Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Die Managementstars von der Bundeswehr

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Vertragsverlängerung für Martina Merz, neuen Schulden für Deutschland und einem Amt weniger für Gerhard Schröder.

Katharina Henschel ist 35 Jahre alt und Korvettenkapitänin bei der Bundeswehr. Für Soldatinnen und Soldaten wie sie hat sich die Öffentlichkeit lange kaum interessiert. Landesverteidigung – das war Nische. Doch seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine erlebt Deutschland das Comeback einer vergessenen Elite. Militärexperten sind auf allen Kanälen gefragt. Sie werden geschätzt für ihre klaren Analysen und ihre Managementkompetenz.

Grund genug für unsere Kollegin Sonja Banze, der Bundeswehr einen Besuch abzustatten. In der Führungsakademie in Hamburg-Nienstedten traf sie auf angehende Generäle und Mitglieder des Admiralstabs und machte sich ein Bild von der Ausbildung des Topführungsnachwuchses der Truppe.

Sie lernte: Um Befehl und Gehorsam geht es bei der Bundeswehr nur noch ganz am Ende. Viel wichtiger ist Führungskompetenz; die Bereitschaft, unter extremen Druck angemessene Entscheidungen zu treffen. Manche der jungen Militärs führen in jungen Jahren schon Kompanien von der Größe mittelständischer Unternehmen. Wie die Bundeswehr ihre besten Leute zu echten Anführern ausbildet und was Manager sich davon abschauen können, lesen Sie heute auf unserer Website: "Was Führungskräfte von Offizierstalenten lernen können."  

Jung und führungsstark: Bundeswehr-Korvettenkapitänin Katharina Henschel

Jung und führungsstark: Bundeswehr-Korvettenkapitänin Katharina Henschel

Foto:

Roman Pawlowski für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Merz verlängert bei Thyssenkrupp: Gekommen war sie als Frau für den Übergang, jetzt bleibt sie an der Spitze des Stahlherstellers. Thyssenkrupp-CEO Martina Merz hat einen neuen Vertrag unterschrieben, ihre zweite Amtszeit soll fünf Jahre dauern. Mit ersten Schritten zur Sanierung des Krisenkonzerns, etwa dem lukrativen Verkauf der Aufzugsparte, hat sie sich viel Ansehen erworben. Seither geht allerdings wenig voran. Als "Prima inter pares" der 100 einflussreichsten Frauen der Wirtschaft war Merz übrigens kürzlich zu Gast beim manager magazin - gemeinsam mit EZB-Chefin Christine Lagarde.

  • 9-Euro-Ticket kommt: Das Bahnticket mit dem Superrabatt startet am 1. Juni. Das Finanzierungsgesetz für die Sonderaktion der Deutschen Bahn passierte heute nach dem Bundestag auch den Bundesrat. Die Fahrkarte soll Autofahrer ermuntern, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen und Menschen entlasten, die inflationsbedingt weniger im Geldbeutel haben. Die Aktion soll bis Ende August laufen.

  • Koalition beschließt Milliardenverschuldung: Die Ampel-Koalition in Berlin will für ihr erstes volles Regierungsjahr knapp 140 Milliarden neue Schulden aufnehmen. Das geht aus dem vom Haushaltsausschuss heute vorgelegten Entwurf hervor. Geplant sind Ausgaben in Höhe von knapp 496 Milliarden Euro. Große Summen fließen in Entlastungen für Privathaushalte wegen steigender Energiekosten.

  • Gerhard Schröder verlässt Rosneft: Der wegen seiner Russland-Kontakte stark in die Kritik geratene SPD-Altkanzler Gerhard Schröder gibt seinen Posten im Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Rosneft auf, wie heute bekannt wurde. Das Europa-Parlament hatte gestern darauf gedrungen, Schröder auf die Sanktionsliste gegen russische Oligarchen zu nehmen, wenn er sich nicht von seinen umstrittenen Ämtern trenne. Unterdessen teilt das finnische Gasunternehmen Gasum mit, dass es von Russland voraussichtlich ab Samstag nicht mehr mit Gas beliefert werde. Der Lieferstopp erfolgt als Sanktion auf den von Finnland beantragten Nato-Beitritt.

Unter Rechtfertigungsdruck: SPD-Altkanzler Gerhard Schröder

Unter Rechtfertigungsdruck: SPD-Altkanzler Gerhard Schröder

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Kündigungen frühzeitig vorbeugen: Wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter kündigen, fallen Chefs oft aus allen Wolken. Vor allem, wenn sie die Begründung hören: "Ich fühlte mich nicht richtig wertgeschätzt." Die meisten Chefs, knietief in To-do-Teichen watend, kriegen vom Frust ihrer Leute schlicht nichts mit - ein klassisches Führungsproblem. Doch dem Verlust der besten Talente lässt sich vorbeugen. Coach Susan Peppercorn erläutert im Harvard Business Manager, wie man es macht. Mit fünf einfachen Fragen nämlich, die in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen gestellt werden sollten. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Die Krux mit der Vertrauensarbeitszeit: Haben Sie bislang ohne zeitliche Vorgaben gearbeitet? Damit könnte es bald vorbei sein. Der typische Arbeitsstil von Wissensarbeitern ist einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zufolge arbeitsrechtlich unzulässig. Denn er könnte zu viele unbezahlte Überstunden produzieren.

Das Urteil erging zwar bereits 2019 und wurde im Zuge der Pandemie zumindest in Deutschland schnell wieder vergessen. Doch es gilt weiter und wird die Arbeitswelt verändern, sagt der Arbeitsrechtler Michael Fuhlrott im Gespräch mit unserem Kollegen Florian Gontek. Die schöne alte kontrollfreie Zeit geht dem Ende zu, die "objektive, verlässliche und zugängliche" Arbeitszeiterfassung kommt. Mit anderen Worten: das EU-Gericht hat ein neues bürokratisches Monstrum geboren. Auf das eigentlich niemand Lust hat. Nicht einmal die deutsche Politik.

Das ganze Gespräch finden Sie heute auf unserer Website: "Die Vertrauensarbeitszeit ist nach diesem Urteil tot." 

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn