Kai Lange

Der Donnerstag im Überblick Russlands Angriff und ein Börsensturz

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Russlands Angriff auf die Ukraine, dem Absturz der Börsen und einem Streit ums Erbe eines Patriarchen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat einen Angriffskrieg gegen den Nachbarn Ukraine begonnen. Der Kreml-Chef bricht damit Völkerrecht und brüskiert einmal mehr die Vereinten Nationen: Noch während der UN-Sicherheitsrat in der Nacht auf Donnerstag tagte, setzte Putin seine Panzer in Marsch. Und während viele ukrainische Bürger aus den Städten Kiew, Odessa oder Lviv fliehen, aktiviert die Nato ihre Verteidigungspläne für Osteuropa.

Putins Angriff auf die Ukraine sorgt weltweit für einen Kurssturz an den Börsen. Der Ölpreis klettert über die Marke von 100 US-Dollar, der Goldpreis steigt auf das höchste Niveau seit 13 Monaten. Der deutsche Leitindex Dax gab am Donnerstag zeitweise rund 5 Prozent nach, und auch der US-Leitindex Dow Jones tauchte ab. Seit Jahresbeginn hat der Dax inzwischen mehr als 12 Prozent an Wert verloren. Noch stärker sind die Auswirkungen in Russland selbst: Die Börse in Moskau brach allein am Donnerstag um mehr als 20 Prozent ein.

Anleger wissen: Die westliche Gemeinschaft wird mit harten Strafmaßnahmen auf Russlands Invasion reagieren, die die russische Wirtschaft ebenso treffen werden wie ihre westlichen Handelspartner. Zudem treibt der Sprung der Öl- und Gaspreise die Inflation an. Die Hoffnung, dass ein Krieg durch Diplomatie verhindert werde, hat sich durch den Alleingang des Kalten Kriegers im Kreml zerschlagen.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Sanktionen gegen Russland treffen auch westliche Unternehmen: Die internationale Gemeinschaft ist sich einig, dass harte Sanktionen gegen Russland nötig sind. Die freien Staaten nehmen in Kauf, dass darunter auch die eigene Wirtschaft leiden wird. Betroffen ist neben Energieversorgern wie Uniper und Konzernen wie BASF und Metro auch die europäische Autoindustrie. Das Autogeschäft in Russland lief zuletzt schon so schlecht, dass Porsches Russland-Chef Thomas Stärtzel "keine Anzeichen auf schnelle Besserung" sah. Nun könnten zusätzlich die neue Sanktionen die Werke der Autokonzerne treffen. Volkswagen stellt in Kaluga nahe Moskau die Modelle Tiguan und Polo her. Marktführer Renault bereitet sich mit seinem Joint Venture Avtovas bereits auf den Ernstfall vor.

  • Strafmaßnahmen gegen Nord Stream 2 haben auch Folgen für den deutschen Fußball: Matthias Warnig ist Geschäftsführer der Nord Stream 2 AG - und zugleich Mitglied im Aufsichtsrat des Fußballklubs Schalke 04. Wichtigster Sponsor des Vereins ist der russische Energiekonzern Gazprom. Wegen der russischen Invasion in der Ukraine haben die USA Strafmaßnahmen gegen die Nord Stream 2 AG und deren Chef Warnig angekündigt. Warnig hat deshalb sein Mandat im Schalker Aufsichtsrat niedergelegt. Zudem hat Schalke 04 beschlossen, künftig ohne den Namen Gazprom auf dem Trikot aufzulaufen. Und die Uefa hat entschieden, dass das Finale der Champions League nicht wie geplant im russischen Sankt Petersburg stattfinden wird.

  • Hanno Berger nach Deutschland ausgeliefert: Der Steueranwalt Hanno Berger gilt als einer der Architekten der Cum-Ex-Aktiendeals zulasten der Staatskasse. Der 71-jährige ehemalige Finanzbeamte wurde heute von den Schweizer Behörden an Kriminalbeamte des BKA in Konstanz übergeben. Der Strafprozess gegen Berger dürfte noch in diesem Jahr beginnen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Der Auto-Zulieferer Knorr-Bremse hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr auf 6,7 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn soll in diesem Jahr zweistellig steigen. Auch Knorr-Bremse ist in Russland aktiv und betreibt dort ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Lkw-Hersteller Kamaz. Trotz Russland-Krise blieb das Unternehmen heute bei seinem optimistischen Ausblick auf das Jahr.

    Unruhe herrscht eher hinter den Kulissen, denn dort geht der Streit um das Erbe von Knorr-Bremse-Patriarch Heinz Hermann Thiele weiter. Der gestern vor einem Jahr verstorbene Thiele hat ein großes Lebenswerk und eines der größten Vermögen hinterlassen, die je in Deutschland vererbt wurden. Ein Testament wurde zwar kurz nach seinem Tod eröffnet, der Nachlass soll in eine Familienstiftung eingebracht werden. Aber seither warten alle. Unsere Kollegen Angela Maier und Michael Freitag haben recherchiert, wie es bei Knorr Bremse weitergehen soll. Sie beschreiben einen Industriekonzern, dem Mitte und Tempo fehlen – weil eine Handvoll Menschen ganz eigene Interessen verfolgt.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Wie gehen wir mit Situationen um, die wir nicht beeinflussen können, die uns aber trotzdem nachhaltig sorgen? Wie begegnen wir Unsicherheiten und Unplanbarkeiten gelassen und handlungsfähig? Darum geht es im aktuellen Onlinekurs unserer Kollegen von manage › forward. In neun Modulen können Sie dort gemeinsam mit Executive Coach Karsten Drath eine persönliche Strategie für mehr mentale Stärke entwickeln. Der-Tag-Leser erhalten mit dem Code DERTAG50 50 Euro Rabatt. Hier gibt es weitere Informationen.

Herzlich, Ihr Kai Lange