Eva Buchhorn

Der Tag im Überblick Getriebene Elite 2.0

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Twitter-Irrlicht Elon Musk, Rekordpreisen bei Sotheby's und einer starken Frau bei Linde.

Vor ziemlich genau 18 Jahren wurde in der Redaktion des manager magazins ein Thema geboren, das fortan für viele Jahre als Mythos durchs kollektive Gedächtnis geisterte: "Die getriebene Elite - Wieviel Wandel im Job verträgt der Mensch?" Das Heft erschien kurz vor Weihnachten 2003, über die Titelseite hetzte damals ein gestresster Anzugträger mit Aktenköfferchen, im Innenteil erzählten Führungskräfte von Überforderung, aber auch vom Mobilisieren überraschender Kraftreserven. Zum internen Mythos wurde der Report, weil er sich sensationell gut verkaufte - mehrere Jahre gelang uns nichts, was bei Ihnen, den Leserinnen und Lesern, ähnlich viel Interesse erregte.

Warum ich die alte Kamelle hier erwähne? Weil das Thema einfach nicht vergehen will. Das "rasende Tempo" der Veränderung, das wir damals diagnostizierten, ist seither nicht zurückgegangen. Die "alten Sicherheiten" brechen immer weiter weg. Krisen und ständige Veränderung sind keine Ausnahme mehr, sondern die neue Normalität.

Heute haben wir einen Text aus dem Harvard Business Manager auf die Website gesetzt, der das Problem wieder aufnimmt: "Bleibt das jetzt so?"  Und ein Blick auf die Zugriffszahlen im Internet zeigt uns: Sie sind wieder dabei.

Daher erlaube ich mir, diese Analyse auch hier noch einmal ins Schaufenster stellen. Harvard-Professor John P. Kotter lädt nicht zum kollektiven Jammern ein, sondern weist einen konstruktiven Weg durchs Chaos. Zwei Pfade, so lernte ich, führen die getriebene Elite 2.0 zum Ziel: Man kann in den Überlebensmodus schalten - oder wachsen. 

Hier geht's abwärts: Wer Krisen bewältigen will, sollte die Richtung wechseln.

Hier geht's abwärts: Wer Krisen bewältigen will, sollte die Richtung wechseln.

Foto:

Toby Coulson

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • sind heute im Wesentlichen Personalien. Den Auftakt macht Tesla-Chef Elon Musk. Er hat Steuerprobleme, die seine Laune drücken. Er muss eigene Aktien verkaufen, um Steuerforderungen zu begleichen. Da er begonnen hat, seine Aktienoptionen auszuüben, wächst seine Steuerschuld. Musk hilft sich emotional, indem er auf Twitter ein endloses Theater anstimmt. Anlegern hilft er damit freilich nicht: Den Tesla-Kurs hat er damit schon wieder gedrückt.

  • Ex-McKinsey-Deutschlandchef Cornelius Baur treibt seine Spac-Pläne voran: Mit einer Firmenhülle, die in Amsterdam notiert sein soll, will er auf die Suche nach einem Übernahmeziel aus Europas Gesundheitsbranche gehen. Mit im Boot: Drei prominente Köpfe aus der Pharmaindustrie.

  • Das Ringen um die umstrittene Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 geht weiter. Wie heute bekannt wurde, hat die Bundesnetzagentur ihr Freigabeverfahren für die Doppelröhre zwischen Russland und Deutschland vorläufig ausgesetzt. Die Gründe sind formale.

  • Wenn der langjährige Konzernarchitekt und Chairman Wolfgang Reitzle Anfang März Linde verlässt, endet bei dem Gasekonzern eine Ära. Die markiert auch das Ende einer Machtbalance: Der Einfluß der Amerikaner im Board nimmt zu. Für die Selbstbehauptung des deutschen Teils der Linde-Welt steht künftig vor allem eine Frau: Ann-Kristin Achleitner .

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Welt mag krisenhaft sein, die Mechanismen am Kunstmarkt funktionieren offensichtlich immer noch blendend. So wechselten gestern bei einer Auktion von Sotheby's in New York ein paar Klassiker des 20. Jahrhunders zu Rekordpreisen die Besitzer. 82,5 Millionen Dollar wurden für ein Gemälde von Mark Rothko gezahlt, 78 Millionen Dollar für eine Giacometti-Skulptur, dazu kamen Warhols, Cy Twombly, Jackson Pollock. Alles Namen, die Kunstkenner in Verzückung geraten lassen. Der Anlaß war allerdings ein trauriger: eine Scheidung.

  • Um die hohen Preise aufrufen zu können, braucht es Mittelsmänner- und -frauen mit dem Talent, die Begehrlichkeiten der Sammler zu wecken. Leute wie Iwan und Manuela Wirth. Das Paar betreibt 14 Galerien rund um den Globus und gehört damit ohnehin schon zur Elite seiner Zunft. Doch die beiden können noch mehr. Sie inszenieren abgelegene Orte aufwändig als Weihestätten der Kunst - so exklusiv, dass der Jet-Set nicht widerstehen kann. mm-Autorin Gisela Freisinger hat das schillernde Paar auf Menorca getroffen. Ihre eindrucksvolle Reportage lesen Sie hier. 

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Mit einem Rückgriff in die mm-Historie hat dieser Newsletter begonnen, mit einem zweiten Rückblick nähern wir uns heute dem Ende. Aus Anlaß des 50. Geburtstags des manager magazins haben wir ein kleines Quiz für Sie vorbereitet. Helden und Hypes, Monopole und Krisen, schwarze Zahlen und schwarze Kassen: Wenn Sie mögen, testen Sie hier doch einmal Ihr Wissen über die deutsche Wirtschaft der letzten 50 Jahre - und ein bisschen auch über uns.

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn

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