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Christoph Rottwilm

Der Dienstag im Überblick Kontrollverlust im Aktionärskreis und im A8

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Unternehmerfamilien im Alleingang, Fußmassagen im Audi und Flüchen im Internet.

Heute werfen wir ein Schlaglicht auf ein geradezu bizarres Phänomen in Corporate-Deutschland, das nur selten beleuchtet wird, das aber gewaltigen Einfluss auf den Gang der wirtschaftlichen Entwicklung hat: Die Neigung hiesiger Unternehmerfamilien, ihre Firmen in komplexe Rechtsstrukturen zu überführen, meist mit dem Ziel, sich selbst Macht und Einfluss zu sichern. Die Henkels, die Mercks, die Piechs, die Porsches und andere – die Liste der Sippschaften, die dieser Unart frönen, ist lang. Sie alle, so beschreibt es Kollege Dietmar Palan nach seiner eingehenden Recherche, haben es mit ungeheurer Energie und einem hohen Maß an juristischem Einfallsreichtum geschafft, andere Aktionäre wichtiger deutscher Unternehmen weitestgehend zu entmachten und von den Schaltstellen fernzuhalten.

Der Strauß an Mitteln, mit denen die Eignerfamilien dabei zu Werke gehen, ist bunt und breit gefächert. Da werden Testamentsvollstrecker eingesetzt, stimmrechtslose Aktien verteilt oder börsenfähige Kommanditgesellschaften konstruiert. Besonders beliebt ist die Gründung von Stiftungen, wie etwa im Falle von Thyssenkrupp oder Fresenius.

Die Folgen dieses Treibens sind mitunter fatal: Aus den betroffenen Unternehmen werden oft tönerne Riesen, so Kollege Palan, die Gefahr laufen, auf die Umbrüche einer sich rasant verändernden Welt zu langsam zu reagieren. Die Masse der Aktionäre bezahlt ihren Kontrollverlust daher nicht selten mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen und schwachem Verlauf des Aktienkurses. Einige besonders krasse Beispiele für solche Fehlentwicklungen finden sich ebenfalls in Dietmar Palans Stück auf manager-magazin.de .

Schlechtes Beispiel: Ursula Gather macht an der Spitze der Krupp-Stiftung eine eher unglückliche Figur

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Foto:

Rolf Vennenbernd / dpa / picture alliance

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Der Autozulieferer Continental hat überraschend schwache Quartalszahlen vorgelegt. Wegen hoher Kosten und zahlreichen Sondereffekten rutschte das Unternehmen im zweiten Quartal in die Verlustzone, mit einem Fehlbetrag von 251 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein dicker Gewinn zu Buche. Continental-Finanzchefin Katja Dürrfeld sprach im Zusammenhang mit den schwierigen Marktbedingungen zurzeit von einem "orkanartigen" Gegenwind für das Unternehmen.

  • Der Versicherer Munich Re bekommt die Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu spüren und veröffentlichte heute ebenfalls schwache Geschäftszahlen für das vergangene Quartal. Demnach brach der Nettogewinn des Unternehmens um 31 Prozent ein. Allein das Ergebnis aus dem Kapitalanlagegeschäft des weltgrößten Rückversicherers halbierte sich. Auch mit Währungsgewinnen, die das Unternehmen erzielte, konnte es die Einbußen nicht wesentlich schmälern.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Kürzlich berichteten wir bereits über die Pläne des chinesischen Autogiganten BYD, den europäischen Markt zu erobern – jetzt setzt der nächste Hersteller aus der Volksrepublik zum Sprung auf den alten Kontinent an: Das chinesische Unternehmen Great Wall Motor kündigt an, noch 2022 in Deutschland zu starten. Einen Vertriebspartner für das Vorhaben haben die Chinesen ebenfalls bereits gefunden: Great Wall Motor will mit der Emil-Frey-Gruppe aus der Schweiz zusammenarbeiten, einem der größten Autohändler Europas.

  • Als Kollegin Margret Hucko mit dem Audi A8 L 55 TFSI Quattro zur Testfahrt unterwegs war, bildeten sich da, wo sie auftauchte, regelmäßig Menschentrauben: Die Groß-Limousine, die 2,1 Tonnen wiegt und einen um 13 Zentimeter vergrößerten Radstand hat, hebt sich zum Ein- und Aussteigen leicht an und senkt sich wieder in die Normalhöhe, wenn die Fahrt weitergeht. Unterwegs bietet der A8 Luxus pur: Sitze mit viel Beinfreiheit und der Möglichkeit, komplett in die Horizontale zu wechseln, Netflix, Fußmassage, was will man mehr? Unangenehm wird es nur, wenn die Kinder die Kontrolle über das bordeigene Multimediaangebot übernehmen, wie Kollegin Hucko feststellen musste .

Luxus in Langversion: Der Audi A8 bietet Komfort bis zur Fußmassage

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Foto: PR

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Im Internet einfach mal die Sau rauslassen – das tun viele gern. Nicht nur auf sozialen Medien, auch beim Verfassen von Produkt- oder Service-Bewertungen nutzen zahlreiche User gern den Schutz der Anonymität, um einmal so richtig deutlich zu werden, Vulgärsprache und Schimpfwörter inklusive. Website-Betreiber wiederum sehen so etwas in der Regel nicht gern auf ihren Seiten. Doch eine neue Analyse zeigt: Andere Nutzer wissen es sehr zu schätzen, wenn in Kommentaren und Beurteilungen kein Blatt vor den Mund genommen wird. Wie die Kollegen vom Harvard Business manager berichten , haben diejenigen, die derartige Vulgärkommentare gelesen haben, hinterher oft sogar eine bessere Meinung vom Produkt.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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