Eva Buchhorn

Der Donnerstag im Überblick Der Twitter-Coup des Elon Musk

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Übernahmeangebot für den Kurznachrichtendienst, Gewinnen in Wolfsburg und den Tücken der Scheinbeförderung.

Elon Musk und Twitter: Diese nahezu obsessive Beziehung geht jetzt in die nächste Runde. Der Gründer von Tesla und Space-X hat heute ein Angebot zum Kauf des Kurznachrichtendienstes abgegeben. Nehmen die Aktionäre das Angebot an, würde Musk insgesamt 41 Milliarden Dollar für das Netzwerk ausgeben. Die Offerte über 54,20 Dollar pro Aktie ließ den Twitter-Kurs zeitweise um 12 Prozent steigen. Seit vergangener Woche hält Musk bereits rund neun Prozent der Anteile. Nach der Übernahme will Musk Twitter von der Börse nehmen, wohl um ungestört durchregieren zu können.

Musk wäre der zweite Tech-Milliardär mit eigenem Medienunternehmen, seit Amazon-Gründer Jeff Bezos 2013 die Washington Post kaufte. Mit den etablierten Presse- und Rundfunkorganisationen ist Mister Tesla offenbar unzufrieden. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte er auf seinem Account eine Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov über den Grad des Vertrauens, den US-Bürger etablierten Medienmarken entgegenbringen. "Die Wahrheit", kommentierte Musk pathetisch, sei "das erste Opfer." Immer wieder postet er Aufrufe für mehr Redefreiheit. Kritiker fürchten, unter Musks Führung werde der Kanal Hassreden künftig weniger einschränken.

Elon Musk will sein Lieblingsmedium Twitter übernehmen

Elon Musk will sein Lieblingsmedium Twitter übernehmen

Foto: Hannibal Hanschke / AP

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • EZB vertagt Zinswende: Der Rat der Europäischen Zentralbank hält trotz hoher Inflation im Euroraum an seiner Nullzinspolitik fest. Immerhin sollen als Vorstufe einer Zinswende zunächst die milliardenschweren Anleihenkäufe auslaufen. Die Teuerung im Euroraum lag zuletzt mit 7,5 Prozent meilenweit über dem Zielwert der Währungshüter von 2,0 Prozent, doch im Gegensatz zur US-Notenbank hat die EZB den Leitzins noch nicht erhöht.

  • VW gewinnt: Der Volkswagen-Konzern hat im ersten Quartal einen stattlichen Gewinn eingefahren. Das operative Ergebnis belief sich nach vorläufigen Zahlen auf rund 8,5 Milliarden Euro. Das ist fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Das gute Ergebnis ist vor allem auf Bilanzeffekte und nicht auf steigende Absätze zurückzuführen. Denn VW liefert wegen fehlender Elektronikchips derzeit deutlich weniger Fahrzeuge aus. Allein im März ging der Absatz um ein Drittel zurück.

  • Kein Staatsgeld mehr für Hybride: Die Bundesregierung will Fahrzeuge mit einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor nur noch bis Ende 2022 bezuschussen. Das wurde heute aus dem Bundeswirtschaftsministerium bekannt. Der Schwerpunkt der Förderung soll aus Gründen des Klimaschutzes auf die Förderung rein elektrischer Modelle verlegt werden. Käufer und Käuferinnen von rein elektrisch betriebenen Elektrofahrzeugen bekommen aktuell bis zu 9000 Euro vom Staat. Bei Plug-in-Hybriden gibt es bis zu 6750 Euro. Verbraucher nehmen die Förderung immer besser an: Allein 2021 wurden rund 625.000 Anträge gestellt - das sind mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Sackgasse Scheinbeförderung: Ihr Arbeitgeber bietet Ihnen einen neuen, klangvollen Titel an? Das muss kein Grund zur Freude sein. Vor allem Frauen und People of Colour werden oft mit Alibi-Beförderungen abgespeist, hat die Diversity-Expertin Mita Mallick beobachtet. Erkennbar tricksen wollen Vorgesetzte zum Beispiel, wenn zum schillernden Titel keine Gehaltserhöhung kommt oder das Team über die vermeintliche Beförderung nicht informiert wird. Wie Sie sich gegen solche Ränkespiele wehren können, erfahren Sie im Harvard Business Manager und auf unserer Website: "Etwas Ehre, wenig dahinter." 

Meine Empfehlung für den Abend:

Krisenlotse: Kearney-Berater Christian Malorny glaubt an die Zukunft der Autozulieferer

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Foto:

Lena Giovanazzi

Wege aus der Zulieferkrise: Es läuft schlecht für die deutschen Automobilzulieferer. Technologiewandel, Chipkrise, Covid und jetzt noch steigende Rohstoffpreise - die Branche, eine traditionelle Stütze der deutschen Wirtschaft, findet aus dem Krisenmodus nicht mehr heraus. Überraschende Führungswechsel bei ZF Friedrichshafen, Mahle und Knorr-Bremse belegen die wachsende Unruhe in der Branche. In vielen Konzernen werden inzwischen sogar Jobs abgebaut.

Eine "dramatische Lage" zeichnet der Branchenkenner Christian Malorny im Gespräch mit unserem Kollegen Michael Freitag. Aber der Weltautochef der Beratung Kearney weist auch einen Ausweg. Er fordert die Unternehmen auf, die schwierige Phase für grundsätzliche Weichenstellungen zu nutzen, vor allem für den Aufbau einer Wachstumskultur. Vorständinnen und Vorstände müssen den ewigen Konflikt zwischen Bremsern und Erneuerern entscheiden - natürlich zugunsten der Erneuerer. Das ganze Gespräch finden Sie auf unserer Website .

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn