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Kai Lange

Der Montag im Überblick Brumm-Brumm statt Bio

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute: Was beim Gasimporteur Uniper schiefläuft, warum die Deutschen lieber teure Autos als teure Lebensmittel kaufen und warum Sie das Wort "Aber" aus Konferenzen streichen sollten.

Sollten Sie sich über Ihre neuen, unfassbar hohen Gas-Abschlagszahlungen ärgern, dann sind sie zumindest nicht allein. Auch der Staat (also die deutschen Steuerzahler) hat bereits Milliarden Euro für den Gasimporteur Uniper ausgegeben: Acht Milliarden für die Anteile sowie weitere acht Milliarden, um die Kredite des finnischen Konzerns Fortum abzulösen. Da Uniper mehr als 100 Stadtwerke und Industriekonzerne mit Gas versorgt, schien dessen Verstaatlichung, nun ja, alternativlos.

Doch es kommt noch weit teurer. Bis zu 25 Milliarden Euro dürften zusätzlich nötig sein, um den maladen Gaseinkäufer zu stützen. Damit treibt der Bund mithilfe der Staatsbank KfW die leise Verstaatlichung der deutschen Energiewirtschaft voran: Bei den Gasimporteuren Uniper und Sefe beteiligt er sich direkt, bei der Raffinerie in Schwedt übernimmt er die Rolle eines Treuhänders, beim Krisengewinnler RWE will er die berühmt-berüchtigten "Über"-Gewinne abschöpfen.

Wann ist der Einstieg des Staates in Unternehmen sinnvoll? Wie soll er die Dinge regeln? Und wann ist Zeit, wieder zu gehen? Unser Kollege Dietmar Student ist diesen entscheidenden Fragen nachgegangen: Was kurzfristig sinnvoll erscheint, kann mittelfristig schwere negative Folgen für den Standort Deutschland haben. Zuletzt gingen Staatsbeteiligungen in Unternehmen meist schief, wie die Beispiele Tui, HSH Nordbank oder Commerzbank zeigen. Bislang zeigt sich auch der Fall Uniper als teurer Unfall. Schon jetzt umkreisen Interessenten einzelne Teile. Was der Staat tun muss, um ein Milliardengrab zu verhindern, lesen Sie hier.

Verstaatlichter Gasimporteur Uniper: Dem Steuerzahler droht ein Desaster

Verstaatlichter Gasimporteur Uniper: Dem Steuerzahler droht ein Desaster

Foto: Wolfgang Rattay / REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Proteste in China belasten die Börsen: In China nehmen die Proteste der Bevölkerung gegen die strikten Maßnahmen der Null-Covid-Politik des Staates zu. Während der größten Protestwelle seit Jahrzehnten, die sich auch gegen Staatschef Xi Jinping richtet, wurden zahlreiche Menschen festgenommen. Dax und Dow Jones, die sich seit Anfang Oktober jeweils um rund 20 Prozent erholt hatten, gaben am Montag zeitweise deutlich nach. Die Proteste hatten im Werk des chinesischen Apple-Zulieferers Foxconn begonnen.

  • Italien plant 50 Prozent Übergewinnsteuer: Wie eine Steuer auf Krisengewinnler wie RWE und Eon aussehen könnte, macht Deutschlands Nachbar Italien vor. Italienische Energiefirmen, die in der Krise ihre Gewinne über die Maßen steigern konnten, sollen laut einem Gesetzesentwurf bis zu 50 Prozent davon abgeben. Die Regierung in Rom unter der neuen Premierministerin Giorgia Meloni erhofft sich zusätzliche Einnahmen von 2,5 Milliarden Euro.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Kunden meiden Bio-Lebensmittel: Der Markt für Bio-Lebensmittel erlebt gerade den schwersten Einbruch seit mehr als 30 Jahren, meint Alnatura-Gründer Götz Rehn. Verbraucher schrecken in Zeiten der Inflation vor vermeintlich teuren Bio-Produkten zurück: Dabei sind die Preise im Bio-Sektor deutlich weniger stark gestiegen als bei konventionellen Produkten. Der Preisunterschied zwischen Bio und Nicht-Bio wird dadurch geringer. Unsere Kollegin Sina Osterholt erklärt, mit welchen Maßnahmen die Branche jetzt ein Sterben der Bio-Höfe verhindern will.

  • Kunden lieben Luxus-Autos: Anders als die Lebensmittelhersteller haben die größten Automobilhersteller der Welt die aktuelle Krise noch nicht zu spüren bekommen. Trotz Inflation und abflauender Konjunktur fuhren die meisten von ihnen im dritten Quartal Rekorde bei Umsatz und Gewinn ein, wie eine Studie der Beratung EY ergab. Die größten Gewinner der Branche waren Anbieter von Luxus-Autos: Beim operativen Gewinn lag Mercedes-Benz im weltweiten Vergleich mit rund 5,2 Milliarden Euro vorn. Die deutschen Hersteller VW und BMW landeten ebenfalls unter den Top 5. Auch in schlechten Zeiten gilt: Luxus sells.

Karrieretipp des Tages:

  • Verhandeln ohne Wenn und Aber: "Ich halte Deine Idee für gut, aber ..." Wie oft haben Sie diesen Satz schon in Konferenzen oder Verhandlungen gehört? Kein Wort wird dabei so oft benutzt wie das "Aber", und es ist ein echter Killer. Es sät Misstrauen und verändert die Stimmung. Unsere Kollegen vom Harvard Business Manager nennen drei einfache und schlagkräftige Strategien, wie Sie das Wort "Aber" und seine Folgen vermeiden: Zum Beispiel, indem Sie auf den Satz "Ich finde Ihr Produkt großartig, aber es ist zu teuer" bewusst nur auf den ersten Teil des Satzes reagieren: "Was spricht Sie denn besonders an unserem Produkt an? Welche Vorteile sehen Sie? Den Text "Ohne Aber zum Erfolg" finden Sie hier.

Meine Empfehlung für den Abend:

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Foto: NEIL HALL / EPA-EFE
  • Diese Anleihen schützen vor der Inflation: Die Idee ist so einfach wie charmant. Lang laufende Anleihen, die einen eingebauten Inflationsschutz haben. Mit den sogenannten "Linkern" (Inflation Linked Bonds) schütteln Anleger die Gefahr der Geldentwertung gleichsam ab: Kapital und Zinsen der Linker sind an einen Preisindex gekoppelt und wachsen im Gleichschritt mit diesem. Kein anderes Investment, weder Gold noch Aktien noch Immobilien, bietet eine solche Automatik. Da viele Anlageprofis nach der jüngsten Erholung erneut kräftige Rückschläge an den Börsen erwarten, ist das Interesse an den Linkern nicht nur bei Pensionsfonds inzwischen stark gestiegen. Unser Finanzmarkt-Experte Mark Böschen erklärt, wie Anleger von Linkern profitieren können - und wo die Stolperfallen dieser Bonds liegen.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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