Christoph Seyerlein

manage:mobility Bot und die Erschaffung Teslas

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Wie automatisierte Twitter-Fanbots Tesla pushten.

  • Warum Audi die Personalchefin auswechselt.

  • Und das Flehen um ein Verbrennerverbot ab 2035.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Wie Tesla von einer Bot-Armada profitiert

Bot bless the king: Tesla-Chef Elon Musk

Bot bless the king: Tesla-Chef Elon Musk

Foto: FREDERIC J. BROWN / AFP

An Teslas Erfolg gibt es keine Zweifel mehr, an der Börse ist der US-Elektroautobauer bekanntlich mehr wert als die maßgebliche Konkurrenz zusammen. Das Narrativ von der erfolgreichen Tech-Company, die mit Elon Musk (50) den visionärsten Chef überhaupt hat, hat dabei offenbar auch eine Armee von Fanbots auf Twitter verbreitet. Wie der US-Forscher David A. Kirsch erstmals analysiert hat, haben automatisierte Twitter-Accounts über viele Jahre die Kernbotschaften über Tesla gezielt in die Welt posaunt. Mehr als vier Millionen Tesla-Tweets aus der Dekade seit dem Börsengang 2010 hat der Professor analysiert – und kann nun Muster beschreiben. Sein Schluss: Die Bots wurden programmiert, um die Tesla-Story und den Börsenkurs zu stärken. Wir haben mit Kirsch gesprochen und seine Studie vorab lesen können. Tesla, Musk und die Bot-Armee. 

Köpfe: Sabine Maaßen ++ Klaus-Michael Kühne ++ Thorsten Seehars

Adieu Ingolstadt: Personalvorständin Sabine Maaßen soll Audi verlassen

Adieu Ingolstadt: Personalvorständin Sabine Maaßen soll Audi verlassen

Foto:

Sagmeister Photography

  • Sabine Maaßen (56), erst seit einem Jahr Arbeitsdirektorin und Vorständin bei Audi, bekommt keinen neuen Vertrag. In wenigen Wochen schon soll ihre Aufgaben Seats Personalvorstand Xavier Ros übernehmen, hat mein Kollege Michael Freitag erfahren .

  • Klaus-Michael Kühne (84), Logistikmilliardär, hält inzwischen mehr als zehn Prozent der Lufthansa-Anteile. Es könne sogar noch mehr werden, ließ er mitteilen. Außerdem drängt er in den Aufsichtsrat, nicht selbst, aber per "geeigneter Persönlichkeit".

  • Thorsten Seehars (49), seit nicht mal drei Jahren CEO beim ostbayerischen Zulieferer Grammer, muss ebenfalls vorzeitig gehen. Kommissarisch übernimmt Technik-Chef Jens Öhlenschläger (57), bevor auch hier eine geeignete Persönlichkeit gefunden ist.

Unternehmen: Boeing ++ Daimler Truck ++ Tesla ++ Ford/Volvo ++ Nio/BYD

  • Für Boeing-Chef David Calhoun (65) läuft es aktuell, nun ja, turbulent. Der Flugzeugbauer kämpft mit Qualitätsproblemen, US-Gewerkschafter schießen gegen das Management und ein klarer Zukunftskurs ist schlicht nicht zu erkennen. In der Branche – zuletzt Ryanair-Chef und Topkunde Michael O'Leary (61) – wird bereits gefeixt und gelästert. Boeings Irrflug.

  • Mehr Spaß kann es aktuell offenbar bereiten, Lkws zu bauen. Daimler-Truck-Chef Martin Daum (62) konnte jedenfalls mit guten ersten Quartalszahlen 2022 glänzen und hob direkt die Prognose für das Gesamtjahr an. Welche Faktoren vor allem für den Aufschwung sorgen.

  • S&P Dow Jones schmeißt den Elektroautobauer Tesla aus seinem weltweit wichtigsten Nachhaltigkeitsindex, dem S&P 500 ESG-Index. Sorgen machten unter anderem der Umgang mit den Autopilot-Unfällen und Rassismusvorwürfen, begründete die zuständige Managerin Margaret Dorn in einem Blogpost . Die Reaktion von Elon Musk via Twitter: "ESG is a scam." Schließlich sei der Ölriese Exxon weiter unter den Top Ten.

  • Apropos ESG: Eine breite Allianz von 28 Konzernen wie SAP oder Unilever fordert die EU-Kommission auf, per Gesetz zu regeln, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Autos verkauft werden dürfen. Unterzeichnet haben den offenen Brief  für ein Verbrennerverbot auch die Autobauer Ford und Volvo, garniert mit Forderungen nach besserer Ladeinfrastruktur.

  • Aufatmen in China. Die Regierung des kommunistischen Staates will offenbar die Förderung für Elektroautos verlängern. Seit Einführung 2009 sind auf diesem Weg umgerechnet knapp 14 Milliarden Euro in den Markt geflossen, um heimische Anbieter wie Nio, BYD oder XPeng zu stärken. Aber auch westliche Firmen profitierten. Nun soll das Programm zumindest bis 2023 verlängert werden, berichten die Kollegen von Reuters. 

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Noch mehr Mobilität: Argo AI ++ Dott ++ Deutsche Bahn

Leader mit Lidar: Volkswagen-Boss Herbert Diess setzt auf Bryan Salesky

Leader mit Lidar: Volkswagen-Boss Herbert Diess setzt auf Bryan Salesky

Foto: EYECATCHME.Photography
  • Wer macht beim autonomen Fahren das Rennen? Die US-Firma Argo AI sieht sich einmal mehr auf der Überholspur. Laut CEO Brian Salesky sei das Unternehmen "das erste, das Autos in Großstädten während der Hauptverkehrszeit ohne Sicherheitsfahrer auf die Straße bringt". Und zwar in den US-Metropolen Miami (Florida), Austin (Texas) und Washington. Freuen dürfte das auch Volkswagen. Die Wolfsburger sind milliardenschwer in Argo investiert.

  • E-Scooter-Anbieter Dott versucht erstmals, in einem Markt außerhalb Europas Geschäft zu machen. Das Unternehmen ist diese Woche mit 1800 Rollern in Tel Aviv  gestartet.

  • Nach der Vorstellung der künftigen Innenausstattung von ICE-Zügen überboten sich Führungskräfte der Deutschen Bahn am Mittwoch mit Lobhudelei in den sozialen Netzwerken. Unter anderem zog sich die Metapher vom "300 km/h schnellen Wohnzimmer" durch. Klingt fast zu schnell und zu schön, um wahr zu sein. Wer dennoch einen Eindruck davon bekommen will, wie ICEs ab Ende 2023 aussehen werden: hier entlang .

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Zahl der Woche: 0

So viele Autos wurden im April in der chinesischen Metropole Shanghai verkauft: kein einziges – und damit wegen des Lockdowns exakt 26.311 weniger im April 2021. Ganz rund lief es in Europa auch nicht: Hier brach der Markt im Vergleich zum Vorjahr um 20,6 Prozent ein.

Geisterfahrer der Woche

Schneller da: Hyundais Ioniq 5 ist sofort zu bekommen – allerdings nicht als Robotaxi

Schneller da: Hyundais Ioniq 5 ist sofort zu bekommen – allerdings nicht als Robotaxi

Foto: SASCHA STEINBACH / EPA

Autos sind bekanntermaßen Mangelware, auch wenn sie nicht aus Shanghai kommen. Bestellstopps oder Lieferzeiten von mehr als einem Jahr gehören längst zum Branchenalltag. Da kann man schon mal prahlen, wenn man schneller Neuwagen liefern kann. Dachte sich so wohl Hyundai. Deren Deutschland-Dependance schickte uns in dieser Woche eine Pressemitteilung, dass bei ihren Händlern aktuell sogar ein paar Elektroautos verfügbar seien. Und: Wer jetzt ein E-Auto individuell konfiguriert, muss (vielleicht) sogar nur sechs Monate warten. Willkommen in der Auto-Marketing-Welt 2022!

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein