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Eva Buchhorn

Der Mittwoch im Überblick Der Siegeszug der Stretchhose

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Aufstieg einer Yoga-Marke, Rekordzahlen in der Luxusbranche und der Pleite eines Fintechs

Drei westliche Sportartikel-Größen kämpfen seit jeher um die Kundengunst: An Platz 1 steht Nike, gefolgt von Adidas und deutlichem Abstand Puma. Jetzt schickt sich - mal wieder - ein viertes Unternehmen an, den Großen ihren Rang streitig zu machen: Lululemon, ein Spezialist für Yoga-Bekleidung. Mit zuletzt 5,6 Milliarden Euro Umsatz hat das vor 24 Jahren in Kanada gegründete Unternehmen Puma schon beinahe eingeholt. An der Börse ist der Konzern aus Vancouver zeitweise mehr wert als Adidas.

Lululemon-Fans, vor allem Frauen, zahlen bis zu 100 Euro für ein Paar Stretchhosen. Die Marke bindet ihre Kundinnen durch kluges Community-Building. Lokale Botschafterinnen präsentieren die Kreationen in der Fitness-Szene, verkauft wird nur online und in eigenen Läden. Lululemon-CEO Calvin McDonald möchte das Markenimage voll kontrollieren - abgeschaut hat er sich das von Apple.

Der CEO fühlt sich inzwischen stark genug, Lululemon zur Weltmarke hochzujazzen und so neue Kursfantasien anzuheizen. Doch mit dem angepeilten Wachstum kommen die Herausforderungen: Die Marketingkosten werden gigantisch zunehmen, die Produktpalette muss ins klassische Sportgeschäft expandieren - und damit in den Vorgarten der Etablierten. An diesem Plan sind schon andere gescheitert, meint unser Kollege Christoph Nesshöver. Warum McDonald sich vorher besser noch einmal den Crash der einst ebenfalls umjubelten Marke Under Armour ansehen sollte, erzählt er heute auf manager-magazin.de  

Kundinnen-Versteher: CEO Calvin McDonald will mit der Yogamarke Lululemon in die Weltspitze vorstoßen

Kundinnen-Versteher: CEO Calvin McDonald will mit der Yogamarke Lululemon in die Weltspitze vorstoßen

Foto:

Cayce Clifford

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Tui im Aufwind: Der weltgrößte Reisekonzern blickt nach dem Reise-Boom dieses Sommers optimistisch in die Zukunft. Grund ist ein starkes Quartalsergebnis. Der Umsatz sprang bis Ende Juni von 650 Millionen im Vorjahr auf nun 4,4 Milliarden Euro. Wegen etlicher Flugausfälle in diesem Sommer schreibt Tui noch rote Zahlen. Bis Ende des Geschäftsjahres Ende September soll jedoch die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft sein.

  • Fintechs in Not: Die Berliner Krypto-Bank Nuri, die bereits vor Wochen die Gelder ihrer Kunden eingefroren hatte, ist Pleite. Das Fintech-Unternehmen hat heute mitgeteilt, dass es beim Amtsgericht Berlin einen Insolvenzantrag gestellt hat. Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund eine halbe Million Kunden. Die Nuri-Dienstleistungen, insbesondere die App, sollen weitergeführt werden. Unterdessen rutscht auch die größte US-Kryptobörse Coinbase in Probleme: Das Unternehmen meldete heute einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar für das zweite Quartal.

  • Musk reduziert bei Tesla: Tesla-Chef Elon Musk hat in den vergangenen Tagen Aktien des Autoherstellers im Wert von 6,9 Milliarden Dollar verkauft. Er besitzt nun nur noch knapp 15 Prozent der Anteile an dem von ihm gegründeten Elektromobilitäts-Pionier. Börsen-Insider werten die Verkäufe als Zeichen dafür, dass Musk doch noch gezwungen sein könnte, sein Angebot zur Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter in die Tat umzusetzen. Twitter klagt inzwischen auf den Abschluß der Transaktion.

  • US-Inflation sinkt: Die Teuerungsrate hat sich in den USA zuletzt abgeschwächt und liegt jetzt bei 8,5 Prozent. Das hat heute das US-Arbeitsministerium bekannt gegeben. Ursächlich ist vor allem der Rückgang der Benzinpreise. Experten bezweifeln, dass die geringere Rate die US-Notenbank zu einem verhaltenen Kurs bei den bereits angekündigten Zinserhörungen bewegen wird. Denn die Kerninflationsrate (ohne Energie und Lebensmittel) bleibt mit 5,9 Prozent stabil, zugleich steigen die Löhne und halten die Gesamtinflationsrate hoch.

Bad Governance: Der ehemalige CNN-Chef Jeff Zucker verschwieg eine Affäre mit einer Mitarbeiterin. Ein klares Beispiel für das Versagen von Kontrollregeln. Ex-Siemens-Managerin Janina Kugel fordert ein Update.

Bad Governance: Der ehemalige CNN-Chef Jeff Zucker verschwieg eine Affäre mit einer Mitarbeiterin. Ein klares Beispiel für das Versagen von Kontrollregeln. Ex-Siemens-Managerin Janina Kugel fordert ein Update.

Foto: MIKE COPPOLA/GETTYIMAGES / Getty Images for WarnerMedia

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Mehr Haltung: Über die Bedeutung von Corporate Governance wird viel zu selten gesprochen – und leider oft erst, wenn wieder etwas schiefläuft. Dieser Meinung ist unsere Kolumnistin Janina Kugel. Die ehemalige Personalvorständin von Siemens fordert bessere Kontrollmechanismen gegen manipulierte Bilanzen, gefälschte Gutachten, sexuelle Belästigung oder Überwachung am Arbeitsplatz. Sinnvoll, so Kugel, wäre eine weltweit einheitliche Definition oder gar ein einheitliches Verständnis darüber, was unter guter Unternehmensführung zu verstehen ist. Denn ohne globale Standards gehen die Regeln für gute Unternehmensführung nicht in die DNA der Konzerne über, argumentiert die Ex-Topmanagerin. Warum Kugel aufs Tempo drückt und sich mehr Unabhängigkeit in der Unternehmenskontrolle wünscht, erklärt sie heute auf manager-magazin.de

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn

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