Marleen Gründel

Der Donnerstag im Überblick Teslas Versagen und Volkswagens Wagnis

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Teslas Versagen beim autonomen Fahren, Volkswagens Wagnis bei der Formel 1 und dem Comeback der Wechselbatterie.

Elon Musk ist bekannt für seine großen Visionen – und Übertreibungen. Seit 2016 verspricht der Tesla-Chef seinen Kunden und Investoren regelmäßig, dass seine Elektroautos bald vollautonom fahren können, ohne menschliches Eingreifen. Das wäre der sogenannte Level-5-Standard, die höchste Stufe autonomen Fahrens.

Bisher hat Musk seine Versprechen allerdings nicht halten können. Nach sechs Jahren warmer Worte erinnern die bisherigen Funktionen gerade einmal an ein normales Fahrassistenzsystem der Stufe 2. Die Fahrerin oder der Fahrer müssen das System also permanent überwachen. Und selbst dabei liegt Tesla technisch hinter Konkurrenten wie Volkswagen, Mercedes-Benz oder General Motors.

Pikant dabei: Die Robo-Vision ist ein wesentlicher Treiber der Billionenbewertung des Unternehmens an der Börse. Unser Kollege Jonas Rest hat recherchiert, woran es bei der Technik hapert und warum nun auch bei den Behörden die Skepsis wächst: Teslas Autopilot-Fiasko .

Verheerender Crash mit Autopilot: Im Jahr 2018 starb ein Tesla-Fahrer in Mountain View – er hatte sich auf Teslas Fahrassistenzsystem verlassen

Verheerender Crash mit Autopilot: Im Jahr 2018 starb ein Tesla-Fahrer in Mountain View – er hatte sich auf Teslas Fahrassistenzsystem verlassen

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- / picture alliance / KTVU / dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Volkswagen goes Formel 1: Der Einstieg von Porsche und Audi in die Formel 1 rückt näher. Nach Informationen des manager magazins wird der Aufsichtsrat von Volkswagen dem Vorhaben bereits am kommenden Donnerstag zustimmen. Die endgültige Entscheidung hänge aber noch von Regeländerungen des Dachverbands FIA ab, heißt es aus Kreisen des Kontrollgremiums. Die Partner stehen offenbar auch schon fest. manager magazin hatte bereits vor einigen Monaten ausführlich über entsprechende Pläne der Volkswagen-Töchter berichtet. Den Text über Volkswagens Doppelangriff auf die Formel 1 können Sie hier noch einmal nachlesen .

  • Schenker rettet Deutsche Bahn: Die Logistiktochter der Deutschen Bahn erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 23 Milliarden Euro. Dadurch konnte der Mutterkonzern seine Verluste auf 900 Millionen Euro reduzieren – nach 5,7 Milliarden Euro im Corona-Jahr 2020. Der Umsatz der Deutschen Bahn kletterte mit 47 Milliarden Euro ebenfalls auf ein Rekordhoch. Bahn-Chef Richard Lutz gibt nun sich optimistisch: "Wir wollen ab 2022 wieder operativ schwarze Zahlen schreiben". Einen Nachfolger von Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hat Lutz unterdessen noch immer nicht verkündet. Hinter den Kulissen wird heftig über die Personalie gestritten.

  • Razzia bei Gazprom: Ermittler der EU-Kommission haben nach Vorwürfen gegen den russischen Energiekonzern Gazprom mehrere Unternehmen in Deutschland durchsucht. Sie sollen ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht haben. Die EU-Kommission untersucht angesichts gestiegener Energiepreise seit Monaten mögliche Manipulationen und Spekulationen auf dem Gasmarkt.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Unbehelligte Oligarchen: Wladimir Potanin und Leonid Mikhelson sind die beiden reichsten Russen und erfreuen sich bester Beziehungen zum Kreml. Trotzdem sind beide bisher von westlichen Sanktionen verschont geblieben, ebenso wie acht weitere der 20 reichsten Russen. Ihr Vorteil: Den Männern gehören Unternehmen aus versorgungskritischen Branchen, sie handeln beispielsweise mit Öl, Nickel oder Palladium. Die USA, die EU und Großbritannien wollen zwar den Druck auf das Putin-Regime erhöhen – die Schäden für die eigene Volkswirtschaft sollen aber bitteschön so gering wie möglich bleiben.

  • Zwei Compliance-Welten bei der Deutschen Bank: Der Aufsichtsrat zeigt sich zufrieden, die Vorstände der Deutschen Bank haben seiner Meinung nach im vergangenen Jahr sauber gearbeitet. Entsprechend hoch fielen die Boni aus. Doch offenbar ist das Kontrollgremium leichter zufriedenzustellen als die Regulierer in Deutschland und den USA. Die haben beschlossen, dass ihre Aufpasser die Bank weiterhin ganz genau beobachten sollen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei Compliance-Chef Pascal Tagné. Der hat offenbar Vorwürfe gegen den Chef der Fondsgesellschaft DWS, Asoka Wöhrmann, nicht grundlegend genug aufgeklärt . Wöhrmann soll bei der Tochter der Deutschen Bank Geschäftliches nicht nur über seinen privaten E-Mail-Account, sondern auch per Whatsapp kommuniziert haben.

Meine Empfehlung für den Abend:

Kind of Change: Der junge, chinesische Autobauer Nio betreibt bereits rund 900 Batteriewechsel-Stationen, die vollautomatisch die Zellen tauschen. Hier in einem Parkhaus in Shanghai.

Kind of Change: Der junge, chinesische Autobauer Nio betreibt bereits rund 900 Batteriewechsel-Stationen, die vollautomatisch die Zellen tauschen. Hier in einem Parkhaus in Shanghai.

Foto: Qilai Shen/Bloomberg via Getty Images
  • Leere Batteriezellen von Elektroautos wechseln, statt sie zu laden? Das haben der damalige SAP-Manager Shai Agassi und Tesla-Chef Elon Musk schon vor Jahren vorgeschlagen. Die Idee wurde verworfen. Nun erlebt sie allerdings ein politisch gestütztes Revival – ausgerechnet in China, dem größten Automarkt der Welt. Dort fahren diverse Modelle mit austauschbaren Batterien. Schon jetzt gibt es 1400 Wechselstationen im ganzen Land, bis 2025 sollen insgesamt 24.000 Stationen errichtet werden. Elektroautobesitzer können dort in 180 Sekunden vollautomatisch die Batterie tauschen – so schnell lädt kein E-Auto. Unser Kollege Lukas Heiny hat sich näher angeschaut, warum Peking die Technologie forciert und wer die industriellen Treiber dahinter sind.

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel