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Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Machtwechsel bei Twitter und die Angst vor der China-App

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Rauswurf des Twitter-Managements, weniger Gewinn bei VW und der unheimlichen Macht von Bytedance.

Wahre Schockwellen zogen sich in dieser Woche durch die Welt des Internetkonzerne: Die Aktien von Mark Zuckerbergs Facebook-Unternehmen Meta rauschten nach desaströsen Quartalszahlen um 25 Prozent in den Keller, Microsoft und Alphabet enttäuschten ebenfalls und verloren deutlich an Börsenwert, bevor am Donnerstag auch Amazon die Investoren schockierte. Warum wir das hier noch einmal aufgreifen? Weil erst vor diesem Hintergrund der Siegeszug eines anderen Tech-Unternehmens richtig einzuordnen ist: Die Rede ist von Tiktok. Die unablässig Kurzfilmchen ausspielende App wird schon von rund einer Milliarde Menschen genutzt, die meisten sind Teenager. Hinter der App steht das Unternehmen Bytedance aus Peking, mit rund 300 Milliarden inzwischen das wertvollste Start-up der Welt – das eines der erfolgreichsten Produkte des chinesischen Staatskapitalismus vertreibt.

In den USA hat sich vor Jahren schon eine Debatte über den chinesischen Einfluss in Amerika entwickelt, ähnlich wie aktuell bei uns. Und während hier über Häfen, Auto- und Chemiefabriken debattiert wird, ging es in den USA immer auch um: Tiktok. Bytedance besitzt nämlich die aktuell mächtigsten Algorithmen der globalen Unterhaltungsindustrie und entwickelt sich zum Influencer der Superklasse – die Plattform hat das Zeug dazu, das Denken der Menschen zu beeinflussen. Der Erfolg sorgt Politiker und Aufsichtsbehörden und natürlich auch US-Tech-Größen wie Zuckerberg, die von Tiktok schon ungeniert abkupfern. Unsere Kollegin Mirjam Hecking ist tief eingetaucht in die Geheimnisse des Bytedance-Imperiums. Ihren Report finden Sie heute auf unserer Website: "Tiktok - die unheimliche Techmacht". 

Spaß-App: Junge Influencer setzen sich am liebsten über Tiktok in Szene

Spaß-App: Junge Influencer setzen sich am liebsten über Tiktok in Szene

Foto:

Philippe Lopez / AFP

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Elon Musk übernimmt bei Twitter: Die Ära von Elon Musk beim Kurznachrichtendienst Twitter hat mit der Entlassung mehrerer Topmanager begonnen. CEO Parag Agrawal und Finanzchef Ned Segal gehörten zu den ersten, umgehend geschassten Führungskräften, wie US-Medien übereinstimmend meldeten. Demnach will Musk neben der Leitung von Tesla und SpaceX vorerst auch bei Twitter selbst den Chefposten übernehmen. Sein Twitter-Profil ist schon eindeutig: Dort firmiert er als "Chief Twit".

  • Ober-Gewerkschafter kritisiert BASF: Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft IGBCE und BASF-Aufsichtsrat, Michael Vassiliadis, hat BASF-Chef Martin Brudermüller für seine Chinapolitik attackiert. Wenn BASF für die Standorte in Europa keine strategische Perspektive aufzeige, seien das weitere Antreiben der Expansionpläne für China nicht akzeptabel, sagte der Gewerkschaftsführer dem SPIEGEL. Verliere der Konzern Europa, könne das die BASF umbringen. manager magazin hatte bereits berichtet, dass die geplante Milliardeninvestition in China einen Kulturkampf bei BASF ausgelöst hat.

  • Volkswagen kappt die Prognose: Milliardenschwere Sonderabschreibungen auf das Roboauto-Start-up Argo AI, das Russland-Geschäft und den Porsche-Börsengang haben den Volkswagen-Konzern im dritten Quartal schwer belastet. Der Gewinn nach Zinsen und Steuern belief sich trotz gewachsener Absätze nur auf 2,13 Milliarden Euro. Wegen anhaltender Lieferkettenprobleme kappte CEO Oliver Blume zudem die Absatzprognose. Die Auslieferungen weltweit erwartet das Management jetzt nur noch auf Vorjahresniveau, also bei ungefähr 8,9 Millionen verkauften Fahrzeugen. Bisher stand noch ein Plus von 5 bis 10 Prozent in den Plänen.

  • Und – die Inflation steigt weiter: Im Oktober kletterte der Wert in Deutschland auf 10,4 Prozent. Im Monat zuvor lag er noch bei 10,0 Prozent.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Entzauberung des Zocker-Fintechs: Noch vor Kurzem riefen die Gründer des deutschen Milliarden-Fintechs Trade Republic die Revolution der Geldanlage aus. Jetzt versuchen sie, still und leise das Geschäftsmodell ihres Start-ups zu retten. Wie das gelingen soll und was das über die deutschen Fintechs insgesamt aussagt, darüber informiert unser aktueller Podcast "Das Thema": Zu hören heute auf manager-magazin.de

  • Milliardärs-Verarmung: Der Börsenabsturz etlicher Tech-Aktien hat in den vergangenen Tagen zumindest rechnerisch einige der reichsten Männer der Welt deutlich ärmer gemacht. Besonders hart traf es Amazon-Gründer Jeff Bezos: Sein Aktienvermögen verlor nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen an einem Abend 23 Milliarden Dollar an Wert. Immerhin: Bezos weiß Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als Leidensgenossen an seiner Seite: Das Vermögen des Meta-Chefs hat sich in den vergangenen 13 Monaten rechnerisch um 100 Milliarden Dollar dezimiert.

Die besten Originaltexte aus dem aktuellen "Economist":

  • Wie Apple sich von China löst: Die Debatte über die womöglich allzu engen Beziehungen zu China betreffen nicht nur Hamburger Hafenterminals oder BASF. Auch Apple-Chef Tim Cook, einst begeisterter China-Reisender, wendet sich inzwischen ab. Bislang war das Land der Kern von Apples globaler Produktionskette. Doch die Pandemie und die Geopolitik lassen Cook strategisch umsteuern. Die China-Affäre des iPhone-Herstellers endet. 

  • Die neue Industriepolitik der USA: Joe Biden hat mit seiner Politik die tiefgreifendste Reform der amerikanischen Wirtschaft seit Jahrzehnten angestoßen. Der Staat übernimmt – munitioniert mit Abermilliarden Steuergeld – eine aktive Rolle. Er nutzt die Industriepolitik, um Arbeitsplätze zu schaffen, Emissionen zu senken und die Produktion anzukurbeln. Kann das gutgehen? Die Economist-Analyse.  

Meine Empfehlung für den Abend:

Stopp, kein Stress hier: Der Umgang mit schwierigen Kollegen ist eine Kunst

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Foto: Srdjan Pavlovic / Getty Images
  • Kampfzone Büro: Was tun, wenn man der Zusammenarbeit mit als schwierig empfundenen Kollegen nicht ausweichen kann? Man sollte auf jeden Fall dafür sorgen, Streitigkeiten nicht weiter eskalieren zu lassen, rät US-Autorin Amy Gallo. Die Arbeitswelt-Expertin hat für den Harvard Business Manager sieben Strategien zusammengetragen, mit denen Sie auch in der Interaktion mit Stinkstiefeln, Cholerikern oder anderen unsympatischen Gesellen stets Ihre Souveränität bewahren. Zugegeben, es gehört ein bisschen innere Disziplin dazu, sich zum Beispiel Klatsch und Tratsch zu verkneifen. Oder anzuerkennen, dass die eigene Meinung immer nur eine von mehreren möglichen ist. Aber letztlich wollen Sie ja Ihre eigenen Ziele erreichen. Wie das in konfliktreichem Umfeld am besten funktioniert, lesen Sie heute auf manager-magazin.de  

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn

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