Kai Lange

Der Tag im Überblick Vier Tricks, mit denen Tesla die Autowelt verändert

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit vier revolutionären Tricks von Tesla, einem effektiven Quälgeist von RWE und einer bitteren Quittung für den Wirtschaftsprüfer EY.

Kaum eine Woche vergeht, in der wir oder andere Wirtschaftsmedien nicht über Tesla-Chef Elon Musk und seine jüngsten Ein- und Ausfälle berichten. Das hat seinen Grund: Der Mann ist dabei, die Autobranche grundlegend zu verändern. Es geht dabei nicht um Luxusprobleme, etwa ob Volkswagen, Mercedes oder BMW ein paar tausend Autos mehr oder weniger verkaufen. Es geht schlicht um die Zukunft von Deutschlands wichtigster Industrie. Um die Frage, ob die deutsche Autobranche mit ihren rund 900.000 Arbeitsplätzen künftig gegen Tesla bestehen kann.

Das klingt irrwitzig, so wie Elon Musks Pläne, eines Tages den Mars zu besiedeln? Fakt ist, dass Tesla die Gesetze der Autoindustrie neu schreibt. In der Titelgeschichte des neuen manager magazins beschreiben Michael Freitag und Jonas Rest, nach welchem Drehbuch Tesla jetzt vorstürmt – und wie brutal die Konkurrenten unter Druck geraten. Ein Beispiel: In Teslas neuer Fabrik in Grünheide stehen haushohe Gigapressen. Diese stellen große Teile des Model Y per Druckguss her, während die Konkurrenz stattdessen knapp 400 Einzelteile zusammenschraubt. Bis zu zehnmal effizienter will Tesla dadurch sein. VWs ID4 entsteht in 19 Stunden, Teslas Model Y in Grünheide in nicht mal 10.

Musk schreibt nicht nur das neue Gesetz der Produktion. Er definiert auch die Arbeitsteilung neu. Er hat die schnellsten Chips, die beste Software und ein enorm hohes Entwicklungstempo. Er schafft damit eine neue Tesla-Welt, die der Kunde nie wieder verlassen soll. Ähnlich wie einem Apple-Kunden, der mit iPhone, iPad und AirPods im goldenen Käfig sitzt, bietet Musk Tesla-Kunden ein komplettes Ökosystem aus Dienstleistungen an. Spiele? Na klar. Stromversorgung? Warum nicht. Und am autonomen Fahren ist er auch noch dran. Es gibt also viele Gründe, regelmäßig über Musk zu reden und sich als Konkurrent Sorgen zu machen: Sie finden sie alle in unserer Titelgeschichte: Wie Tesla Apple übertrumpfen will .

Entfesselung: Tesla-Chef Elon Musk stößt in eine neue Dimension vor

Entfesselung: Tesla-Chef Elon Musk stößt in eine neue Dimension vor

Foto: Illustration: Tim McDonagh für manager magazin; Foto: [M] Al Drago / Bloomberg

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Valneva-Impfstoff wirksam gegen Omikron: Während die Infektionszahlen in Deutschland und Europa auf Rekordniveau steigen, steht ein weiterer Corona-Impfstoff kurz vor der Zulassung. Das Biotechunternehmen Valneva hat einen Impfstoff entwickelt, der einer Studie zufolge auch gegen die Omikron-Variante wirkt. Die Aktie des Unternehmens aus Frankreich und Österreich schoss zeitweise um mehr als 30 Prozent in die Höhe.

  • Europas Aktien im Vorteil: Inflationssorgen und anziehende Zinsen schütteln Dax und Dow Jones derzeit kräftig durch. Wir haben mit Christian Mueller-Glissmann gesprochen. Er ist Anlagestratege bei der US-Bank Goldman Sachs. Er geht davon aus, dass europäische Aktien sich in diesem Jahr wahrscheinlich besser entwickeln werden als die hoch bewerteten US-Aktien. Im Interview nennt er die Gründe dafür.

  • Thyssenkrupp baut U-Boote für Israel: Israel und Deutschland haben sich auf einen drei Milliarden Euro schweren U-Boot-Deal geeinigt. Israel kauft drei U-Boote der Klasse "Dakar", die von Thyssenkrupp in Kiel hergestellt werden. Der Deal hatte wegen Korruptionsvorwürfen lange auf Eis gelegen. Das erste U-Boot soll innerhalb von neun Jahren nach Israel geliefert werden.

  • Fünfmal über die Milliardengrenze: Für den Risikoinvestor Cherry Ventures aus Berlin läuft es derzeit richtig gut. Der Investor hatte bereits sehr früh in Unternehmen wie Auto1, Flaschenpost und Flixbus investiert. Inzwischen haben bereits fünf Unternehmen in ihrem Portfolio die Milliardenbewertung überschritten: Dazu zählen auch die Amazon-Händlergruppe SellerX und der Lebensmittel-Lieferdienst Flink. Nun hat Cherry Ventures erneut 300 Millionen für Investitionen eingesammelt – zum Teil von prominenten Geldgebern.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • EY bekommt die Wirecard-Quittung: Der Kollaps des Zahlungsdienstleisters Wirecard hat Aktionäre viel Geld gekostet und den Wirtschaftsstandort Deutschland beschädigt. Nun bekommt der Wirtschaftsprüfer EY, der die Bilanzen von Wirecard zehn Jahre lang freigezeichnet hat, die Quittung dafür. Eine Exklusivstudie zeigt: Viele Topmanager verlieren nach der Wirecard-Pleite das Vertrauen in den Wirtschaftsprüfer. Henrik Ahlers, Deutschland-Chef von EY, muss mehr denn je um den Ruf der Firma fürchten. Was auf EY nun zukommt, beschreibt Dietmar Palan.

Meine Empfehlung für den Abend:

Grüner Hebel: Die Ex-Blackrock-Managerin Jennifer Grancio brachte mit "Engine No. 1" drei Räte von Exxon Mobil zu Fall. In Deutschland scheucht der Mini-Aktionär Enkraft den Energieriesen RWE auf

Grüner Hebel: Die Ex-Blackrock-Managerin Jennifer Grancio brachte mit "Engine No. 1" drei Räte von Exxon Mobil zu Fall. In Deutschland scheucht der Mini-Aktionär Enkraft den Energieriesen RWE auf

Foto: Kyle Grillot / Bloomberg
  • Raus aus Braunkohle und Atomkraft, rein in Windkraft und Solarenergie: Der Energieversorger RWE will den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2030 rasch hochfahren. Doch ist "rasch" eigentlich rasch genug? Öko-Kapitalisten treiben die aufgescheuchten Konzernvorstände immer weiter vor sich her. Einst wurden die Aktivisten als kleine Störenfriede abgetan. Heute haben sie die moralische Oberhoheit und zwingen die Konzern-Oberen zu radikalen Schritten. In den USA hat es der kleine Quälgeist-Hedgefonds "Engine Number One" vorgemacht und den Ölriesen Exxon Mobil durchgewirbelt. In Deutschland schickt sich nun der Mini-Aktionär Enkraft an, dem Energiekonzern RWE das Tempo des Wandels zu diktieren. Angela Maier erklärt das Kräftemessen zwischen kleinen Finanzhaien und genervten Konzernlenkern. Sie beschreibt am Beispiel RWE, wie Ökokapitalisten Konzerne in die Enge treiben.

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Herzlich, Ihr Kai Lange