Lukas Heiny

Der Tag im Überblick Love, Peace & Harmony

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Frieden bei Tönnies und Faber-Castell, Feuerwerk bei Biontech und Robinhood sowie der Commerzbank in der Schwabbelzone.

Es gibt so Tage, da kommt einem mit Blick auf die Welt eigentlich nur ein Song in den Sinn. Mein Soundtrack dieses Mittwochs stammt aus den 70er-Jahren, dargebracht vom schottisch-australischen Popsänger John Paul Young:

"Love is in the air, in the rising of the sun
Love is in the air, when the day is nearly done"

In Deutschlands Familienunternehmen scheint nämlich die Zeit der großen Friedensschlüsse angebrochen zu sein: Lauter Erbfehden, die uns über viele Jahre immer wieder beschäftigt haben, lösen sich in love, peace & harmony auf. Vor Wochen schon einigten sich die gnadenlos zerstrittenen Familien Haub (Tengelmann) und Oetker und legten ihre bis in alle Einzelheiten zelebrierten Streitereien bei. Nun folgt die gräfliche Bleistiftdynastie von Faber-Castell, die ihren Familienstreit beendet  – und selbst im Schlachterclan Tönnies wird das Hackebeil begraben.

Einschnitt: Die Gräfinnen Katharina, Victoria, Sarah (v. l.) und Stiefbruder Graf Charles von Faber-Castell wollen die Messer weglegen

Einschnitt: Die Gräfinnen Katharina, Victoria, Sarah (v. l.) und Stiefbruder Graf Charles von Faber-Castell wollen die Messer weglegen

Foto:

Friedrich; Jürgen / action press

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Im Schlachthaus Tönnies haben sich plötzlich wieder alle lieb. Der größte Fleischkonzern des Landes bleibt in Familienhand, denn so wie Robert, Clemens und Maximilian Tönnies kann man einen Gesellschafterstreit natürlich auch lösen: Sie belassen einfach alles, wie es ist. Ein Verkauf oder Teilverkauf, für den bekanntlich schon Investmentbanker engagiert waren, ist vom Tisch. Das "Zerrüttungsverfahren" vor Gericht ist beendet. Und sogar für die Schweine soll alles besser werden - man wolle sich künftig auf Nachhaltigkeit und Tierwohl spezialisieren. Um noch einmal ein Lied zu zitieren, diesmal von der deutschen Hiphop-Combo Fischmob aus den 90er-Jahren: "Selbst love, peace and harmony schocken ohne was im Magen nie."

  • Nach dem überraschenden Gewinn im ersten Quartal verbucht die Commerzbank für das zweite Jahresviertel wieder einen Verlust, vor allem wegen des teuren Konzernumbaus. Finanzchefin Bettina Orlopp musste 200 Millionen Euro abschreiben. Ob es für einen Gewinn am Ende des Jahres reicht? Dazu mein persönliches Zitat des Tages: "Das schwabbelt ziemlich um die Nulllinie herum, das kann positiv sein, das kann aber auch negativ sein." (O-Ton Bettina Orlopp)

  • Bei Hugo Boss hatte der neue Konzernchef Daniel Grieder seinen großen Auftritt. Er verkündete seine neue Strategie samt ambitioniertem Wachstumsziel und hohen Ausschüttungen für die Investoren. Dazu lege ich Ihnen gern noch einmal das Stück meines Kollegen Martin Mehringer ans Herz, der Grieder getroffen, begleitet und beschrieben hat: Der Masterplan des wohl ungewöhnlichsten Modemanagers der Welt. 

  • Der niedersächsischen Prothesenhersteller Ottobock, bei dem bekanntlich vor vier Jahren der schwedische Finanzinvestor EQT eingestiegen war, will Anfang kommenden Jahres an die Börse. Mehrere Investmentbanken sind mandatiert, das Unternehmen wird mit sechs Milliarden Euro bewertet. Es könnte also einer der größten Börsengänge Europas werden.

  • Und wo wir gerade über die Börse reden: Dort rissen sich die Investoren um die Aktien von Impfstoffherstellern. Die ohnehin schon hoch bewerteten Papiere von Biontech hoben ab, die von Moderna ebenfalls, US-Konkurrent Novavax erreichten ein Rekordhoch. Hintergrund sind Berichte über die bevorstehende reguläre Zulassung des Biontech-Impfstoffs in den USA. Außerdem konnten, wie Sie hier lesen können, gerade die mRNA-Hesteller in ihren Multimilliarden-Deals mit der EU-Kommission und der US-Regierung erhebliche Preiserhöhungen durchsetzen.

  • Und noch ein bemerkenswertes Phänomen vom Aktienmarkt: Die Tradingplattform Robinhood, die maßgeblich zum Hype der Kleinaktionäre beigetragen hat, profitiert nun selbst von ihnen. Nachdem der Börsengang des US-Unternehmens zunächst mäßig erfolgreich war, treiben die Retailinvestoren nun mit einem Social-Media-Feuerwerk den Kurs.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

"Geistiges Opium": Rollenspielerin am Stand von Tencent Games auf der Entertainment-Messe Chinajoy in Shanghai Ende Juli

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Foto:

ALY SONG / REUTERS

  • In China ist aktuell wenig love in the air. Alibaba, Didi, Meituan, Tencent - ein chinesischer Techkonzern nach dem anderen gerät unter staatlichen Druck. Aus Sorge um soziale Stabilität hebelt die Führung auch die Geschäftsmodelle der Vorzeigefirmen aus, mal direkt durch neue Regulierung, mal durch offene Drohungen, mal eher subtil über indirekte Hinweise. Nach den Fintechs erwischte es auch Onlinehändler und Lieferdienste, zuletzt die Gaming-Industrie. Fakt ist: Etliche der eben noch gefeierten Stars wie Jack Ma mussten sich dem System unterordnen, Investoren sind verunsichert. Die jüngsten Interventionen im Überblick.

  • Das Rennen um das Geschäft im Weltall wird ja bekanntlich von den reichsten und exzentrischsten Männern der Welt dominiert: Jeff Bezos, Richard Branson, Elon Musk. Doch auch in Deutschland gibt es Start-ups, die mitmischen. Nicht beim Thema Weltraumtourismus, aber mit Kleinsatelliten und anderem Fluggerät.

Was Sie inspirieren könnte:

  • "Zurück ins Büro? Nur wenn es sich lohnt, und nicht nur, weil Chefinnen und Chefs es gern sehen”, sagt Cawa Younosi. Der Personalvorstand von SAP Deutschland gehört zu den wichtigsten HR-Vordenkern des Landes – und ist kommenden Mittwoch zu Gast beim digitalen Live-Talk "Open House" meiner Kollegin Antonia Götsch vom Harvard Business manager. Sie wollen ausloten, wie Rückkehr ins Büro und hybrides Arbeiten gelingen können. Wir möchten Sie herzlich einladen, dabei zu sein. Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

Meine Empfehlung für den Abend:

Strenge Auslese: Der deutsche Wahl-Londoner Matthias Riechert – hier bei einem Fotoshooting extra für uns – hält in seinem Fonds nur rund ein Dutzend Aktien, von denen er wirklich überzeugt ist

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Foto:

David Vintiner für manager magazin

  • Die Anlagestrategen von Aktienfonds investieren meist in eine Vielzahl von Papieren. Richtig Rendite bringen aber nur die besten Ideen – der Rest stört eigentlich eher. Mit anderen Worten: Auf die Auswahl kommt es an. Wer auf die richtigen Topwetten setzt, schlägt den Markt. Hier liegt die wahre Leistung gemanagter Aktienfonds, hier können sie sich deutlich von den ETF und den Indizes unterscheiden. Mein Kollege Mark Böschen ist tief eingetaucht in die Welt der Fonds und hat – unterlegt mit sehr konkreten Empfehlungen – herausgearbeitet, worauf Anleger bei der Fondsauswahl achten müssen. 

Herzlich, Ihr Lukas Heiny (mit Ohrwurm)