Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit Autoaktien unter Strom

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Berater, der sich um Rohstoffe sorgt, übertriebenen Sorgen um Astrazeneca sowie besorgniserregenden Turbulenzen am türkischen Finanzmarkt.

Heute beschäftigt uns einmal mehr der Megatrend zur Elektromobilität. Nicht nur die jüngsten Zulassungszahlen vom Fahrzeugmarkt zeigen, dass dieses Thema nun wirklich Fahrt aufnimmt. Die Entwicklung an der Börse belegt das ebenfalls. Gehörte das vergangene Jahr am Aktienmarkt dem kalifornischen Vorreiter Tesla, der binnen zwölf Monaten seinen Marktwert nicht weniger als verzehnfacht hat, so zieht nun der Rest der globalen Autoindustrie nach. Volkswagen, General Motors und so gut wie alle anderen Hersteller wetteifern darum, wer den entschiedendsten und überzeugendsten Plan für den Weg in die elektromobile Zukunft hat. Gerade heute zum Beispiel kündigte die VW-Tochter Traton an, ihre Investitionen in Elektro-Lkw deutlich aufzustocken. Investorinnen und Investoren honorieren das inzwischen: Autoaktien aus der Old Economy sind an der Börse plötzlich gefragt - während die Papiere von Tesla seit Jahresanfang schwächeln.

Eine andere Perspektive auf den Wandel der Autobranche eröffnet Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger. Er sorgt sich um die erforderliche Ausstattung der angekündigten Mengen an Elektroautos mit Batterien - und er fragt sich, woher all die Rohstoffe kommen sollen, die für den Bau dieser Fahrzeuge und Batteriezellen erforderlich sind. Schon jetzt steigen die Preise beispielsweise für Kupfer und Lithium, dabei befindet sich die Entwicklung erst am Anfang. Setzt sich die Elektromobilität so durch wie von den Herstellern avisiert, dann werden wir enorme zusätzliche Mengen benötigen, was schwierig werden dürfte, sagt Bernhart im Interview mit meinem Kollegen Michael Freitag. Hier können Sie es lesen.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Künftiger Bafin-Chef: Mark Branson von der Schweizer Finma

Künftiger Bafin-Chef: Mark Branson von der Schweizer Finma

Foto: Peter Klaunzer / KEYSTONE/dpa
  • ... sind heute im Wesentlichen Personalien des Tages. Davon die erste: Felix Hufeld, wir erinnern uns, gehört zu den prominenten Köpfen, die im Zuge des Wirecard-Skandals ihren Job verloren. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte Ende Januar den Daumen über Hufeld gesenkt und dessen Ende an der Spitze der Finanzaufsicht Bafin damit eingeleitet. Heute wurde nun publik: Stattdessen soll Mitte des Jahres Mark Branson, bisher Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, auf den Chefposten der deutschen Behörde wechseln.

  • Die zweite Personalie des Tages stammt eigentlich schon vom Wochenende, entfaltete ihre Wirkung aber erst heute so richtig: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat Naci Ağbal, bisher Chef der Notenbank des Landes, nach einer weiteren Zinserhöhung rausgeworfen. Den Posten übernimmt der linientreue Wirtschaftsprofessor Sahap Kavcioglu. Türkische Lira sowie Aktien- und Anleihenkurse in dem Land gingen daraufhin auf Talfahrt.

  • Die renommierte Werberin Karen Heumann, Gründerin und Vorstandssprecherin der Hamburger Werbeagentur Thjnk, sitzt seit 2016 im Aufsichtsrat der Heidelberger Druckmaschinen AG - aber nicht mehr lange. Auf der Heideldruck-Hauptversammlung Ende Juli wird sich Heumann nicht zur Wiederwahl stellen, berichtet mein Kollege Thomas Werres .

  • Und schließllich noch ein prominenter Abgang an der Wall Street: Leon Black, Mitgründer der Private-Equity-Firma Apollo, hatte seinen Rückzug bereits angekündigt. Nun geht es schneller, Black gibt alle Posten sofort ab.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Spätestens seit dem vorübergehenden Impfstopp vor einigen Tagen ist das Misstrauen in Deutschland gegen den Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca groß. Einer neuen Studie zufolge sind die Sorgen jedoch unbegründet: Demnach schließt das Astrazeneca-Vakzin schwere Krankheitsverläufe praktisch aus. Insgesamt, so die Untersuchung, beträgt die Wirksamkeit 79 Prozent.

Meine Empfehlung für den Abend:

Ermittler im Nacken: Provinzial-Chef Wolfgang Breuer

Ermittler im Nacken: Provinzial-Chef Wolfgang Breuer

Foto: Provinzial NordWest / Provinzial NordWest Holding AG
  • Geht es einem Protagonisten der Führungselite in Deutschlands Wirtschaft juristisch an den Kragen, so - das wissen wir aus der Klickstatistik - stößt das bei Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, in der Regel auf besonderes Interesse. Insofern habe ich heute zum Schluss noch ein kleines Schmankerl für Sie: Hauptdarsteller ist diesmal Wolfgang Breuer, Chef der frisch fusionierten Sparkassenversicherer aus Münster (Provinzial Nordwest) und Düsseldorf (Provinzial Rheinland). Den Ärger, der Breuer jetzt einholt, hätte er sich schon vor Jahren vom Hals schaffen können, aber die Chance hat er verpasst. Drei Dutzend Mitarbeiter soll die Provinzial-IT in den Jahren vor 2019 womöglich als Scheinselbstständige beschäftigt haben. Folge: Das Unternehmen könnte unzulässigerweise einen Millionenbetrag an Steuern und Sozialabgaben gespart haben - jetzt ermitteln Zoll und Strafverfolger, wie Kollege Dietmar Palan hier ausführlich berichtet .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm