Oliver Hollenstein

Der Dienstag im Überblick Twitterkönig Elon Musk und Jobsharing im Vorstand

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit viel Skepsis bei Musks Twitter-Deal, Rekordgehältern für Berufsanfänger, überforderten Managern und der Digitalisierung des Eddings.

Der reichste Mann der Welt kauft eines der mächtigsten Kommunikationsmittel der Welt – und dabei geht es ihm nicht ums Geschäft. Am Montagabend deutscher Zeit hat Twitter den Plänen von Elon Musk zugestimmt, das Netzwerk für 44 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Der Deal wird nicht nur für etwa 300 Millionen Nutzer Folgen haben, sondern für Politik, Unternehmen, Medien. Denn Musk wäre nicht Musk, wenn er nicht große Pläne jenseits des Geldes verfolgen würde.

Der Chef von Tesla und SpaceX gehört auf Twitter bereits zu den meistbeachteten und aktivsten Nutzern. 83 Millionen Menschen verfolgen, was der Multimilliardär (laut "Forbes" verfügt er gegenwärtig über ein Vermögen von 265 Milliarden Dollar) dort verbreitet. Das ist nicht immer unumstritten. Im Gegenteil. Musk fiel schon regelmäßig durch Ausfälle und Beleidigungen auf.

Doch auch wenn Musk persönlich in seinem Mitteilungsdrang bisher wenig behindert wurde, treibt ihn offenbar die Sorge um die Meinungsfreiheit um – oder das, was er dafür hält. Der 50-Jährige stört sich daran, dass Twitter bestimmte Inhalte unterdrückt oder mit Warnhinweisen versieht, um Fake News, Lügen und Beleidigungen in den Griff zu bekommen.

Wie es nun weitergeht? Darüber gibt es noch mehr Spekulationen als Fakten, unser Kollege Christoph Rottwilm hat den Stand zusammengefasst. Klar ist schon jetzt: Das Geschäft stößt dies- und jenseits des Atlantiks auf Skepsis. "Dieser Deal ist gefährlich für unsere Demokratie. Milliardäre wie Elon Musk spielen nach anderen Regeln als alle anderen", twitterte die demokratische US-Senatorin Elizabeth Warren. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton betonte, Twitter müsse sich "vollständig an die europäischen Regeln anpassen." Dies gelte etwa beim Kampf gegen Online-Mobbing, Kinderpornografie oder Aufrufen zu Anschlägen.

Und die Twitter-Nutzer? Einige freuten sich, einige regten sich auf. Und viele taten das, was die meisten eben meistens auf Twitter tun: Memes, Witzchen und Albernheiten verbreiten. Heute über Twitter und Musk.

Alles meins: Tesla-Chef Elon Musk twittert gern

Alles meins: Tesla-Chef Elon Musk twittert gern

Foto: OLIVIER DOULIERY / AFP

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Deutschland will Ukraine Gepard-Panzer schicken: Die Bundesregierung will nun doch die Lieferung von Panzern aus Industriebeständen an die Ukraine ermöglichen. Der Rüstungshersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hat grünes Licht erhalten, um technisch aufgearbeitete "Gepard"-Flugabwehrpanzer aus früheren Beständen der Bundeswehr verkaufen zu können. Die mittlere zweistellige Zahl an Panzern stammt aus der aufgelösten Heeresflugabwehr der Bundeswehr.

  • Reederei Maersk wieder mit Rekordgewinn: Eingeschränkte Lieferketten, knappe Frachtkapazitäten – während andere fluchen, freuen sich die Reeder. Die dänische Riesen-Reederei Maersk konnte zu Jahresbeginn ihre Frachtraten noch einmal deutlich erhöhen und verbuchte im ersten Quartal einen Rekordgewinn. Wohlgemerkt, nachdem das Unternehmen schon im vergangenen Jahr so viel verdient hatte, wie kein dänisches Unternehmen zuvor.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Keine überzeugende Börsenstory: Suse-Chefin Melissa Di Donat

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Foto: Suse
  • Schwedische EQT sucht neue Investoren für Suse: Anhänger von Linux rühmen gerne die Zuverlässigkeit des Betriebssystems. Bei dem Nürnberger Linux-Spezialisten Suse hat dieses Attribut noch eine ganz andere Dimension: Das Unternehmen wechselt zuverlässig seinen Eigentümer. Demnächst könnte es wieder so weit sein. Die schwedische Private-Equity-Gesellschaft EQT sucht einen neuen Investor für Suse – und geht dabei nicht nach Lehrbuch vor. 

  • 175.000 Euro im Jahr für Berufsanfänger: Georg Linde verdient in der Stunde mehr als seine Oma im Monat Rente bekommt. Berufsanfängern zahlt der Partner der US-Großkanzlei Willkie Farr & Gallagher im ersten Jahr inzwischen ein Gehalt von 175.000 Euro. Unsere Kollegin Verena Töpper hat ihn gefragt, wieso das Geschäft der Wirtschaftsanwälte so gut läuft, warum er mit Geld um sich wirft – und was der Jurist dafür von jungen Kollegen verlangt. 

  • Manager können nicht alles machen: Viele Führungskräfte fühlen sich gestresst und überfordert, weil sich ihr Job radikal verändert. Sie sollen dienen statt anleiten, coachen statt kontrollieren. Oft aber können Chefs gar nicht alle Aufgaben bewältigen, die bei ihnen abgeladen werden. Unsere Kollegen vom Harvard Business manager haben sich ausführlich der Frage des Selbstmanagements für Führungskräfte gewidmet. Hier erklären sie, warum es Zeit ist, die Rolle des Managers neu zu definieren. 

Führungstandem: Die neuen Edding-Digitalvorstände Fränzi Kühne und Boontham Temaismithi

Führungstandem: Die neuen Edding-Digitalvorstände Fränzi Kühne und Boontham Temaismithi

Foto: edding
  • Edding gehört zu den Unternehmen, deren Markennamen zum Synonym für ihr Produkt geworden sind. Aber wie geht eine Stiftefirma mit der Digitalisierung um? Bei Edding in Ahrensburg bei Hamburg versuchen sie jedenfalls etwas Neues. Sie haben einen Digitalvorstand berufen, besser gesagt: zwei. Fränzi Kühne und Boontham Temaismithi, Mitgründer der Digitalagentur TLGG, sind seit März die Oberdigitalos des Mittelständlers. Dabei ist schon das eine Revolution: Jobsharing im Vorstand? Einen Mittelständler in Ahrensburg von Berlin aus führen? Unsere Kollegin Mirjam Hecking hat die beiden getroffen. 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Ihr Oliver Hollenstein