Homeschooling verbannt. Doch wie werden sich die Angebote entwickeln, wenn die Menschen wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren? Meine Kollegin Alexandra Knape hat mit IDC-Analyst Wayne Kurtzmann über die Trends in der Branche gesprochen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Ubers First-Mover-Vorteil wird "massiv überschätzt": Bolt-Gründer Markus Villig will in Deutschland kräftig expandieren

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PR

  • Seit Mai sind die Scooter des Billiganbieters Bolt auch auf Deutschlands Straßen unterwegs. Jetzt vermitteln die Esten in Berlin und Frankfurt auch Taxis und Mietwagenfahrten – zu Kampfpreisen. Gründer und CEO Markus Villig gibt sich sehr selbstbewusst. Er sehe keinen Grund, warum das langfristig nicht "in allen deutschen Städten erfolgreich sein soll" wie er meinen Kollegen Lukas Heiny und Jonas Rest erzählte. Die Konkurrenten stöhnen bereits. Lesen Sie hier die ganze Geschichte über die Angriffspläne des Billig-Ubers .

Herzliche Grüße und einen angenehmen Feierabend,

Ihre Marleen Gründel