Lukas Heiny

manage:mobility Monsterbattle und irre E-Scooter

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Wie die deutschen Autobauer Tesla schlagen können.

  • Warum VW eine Pick-up-Marke gründet - und einen Software-Vorstand bekommt.

  • Wieviel Geld Cazoo verbrannt hat.

  • Und Profi-Rennfahrer auf E-Scootern.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Wer hat noch eine Chance gegen Godzilla Tesla?

Foto: Junji Kurokawa/ AP/dpa

Wie groß ist die Dominanz von Tesla in der Autoindustrie eigentlich wirklich? Klar, die Investoren sehen in ihrer Euphorie in Elon Musk (50) und seiner Firma die Zukunft. Nicht umsonst ist Tesla an der Börse mehr als 780 Milliarden Euro wert. Aber ist das gerechtfertigt? Und was bedeutet das für die deutschen Rivalen? Mein Kollege Michael Freitag hat dieses Fragen mit den beiden renommierten Topberatern Ralf Kalmbach und Steffen Gänzle von Bain & Company diskutiert. Die beschwören vor allem ein Duell zwischen Tesla und Apple, das an Godzilla versus King Kong erinnert und eine Frage aufwirft: Bleibt Volkswagen, BMW und Mercedes am Ende nur die Kapitulation? Nein, sagen die beiden Profis und analysieren: "Tesla ist schlagbar." 

Köpfe: Gilian Tans ++ Thomas Ulbrich ++ Florian Huettl ++ Katja Dürrfeld

Reisebegleiterin: Die frühere Booking-CEO Gillian Tans ist selbst auch bei VanMoof investiert

Reisebegleiterin: Die frühere Booking-CEO Gillian Tans ist selbst auch bei VanMoof investiert

Foto: imago stock / imago images/IP3press
  • Gillian Tans (51), Ex-Chefin der Digitalplattform Booking.com, ist jetzt Präsidentin  des niederländischen Elektrofahrradherstellers VanMoof.

  • Thomas Ulbrich (56) soll im VW-Vorstand eine neue Rolle bekommen. Der bisherige Entwicklungschef der Kernmarke des Autogiganten werde sich künftig um die Software kümmern, bestätigten Beteiligte meinem Kollegen Michael Freitag. Software ist angesichts diverser Probleme bei der Tochter Cariad aktuell offenbar die wichtigere Aufgabe. Ulbrich soll mit einer Truppe VW-Spezialisten dafür sorgen, dass die verspätete Software-Architektur E3 2.0 pünktlich fertig wird - und damit VWs Vorzeigeprojekt "Trinity".

  • Florian Huettl (45), seit Kurzem überhaupt erst im Konzern, wird ab Juni neuer Opel-Chef. Sein Vorgänger Uwe Hochgeschurtz (59) soll nach nur neun Monaten im Amt das Stellantis-Europageschäft führen.

  • Björn Scheib (51), langjähriger Investor-Relations-Chef bei Daimler und zuletzt Börsenbegleiter für die Flugtaxi-Firma Lilium, heuert als IR-Chef  bei Porsche an. Man macht sich so langsam parketttauglich.

  • Katja Dürrfeld (49), seit ein paar Monaten Finanzchefin bei Continental, blickt auf ein mieses Quartal zurück. Vor allem das Automotive-Geschäft sackte wegen Lieferproblemen und Rohstoffpreisexplosion tief in die roten Zahlen. Nun will sie möglichst viel der kalkulierten 3,5 Milliarden Euro Zusatzkosten in diesem Jahr an die Autokonzerne weitergeben.

Unternehmen: Cazoo ++ Volkswagen ++ Northvolt ++ Renault ++ Tesla ++ Vulcan Energy

Gebrauchtwagenhändler: Cazoo-CEO Alex Chesterman ist mit einem britischen Netflix-Verschnitt ("LoveFilm") und einem Immobilienportal reich geworden

Gebrauchtwagenhändler: Cazoo-CEO Alex Chesterman ist mit einem britischen Netflix-Verschnitt ("LoveFilm") und einem Immobilienportal reich geworden

Foto: Tom Stockill / Cazoo
  • Alex Chesterman (52) ist die britische Antwort auf Auto-1-Chef Christian Bertermann (38). Der Gründer und Großaktionär hat seine erst 2019 gegründete Plattform Cazoo zwar bereits an die Börse gebracht, bislang aber nur gigantische Verluste angehäuft – was seine Pläne nicht schmälert, wie unser neuer Kollege Christoph Seyerlein beschreibt (willkommen im Team!). Um seine Marke bekannt zu machen, setzt Chesterman auf die wohl teuerste Marketingmasche: Sport-Sponsoring. Neben Pferderennen, Billard, Rugby und Darts ziert der Firmenname bald die Trikots von Fußballteams in ganz Europa, auch in der Bundesliga. Frische SEC-Dokumente freilich offenbaren: ganz schön teuer, das alles. Oder im O-Ton: "Wir können nicht garantieren, dass wir überhaupt Gewinne erzielen werden."

  • Mit einer neuen, eigenständigen Marke will Volkswagen das hochlukrative US-Geschäft mit elektrischen Pick-up-Trucks aufmischen. "Scout" hieß in den 70ern schon einmal ein SUV, nun darf Vorstandschef Herbert Diess (63) investieren. Sogar ein Börsengang scheint später möglich. Durch die Elektrifizierung werde der Markt, bislang fest in Händen von Ford und General Motors, neu verteilt. Es sei eine "historische Chance", so Diess. Es ist ein Angriff auf Teslas Cybertruck, auf Rivian und den F-150 Lightning.

  • Im grünen Heide/Schleswig-Holstein (nicht zu verwechseln mit Grünheide/Brandenburg) will das schwedische Unternehmen Northvolt bekanntlich eine Batteriezellfabrik bauen. Jetzt ist klar: Der deutsche Staat fördert das 4,5-Milliarden-Euro-Projekt mit 155 Millionen Euro. Baustart ist fürs zweite Halbjahr 2023 geplant, Produktionsbeginn für 2025.

  • Renault-Chef Luca De Meo (54) bindet sich stärker an den chinesischen Autobauer Geely. In China wollen die beiden ohnehin stärker kooperieren, nun verkaufen die Franzosen auch ein Teil ihres Korea-Geschäfts, um künftig dort mit gemeinsam entwickelten Autos gegen Hyundai anzutreten. Gleichzeitg, auch das ist Teil des De-Meo-Plans, will Renault sein Mobilitätsgeschäft ausbauen und bis Ende des Jahrzehnts ein Fünftel des Umsatzes mit Carsharing, Finanzdiensten und anderem machen.

  • Vor welchem Elektro-Start-up er eigentlich Angst habe, wurde Tesla-Chef Elon Musk (50) in dieser Woche von den Kollegen der "Financial Times" gefragt. Nun, den meisten Fortschritt neben Tesla mache: Volkswagen. Die seien zwar kein Start-up, aber aus Elektroperspektive irgendwie schon. Musks ganzen Auftritt – erstmals war er gemeinsam mit Tesla-Mitgründer JB Straubel (46) auf einer Bühne und plauderte fröhlich über die Anfänge der Firma – können Sie hier im Video anschauen .

  • Lieferengpässe und Preissprünge haben Batteriematerialien wie Lithium zur heißen Ware werden lassen. Etliche Autohersteller denken bereits über Beteiligungen an Minenprojekten nach oder lassen schon graben. Horst Kreuter (65), Co-Gründer von Vulcan Energy, will auch in Deutschland nach dem Stoff suchen. Ab 2025 will er bereits 40.000 Tonnen pro Jahr fördern – wenn denn alles klappt. Meine Kollegin Eva Müller beschreibt die Goldgräberstimmung .

Neue Mobilität: E-Scooter ++ Eve ++ Fernride

10 Teams, 30 Fahrer, 6 Rennen: Am Wochenende startet das Spektakel namens "eSkootr Championship"

10 Teams, 30 Fahrer, 6 Rennen: Am Wochenende startet das Spektakel namens "eSkootr Championship"

Foto: PR
  • Mit mehr als 100 Stundenkilometern auf einem E-Scooter durch die Gegend zu heizen – das ist irre. Vielleicht so irre, dass sich damit Geld verdienen lässt. Dachten sich zumindest Hrag Sarkissian (35) und Khalil Beschir (39). An diesem Wochenende startet ihre neue Racing-Serie in London. Und mit dabei sind Models, Formel-1-Fahrer und ehemalige Box-Weltmeister. Als Rennstallbesitzer etwa hat sich Rennfahrer Nico Hülkenberg (34) eingekauft. Mein Kollege Christoph Seyerlein hat mit Beteiligten gesprochen. Ihre Ambitionen in der ersten Saison klingen ähnlich irre wie die 100 km/h: 380 Millionen Zuschauer weltweit an den Bildschirmen. Kein Wunder, dass Hülkenberg auf eine "Business-Gelegenheit" hofft. Fast Money, sozusagen.

  • Einer geht noch. Trotz aktueller Börsenturbulenzen, trotz der großen Spac-Desillusion und all der kritischen Investoren, die irgendwie das Vertrauen in Flugtaxi-Firmen verloren haben – seit diesem Dienstag ist auch Eve an der New Yorker Börse notiert. Die von Embraer (Flugzeuge) und BAE Systems (Rüstung) gestützte Firma schaffte es per Spac-Manöver und einer Bewertung jenseits der zwei Milliarden Dollar an die Wall Street. Die Versprechungen: schimmern golden. Der Kurs: noch stabil.

  • Das Münchner Start-up Fernride verspricht eine Abkürzung zum Robo-Lkw. Volle Autonomie sei überbewertet, viel schneller Geld lasse sich mit der Fernsteuerung machen: Die Trucks würden wie an der Playstation über Gamepad und Bildschirm gelenkt. Nun heuern gleich mehrere Topmanager von BMW und Argo AI bei der Firma an – das Start-up wildert bei den Großen.

Deep Drive: Tauchgang der Woche

In seiner Karriere als Vorstand bei Volkswagen und Daimler sowie als CEO von Traton hatte Andreas Renschler (64) es häufig mit Lkw zu tun. Nun hat er ein Buch geschrieben . Nicht wie Drogerie-Patron Dirk Roßmann (75) einen Oktopus-Krimi, sondern ein Werk mit dem nüchternen Titel: "Die Zukunft des Nutzfahrzeugs in Zeiten der Transformation". Mein Kollege Michael Freitag hat es gelesen - und musste sich an jedem Kapitelende Testfragen stellen. Ob er bestanden hat? Bleibt geheim.

Zahl der Woche: 214,4 Millionen

Für so viele (oder eher: wenige) US-Dollar verkaufte der US-Autobauer Ford einen Teil seiner Rivian-Aktien. Gleich nachdem am Sonntag die Mindesthaltefrist nach dem Börsengang im vergangenen Herbst abgelaufen war, stieß der Konzern 8 Millionen Papiere  ab. Sie hatten Ford durch den erheblichen Kurseinbruch im ersten Quartal in die Verlustzone gedrückt. Die anderen Investoren fanden das so mittel. Der Rivian-Kurs ist seit vergangener Woche nochmals um ein Drittel abgesackt. Daimler machte es übrigens 2014 ähnlich - und verkaufte seine Tesla-Aktien für rund 600 Millionen Euro. Die wären heute gut 10 Milliarden wert.

Geisterfahrer der Woche

Große Bühne: Nio-Chef William Li bei der Vorstellung des ET7

Große Bühne: Nio-Chef William Li bei der Vorstellung des ET7

Foto: Sun Yilei / REUTERS

Nach New York und Hongkong wird der chinesische Elektroautobauer Nio ab kommender Woche auch an der Börse in Singapur gelistet. Man sei damit der erste Elektroautobauer weltweit , der an drei Handelsplätzen notiert sei, verkündete das Unternehmen. Doch, ach, aus drei wird womöglich bald wieder zwei. Denn wie auch anderen chinesischen Konzernen droht Nio an der Wall Street der Ausschluss, sollte der Autobauer bestimmten Transparenzpflichten nicht nachkommen wollen oder können. Immerhin: Der Börsenwert beträgt aktuell gut 20 Milliarden US-Dollar – und muss nicht durch drei geteilt werden.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny