Oliver Hollenstein

Der Montag im Überblick Energie-Monopoly und ein Angriff auf Putins Staatsschatz

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Sanktionen gegen die russische Zentralbank, den Milliardeninvestitionen in die Bundeswehr und der Frage, was passiert, wenn kein Gas mehr aus Russland strömt.

Der Krieg in Europa geht weiter und kostet jeden Tag Menschenleben. Mehr als eine halbe Million Ukrainer sind schon auf der Flucht, die EU-Kommission rechnet mit bis zu sieben Millionen Vertrieben – der größten humanitären Katastrophe seit vielen Jahren. Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind im Detail bisher kaum abzuschätzen. Wir versuchen trotzdem, die wichtigsten ökonomischen Aspekte des Krieges für Sie abzubilden. Heute: Die Sanktionen gegen die russische Zentralbank, die Milliardeninvestitionen in die Bundeswehr und die Frage, was passiert, wenn kein Gas mehr aus Russland strömt.

Sanktionen gegen die russische Zentralbank

Der russische Rubel stürzt zu Wochenbeginn um 20 Prozent, die Zentralbank in Moskau setzt ihren Leitzins von 9,5 Prozent auf 20 Prozent um mehr als das Doppelte nach oben, die russische Börse bleibt vorläufig komplett geschlossen und vor den Geldautomaten im ganzen Land bilden sich lange Menschenschlangen.

Kein Zweifel: Die Sanktionen gegen Russland zeigen bereits Wirkung. Vor allem eine Maßnahme des Westens dürfte selbst Russlands Präsidenten Wladimir Putin überrascht haben: Die Ankündigung, die russische Zentralbank von den Devisenreserven des Landes fernzuhalten und ihr damit die Möglichkeit zu nehmen, die Landeswährung Rubel zu stützen.

Damit rücken die USA, die EU und weitere Staaten wenige Tage nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine gegen Putins wirtschaftlich wichtigste Bastion vor: den Staatsschatz des Landes. Es ist ein Eingriff, der in der Geschichte bislang ohne Beispiel ist.

Rund 630 Milliarden Dollar an Devisen- und Goldreserven hat Russlands Zentralbank über die Jahre angehäuft. Ein Riesenvermögen, das Putin in den kommenden Monaten der zunehmenden wirtschaftlich Isolation dringend benötigen würde. Doch daraus soll nichts werden. Wie das funktionieren soll, hat unser Kollege Christoph Rottwilm recherchiert. 

Einen Überblick über alle bisher erlassenen Sanktionen können Sie hier lesen. Welche Wirtschaftszweige in Deutschland vom Krieg wie stark betroffen sind, haben wir hier zusammengestellt. Besonders besorgt sind übrigens die deutschen Maschinenbauer. Warum, erfahren Sie hier.

Wird entwaffnet: Russische Zentralbank in Moskau

Wird entwaffnet: Russische Zentralbank in Moskau

Foto:

Yuri Kochetkov/ dpa

Milliardeninvestitionen in die Bundeswehr

Der Krieg in der Ukraine hat jahrzehntelange Gewissheiten der Außenpolitik zerstört und zu einer Zeitenwende in der Rüstungspolitik geführt. 100 Milliarden Euro will Deutschland angesichts der neuen Bedrohung in die Bundeswehr stecken, mehr als zwei Prozent der Wirtschaftsleistung sollen künftig für Verteidigung ausgegeben werden. Konkret heißt das: Die Rüstungsausgaben müssen um 25 Prozent steigen.

Zu konkreten Beschaffungsprojekten wurden bislang noch keine offiziellen Angaben gemacht. Doch offenbar gibt es bei der Bundeswehr Probleme mit Fahrzeugen, Schiffen, Flugzeugen sowie bei der Munition und den Ersatzteilen. Auch vermeintliche Kleinigkeiten wie Funkgeräte, Kälteschutzanzüge oder Gehörschutz müssen beschafft und die Digitalisierung der Bundeswehr vorangetrieben werden.

An der Börse stiegen nach der Ankündigung jedenfalls die Kurse der Rüstungsfirmen kräftig. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema hat unser Kollege Helmut Reich zusammengestellt.

Was passiert, wenn kein Gas mehr aus Russland strömt?

Etwa die Hälfte des in Deutschland benötigten Erdgas kommt aus Russland. Ein gewaltiger Faustpfand Putins, der Deutschland lange von härteren Sanktionen abgehalten hat. Spätestens seit dem Wochenende ist klar: Deutschland muss und will seine Abhängigkeit vom russischen Erdgas drastisch verringern, im Extremfall sogar ganz auf das Erdgas aus Russland verzichten.

Wie kann das funktionieren? Erdgas-Lieferanten wie Norwegen (deckt rund 30 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs) oder die Niederlande (13 Prozent) werden die Lücke nicht schließen können, falls Russland ausfällt. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird noch einige Jahre dauern, eine Rückkehr zum Atomstrom ist politisch kaum durchsetzbar.

Der große Gewinner dürften die USA werden, die ihre Lieferungen an Flüssiggas (LNG) bereits drastisch erhöht haben - und gut daran verdienen. Unsere Kollegen Anna Driftschröer und Kai Lange haben sich angeschaut, wie die Karten im europäischen Energie-Monopoly neu verteilt werden.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine finden Sie auch in unserem Newsticker.

Meine Empfehlung für den Abend:

BMW-Chef Oliver Zipse, VW-Konzernchef Herbert Diess und Mercedes-Chef Ola Källenius

BMW-Chef Oliver Zipse, VW-Konzernchef Herbert Diess und Mercedes-Chef Ola Källenius

Foto:

Fotos: Julian Baumann für manager magazin, Daniel Delang für manager magazin, Simon Dawson / Bloomberg

  • Die Techwerdung der Automobilwelt nimmt Fahrt auf, doch die Bosse sind sich nur in einem einig: Neben der Batterietechnik wird die Software ihrer Fahrzeuge entscheidend für den Erfolg sein. Die neue, softwaredefinierte Autowelt ist aus Konsumentensicht schnell skizziert: Die Türen öffnen sich, sobald sich Fahrerinnen und Fahrer mit ihren Mobiltelefonen nähern. Wer einsteigt, kann sofort vernetzt arbeiten, Musik hören, am Computer spielen wie im Wohnzimmer. Das Auto regelt alles. Mit jedem Softwareupgrade wird es auch noch besser. Das klingt gut, doch die Realität ist mühselig. Unsere Kollegen Michael Freitag und Margret Hucko haben recherchiert, warum der Algorithmus für die goldene Zukunft für die Autobranche zum Quälcode gerät.

Herzlich, Ihr Oliver Hollenstein