Christoph Rottwilm

Der Freitag im Überblick Elon Musks Vollbremsung

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Schock für die Mitarbeiter von Tesla, einem Wirtschaftsminister, der an besseren Finanzierungsbedingungen für Start-ups arbeitet, und viel Arbeit für zwei Werftchefs in Bremen.

Der Autobauer Tesla gehörte in den vergangenen Jahren zu den wachstumsstärksten Konzernen weltweit. Zuletzt steigerte das US-Unternehmen seinen Umsatz binnen zwölf Monaten um mehr als 80 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter legte im entsprechenden Tempo zu. Doch jetzt tritt Tesla-Chef Elon Musk mit voller Kraft auf die Bremse. Der Konzern, der zuletzt noch Tausende offene Stellen zu besetzen hatte, werde vorläufig keine neuen Mitarbeiter einstellen, schrieb Musk in einer internen Email. Im Gegenteil: Der CEO plant stattdessen offenbar, rund 10 Prozent der weltweit etwa 100.000 Tesla-Beschäftigten zu entlassen.

Diese Maßnahmen sind das bislang wohl deutlichste Alarmsignal aus der US-Wirtschaft. Er habe ein "super schlechtes Gefühl" in Bezug auf die Entwicklung der Wirtschaft, schrieb Musk in seiner Mail. Damit stimmt er ein in den immer lauter werdenden Chor der Mahner, die vor einer drohenden Rezession in den USA warnen.

"Super schlechtes Gefühl": Tesla-Chef Elon Musk befürchtet einen Wirtschaftsabschwung und will Mitarbeiter entlassen

"Super schlechtes Gefühl": Tesla-Chef Elon Musk befürchtet einen Wirtschaftsabschwung und will Mitarbeiter entlassen

Foto: JIM WATSON / AFP

Die hohen Inflationsraten, der Schwenk in der Zinspolitik der Notenbanken, der nach Ansicht vieler Beobachter womöglich zu spät kommt, zudem noch der Krieg in der Ukraine sowie weltweite Lieferstaus – immer mehr Experten befürchten, dass die Wirtschaft diesen Belastungen nicht standhalten wird. Bereits am Donnerstag riet Jamie Dimon, der Chef der US-Großbank JP Morgan, die Wirtschaft solle sich auf einen aufziehenden "Hurrikan" vorbereiten. Am heutigen Freitag legte John Waldron, Spitzenbanker vom Wettbewerber Goldman Sachs, nach und warnte vor einer drohenden Krise für die Weltwirtschaft. Für eine solche Krise haben Profianleger bereits Krisenstrategien entworfen .

Wie die US-Rezession aussehen wird, ist auch Thema im britischen "Economist". Seit dem Zweiten Weltkrieg haben zwölf Rezessionen die USA getroffen, doch die nächste wird anders ausfallen, so die Kollegen. Anders als nach den Energieschocks in den 1970er-Jahren, anders als nach der hohen Inflation in den frühen 1980er-Jahren und anders als der Dotcom-Crash 2000. Die Einschätzungen des "Economist" über das, was sich über Wirtschaft und Finanzsystem derzeit zusammenbraut, finden Sie auf manager-magazin.de .

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Mehr Geld für Start-ups: Bereits im Wahlkampf hatten fast alle Parteien angekündigt, die deutsche Start-up-Szene stärker fördern zu wollen. Nun hat Wirtschaftsminister Robert Habeck ein Strategiepapier vorgelegt, mit dem das gelingen soll. Vor allem in turbulenten Zeiten sollen Jungunternehmen demnach künftig leichter an Risikokapital kommen.

  • Steuergeld für Intel: Der US-Chiphersteller Intel hatte im März angekündigt, in der Nähe von Magdeburg zwei neue Fabriken bauen zu wollen. Gesamtvolumen der Investition nach Angaben des Konzerns: 17 Milliarden Dollar. Wie heute bekannt wurde, müssen die Amerikaner die Summe aber nicht allein stemmen. Vielmehr will der Bund die Fabrikbauten mit insgesamt 6,8 Milliarden Euro unterstützen.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Techno-Krise in Wolfsburg: Volkswagen hat sich vorgenommen, vom herkömmlichen Autohersteller zum Technologieunternehmen zu werden. Der Plan stammt vor allem von Konzernchef Herbert Diess: Diess ist auch verantwortlich für die Konzern-Tochter Cariad, die Volkswagens Techno-Träume wahr werden lassen soll. Doch nach verheißungsvollem Start droht der Wandel des Unternehmens nun zu scheitern. Woran das liegt und was die Probleme für Volkswagen-CEO Diess bedeuten, darüber klären unsere Kollegen Michael Freitag und Sven Clausen in unserem Podcast auf.

Meine Empfehlung für den Abend:

Trauriges Traumschiff: Die Jacht "Dilbar" des russischen Oligarchen Alischer Usmanow, sanktionsbedingt vorläufig stillgelegt in Hamburg

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Foto: Sylent Press / ullstein bild
  • Der Name Lürssen regt die Fantasie an. Lürssen, das ist jene Werft in Bremen, bei der die Superreichen dieser Welt ihre Luxusjachten bauen lassen. Schwimmende Paläste von mehr als 100 Metern Länge, mit Pool, Kino, Hubschrauberlandeplatz und anderem Überfluss an Bord. Der Krieg in der Ukraine hat auch den Alltag bei Lürssen verändert. Milliardenschwere Oligarchen aus Russland fallen wegen der Sanktionen des Westens als Kundschaft zum Großteil vorerst aus. Zugleich kommt Schwung in den zweiten Teil der Lürssen-Aktivitäten, den Bau von Militärschiffen. In dieser Ausnahmesituation traf unser Kollege Thomas Werres die Werft-Chefs Friedrich Lürßen und Peter Lürßen zu einem ihrer seltenen Interviews. Seinen Bericht über das verblüffende Geschäftsmodell der beiden Vettern finden Sie auf manager-magazin.de .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm