Kai Lange

Der Tag im Überblick Schwarzer Freitag, schwankende Kurse, fröhliche Steuerzahler

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem entspannten Tesla-Chef, erleichterten deutschen Steuerzahlern und einem Schwarzen Freitag, der eigentlich kein Schwarzer Freitag ist.

Inmitten eines veritablen Börsengewitters (siehe unten) und des wieder anschwellenden Streits um die Staatsverschuldung erreicht uns die Nachricht, dass das Börsen-Superschwergewicht Tesla für seine Super-Gigafabrik in Brandenburg keine - Sie haben richtig gelesen - KEINE Milliardenförderung vom deutschen Staat beantragen wird. Obwohl in der Gigafactory mit rund 10.000 Arbeitsplätzen in Grünheide weiterhin eine Batteriefertigung geplant ist, hat Tesla-Chef Elon Musk offenbar keine Lust, sich weiterhin mit all den Anträgen herumzuschlagen, die für ein behördlich abgesegnetes und damit förderfähiges IPCEI (transnationales Vorhaben von gemeinsamen europäischem Interesse) nötig sind. Schließlich hat Musk schon genug Stress mit dem Wasserverband Strausberg-Erkner und allerlei umweltrechtlichen Auflagen.

Also macht Musk mit den Batteriezellen lieber sein eigenes Ding, und das Geld des deutschen Steuerzahlers kann nun in andere Projekte fließen. Ein lässiger Move des streitbaren Tesla-Chefs - der ihm angesichts einer Börsenbewertung von rund einer Billion Dollar auch leichtfallen dürfte.

Apropos Börsenwert von einer Billion Dollar: Auto-Staranalyst Arndt Ellinghorst hält Tesla für ein tolles Unternehmen, die Aktie jedoch mit dem 190fachen des für 2021 erwarteten Gewinns für stark überbewertet. Auf welche Autohersteller er setzt, was ihn an Volkswagen stört und warum die Autoindustrie auch weiterhin prächtig verdienen wird, erklärt Ellinghorst in einem ausführlichen Interview. 

Tesla-Chef Elon Musk in Grünheide: Milliarden vom Steuerzahler für die Batteriefabrik? Ach nö, lass mal

Tesla-Chef Elon Musk in Grünheide: Milliarden vom Steuerzahler für die Batteriefabrik? Ach nö, lass mal

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Black Friday lautet der jährliche Schlachtruf von Amazon und Co, um uns zu angeblich unschlagbaren Preisen Dinge aufzudrücken, die wir eigentlich nicht brauchen. Auch an der Börse war heute Black Friday: Die Preise für Aktien purzelten wie seit Monaten nicht mehr. Anlass für den Kurseinbruch von Dax, Dow Jones und Nikkei ist die Sorge, dass die neue und hoch ansteckende Coronavirus-Variante B.1.1.529, die sich derzeit in Südafrika ausbreitet, der Pandemie weiteren Schub verleihen könnte. Aktien der Impfstoffhersteller wie Biontech legten gegen den Trend deutlich zu. Gegen den echten "Black Friday" an der Wall Street, der am 25. Oktober 1929 den Beginn der Weltwirtschaftskrise markierte, war der heutige Kursrutsch nur ein laues Lüftchen.

  • Die Lufthansa gibt sich trotz der neuen Virussorgen gelassen. Die Airline hält an ihren Verbindungen nach Südafrika vorerst fest. Man beobachte die Lage jedoch "intensiv". Die EU-Kommission rief die MItgliedstaaten bereits zu einem Flugstopp auf, einige folgten dem Ruf. Deutschland greift vorerst zu dem milderen Mittel, Südafrika zum Virusvariantengebiet zu erklären - mit der Folge, dass immerhin Rückflüge deutscher Staatsbürger mit Quarantäne noch erlaubt wären. Ohnehin wurde B.1.1.529, künftig wohl besser bekannt unter dem griechischen Buchstaben Omikron, schon in Europa nachgewiesen.

  • Seit Jahren versucht Warsteiner-Inhaberin Catharina Cramer, Deutschlands einst erfolgreichster Brauerei neues Leben einzuhauchen. Nun hat sie nach Ex-Edeka-Manager Helmut Hörz einen weiteren Branchenveteranen für Warsteiner gewonnen. Der langjährige ABInbev-Manager Uwe Albershardt wird als neuer Marketing- und Vertriebschef die Marke stärken.

Das Beste aus dem "Economist":

  • Kulturrevolution bei Apple: Kunden dürfen ihre iPhones, iPads und iMacs jetzt auch selbst reparieren (iRepair). Was sich der iPhone-Riese davon verspricht und warum die Preise für die Ersatzteile deftig sind, erklären unsere britischen Kollegen vom Economist: iPhone, iMac, iRepair. 

  • Und noch ein lesenswertes Stück aus dem aktuellen Economist: US-Präsident Joe Biden, von wegen "Sleepy Joe", rüstet personell auf, um die Macht von Facebook, Alphabet und Co zu begrenzen. Hier erfahren Sie mehr über Bidens Big-Tech-Fighter. 

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Die Pleite der Fluggesellschaft Air Berlin hat Gläubiger wie Aktionäre viel Geld gekostet. Insolvenzverwalter Lucas Flöther war zu Beginn seiner Mission erwartungsfroh, bis zu zwei Milliarden Euro Schadensersatz vom damaligen Ankeraktionär Etihad Airways zurückzuholen. Ex-Etihad-Chef James Hogan hatte sich als Maulheld erwiesen und zu viel versprochen - doch Flöthers Hoffnung, die Schadenersatzklage vor Berliner Gerichten auszufechten, ist zerstoben wie Sand in der Wüste. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Streit nun vor britischen Gerichten ausgetragen, wie mein Kollege Michael Machatschke recherchiert hat: Flöther droht ein Fiasko,  das Geld geht, nun ja, sie wissen schon.

Mittellos: Insolvenzverwalter Lucas Flöther wittert Milliarden für die Air-Berlin-Gläubiger - aber wo?

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Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa
  • Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Am kommenden Mittwoch (1. Dezember) laden unsere Kollegen vom Harvard Business manager zu einem spannenden Live-Talk ein. Beim OPEN HOUSE sind der Berater Matthias Kolbusa und der Stahlmanager Christoph Martin von Thyssenkrupp zu Gast: Im Gespräch mit HBm-Redakteurin Christina Kestel erzählen sie, wie nachhaltiger Wandel gelingt, auch wenn der Chef regelmäßig wechselt und die ganze Branche unter Druck steht. Die Anmeldung ist kostenlos.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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