Eva Buchhorn

Der Montag im Überblick Kriegsangst und elektrische Mantarochen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Börsenbeben und Pendeldiplomatie im Ukraine-Konflikt, einem Kurssturz bei Deutz und einem verrückten Fluggerät.

Die Angst vor einem Krieg in Europa bestimmte heute weiter das Wirtschaftsgeschehen. Bundeskanzler Olaf Scholz führte Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi und reist morgen weiter zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Im Hintergrund üben sich westliche Diplomaten in unermüdlicher Pendeldiplomatie. Und möglicherweise zeigt sich ein Hoffnungsschimmer, jedenfalls an der Börse: Marktteilnehmer deuteten eine Äußerung von Russlands Außenminister Sergej Lawrow als Entgegenkommen für westliche Positionen. Nach Absturz und wilder Achterbahnfahrt stabilisierten sich Europas Börsen am Nachmittag ein wenig.

Allerdings lässt das Muskelspiel der Rohstoffweltmacht Russland die Öl- und Gaspreise steigen. Der Ölpreis nahm heute Kurs auf die Marke von 100 Dollar - so viel kostete das Barrel zuletzt 2014.

Auf der Suche nach wirkungsvollen Sanktionen erwägt der Westen nun unter anderem den Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-System. Das wichtigste internationale Zahlungsnetzwerk kennt jeder Kontoinhaber als BIC-Code aus dem Überweisungsverkehr. Doch die SWIFT-Abkopplung ist tückisch: Der Handelsverkehr würde in beide Richtungen erschwert und die Sanktion könnte Russland noch stärker in die Arme Chinas treiben - beide Mächte basteln bereits an einem eigenen Zahlungsnetzwerk. Alle Pros und Contras zu SWIFT tragen wir deshalb hier für Sie zusammen.

Russisches Orakel: Außenminister Sergej Lawrow macht Andeutungen Weltpolitik

Russisches Orakel: Außenminister Sergej Lawrow macht Andeutungen Weltpolitik

Foto: Russian Foreign Ministry / imago images/ITAR-TASS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Krach bei Deutz: Ein Zwist zwischen Vorstand und Aufsichtsrat hat wochenlang den Motorenbauer Deutz lahmgelegt. Am Wochenende kam es zum Knall: CEO Frank Hiller muss das Unternehmen verlassen, Chefkontrolleur Bernd Bohr gab den Vorsitz ab. Die Anleger sind sauer, die im SDax-notierte Aktie verlor zwischenzeitlich über 13 Prozent. Wir haben den Konflikt exklusiv für Sie aufbereitet .

  • Maske bleibt: Bund und Länder wollen in den nächsten Wochen die wesentlichen Corona-Einschränkungen im öffentlichen Leben zurücknehmen. Das geht aus einem heute bekannt gewordenen Entwurf für die Beratungen von Kanzler und Ministerpräsidenten am kommenden Mittwoch hervor. Die Menschen sollen ab März wieder ohne Kontrollen in Geschäften einkaufen können, für Restaurants und Hotels sollen Tests reichen. Die Home-Office-Pflicht soll am 20. März fallen. Nur die Maske bleibt.

  • Rekordabsatz bei Chips: Alle reden von Lieferengpässen, und trotzdem: Für die internationale Chipindustrie war das abgelaufene Jahr ein Rekordjahr. Die Branche konnte ihre Umsätze um ein Viertel auf nie erreichte 555,9 Milliarden Dollar schrauben. Rund um den Globus nutzten Unternehmen die Corona-Pandemie zur weiteren Digitalisierung ihrer Prozesse. Die Nachfrage nach Halbleitern wird anhalten, schätzen die großen Hersteller. Intel, TSMC und Samsung Electronis bauen daher jetzt ihre Kapazitäten weiter aus.

Die Personalie des Tages:

  • Comeback für Lars Feld: Der ehemalige Wirtschaftsweise wird Berater von Bundesfinanzminister Christian Lindner. Der Ökonom wechselt allerdings nicht ins Ministerium, sondern bleibt unabhängig. Feld ist den Ordo-Liberalen zuzurechnen und drängt auf eine Stabilisierung der Staatsfinanzen. Sein Steckenpferd ist die Einhaltung der Schuldenbremse - und damit spricht er dem Finanzminister aus dem Herzen.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Wenn Sie Chef oder Chefin sind, dann treffen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Wochen zu einem speziellen Ritual: dem Jahresgespräch. Kluge bauen vor, damit das Ganze einen möglichst angenehmen Ausgang nimmt - man möchte ja zum Beispiel nicht feststellen, dass man sich gar nichts zu sagen hat. Unsere Kolleginnen vom Harvard Business Manager haben zusammengetragen, wie sich Führungskräfte auf die Gespräche vorbereiten können. Lesen Sie, was eine gute Gesprächsführung ausmacht, wie ein angemessenes Feedback aussieht und warum Sie auch auf Ihre Mimik und Gestik achten sollten - vor allem bei virtuellen Gesprächen: "Mitarbeitergespräche richtig führen." 

Mann mit Mut: Daniel Wiegand will mit Lilium die Luftfahrt revolutionieren

Mann mit Mut: Daniel Wiegand will mit Lilium die Luftfahrt revolutionieren

Foto:

Florian Generotzky für manager magazin

Unsere Empfehlung für den Abend:

  • Das Ding hat Ähnlichkeit mit einem Mantarochen, der sich einem Spacedesign-Styling unterzogen hat. Propeller und Triebwerke fehlen, statt dessen sorgt ein Arsenal von Minidüsen auf den Flügeln für den senkrechten Antrieb. Die Rede ist vom Lilium-Jet - das vollelektrische Kleinflugzeug wird derzeit in München entwickelt. Der Erfinder heißt Daniel Wiegand und ist ein eher nüchterner, aber von seiner Vision überzeugter Ingenieur. Für seine spektakulären Pläne hat er bereits eine Milliarde Wagniskapital eingeworben und seinem Startup die Unterstützung eines echten Schwergewichts der Luftfahrt gesichert: Ex-Airbus-CEO Tom Enders steht Wiegand als Chairman zur Seite.

Grund genug für meinen Kollegen Michael Machatschke, sich den jungen Tüftler mal anzusehen. Der Kollege ließ sich nicht blenden, seinem Porträt des Tech-Pioniers können Sie auch die Skepsis entnehmen, die Wiegand in seiner Szene teils noch entgegenschlägt: "Das Himmelfahrtsprojekt des Lilium-Gründers." 

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn