Lukas Heiny

manage:mobility Teslas Zahlen und seltsame Paarungen

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Worauf es bei Tesla 2022 ankommt.

  • Wo der Here-Gründer heute investiert.

  • Was Autoabos für den Autohandel bedeuten.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Teslas 22er Aufschlag

"Das ergibt keinen Sinn": Tesla-Chef Elon Musk will 2022 kein neues Modell einführen

"Das ergibt keinen Sinn": Tesla-Chef Elon Musk will 2022 kein neues Modell einführen

Foto: Matt Rourke / AP
  • Nachdem am Mittwoch die US-Börsen geschlossen hatten, legte Tesla seine Zahlen vor. Nicht sooo schlecht. Rekordauslieferung, Rekordumsatz, Rekordgewinn – und um die Anleger bei Laune zu halten, gab es noch eine Reihe Nuggets für die Börsenstory.

  • Wir haben uns in der Nacht den Webcast mit Elon Musk (50) angehört – die wichtigsten Erkenntnisse zu den Schlüsselfragen (Wachstumspläne, Cybertruck, Grünheide, Autopilot), lesen Sie in unserer Analyse. 

  • Musk, schon jetzt reichster Mensch der Welt, könnte 2022 übrigens nochmal so richtig abkassieren (nachdem er fürs letzte Quartal schon 245 Millionen Dollar bekommen hat).

Köpfe: Christoph Debus ++ Mary Barra ++ Christophe Maire ++ Dieter Zetsche ++ Herbert Diess

  • Christoph Debus, noch Finanzchef bei Condor und früher bei Thomas Cook und Air Berlin, wird neuer CFO  bei Flixmobility. Er wechselt also vom Flugzeug auf Bus und Zug – und dürfte die wohl an die Börse rangieren. Die Rechtsform wechselt schonmal von GmbH auf SE. Und Mitgründer André Schwämmlein darf sich künftig CEO nennen.

  • Mary Barra (60), CEO von General Motors, steckt 7 Milliarden Dollar in zwei neue Fabriken  für E-Autos und Batteriezellen, in das Akkuwerk gemeinsam mit Partner LG Energy. 2025 will Barra eine Million Elektroautos verkaufen – und Marktführer in Nordamerika werden. Der Weg ist weit. Wie viele Elektroautos verkaufte GM im vierten Quartal 2021 in den USA? Genau, 26.

  • Christophe Maire (55), der sich als Gründer des Kartendienstes Here einen Namen auch in der Autobranche gemacht hat, baut inzwischen rund um den Lieferdienst Gorillas ein Food-Imperium. 

  • Dieter Zetsche (68) wird Firmenjäger. Der Ex-Daimler-Boss hat bei einer New Yorker Investmentfirma namens Kensington Capital angeheuert, um per Spac ein schönes Start-up aus der Mobilitätswelt an die Wall Street zu treiben. Zwei Jahre hat er jetzt Zeit dafür.

  • Herbert Diess (63), geboosterter Volkswagen-Chef, musste sich aufgrund einer Corona-Infizierung in Quarantäne begeben. Wir wünschen gute Besserung.

Unternehmen: Bentley ++ Cariad/Bosch ++ Boeing/Wisk ++ MSC/Lufthansa

Bunter Prototyp: Das US-Start-up Wisk will für sein Robo-Flugtaxi 2028 eine Zulassung beantragen – gut sichtbar ist es schon jetzt.

Bunter Prototyp: Das US-Start-up Wisk will für sein Robo-Flugtaxi 2028 eine Zulassung beantragen – gut sichtbar ist es schon jetzt.

Foto:

MIKE BLAKE / Reuters

  • Acht Jahre gibt sich der Luxusautobauer Bentley, um komplett auf Batterieantrieb umzustellen und komplett CO2-neutral zu werden. Nun verkündete die Volkswagen-Tochter, 2,5 Milliarden Pfund zu investieren und bis 2025 den ersten reinen Elektro-Bentley zu bauen. 

  • Um beim autonomen Fahren einen "Riesenschritt" (O-Ton Dirk Hilgenberg) voranzukommen, tun sich der größte Autobauer weit und breit und der größte Zulieferer zusammen: Volkswagens Software-Tochter Cariad und Bosch. Immerhin 1000 ihrer Leute sollen nun gemeinsam programmieren; anfangs sollen es Assistenzsysteme werden, später auch autonomes Fahren auf der Autobahn.

  • Recht ähnlich ist die Gemengelage beim US-Konzern Boeing. Auch der möchte die Kompetenz beim autonomen Fortkommen stärken, hier: beim Fliegen. Darum investiert der Flugzeugbauer weitere stolze 450 Millionen Dollar in das Flugtaxis-Start-up Wisk. Ob das ebenfalls ein Riesenschritt ist, wird sich erst in mehreren Jahren erweisen.

  • Ein die Elemente (Wasser und Luft) übergreifendes Bündnis schmieden offenbar die weltgrößte Containerreederei MSC und Europas größte Airline, die Lufthansa. Gemeinsam wollen sie die Mehrheit an der gerade erst entstandenen italienischen Staatsairline ITA übernehmen.

Zahl der Woche: 7,1 Milliarden

So viele US-Dollar haben Flugtaxi- und andere Future-Air-Mobility-Start-ups 2021 eingesammelt, wie brandaktuelle Zahlen von McKinsey zeigen. Enthalten sind darin auch Wagniskapitalrunden, Spac- und PIPE-Fundings sowie bekannte Forschungszuschüsse. Insgesamt 127 Deals haben die Beraterinnen und Berater gezählt. Unnötig zu sagen, dass dies Rekorde in allen Dimensionen sind. 2020 flossen "nur" drei Milliarden Dollar in den Sektor.

Neue Mobilität: KKR und Accell ++ Radwege ++ Ola Electric

Boomgefährt: Ein Lastenrad der Marke Carqon aus dem Hause Accell

Boomgefährt: Ein Lastenrad der Marke Carqon aus dem Hause Accell

Foto: Accell Group
  • Das in den USA und Europa meist verkaufte Elektrofahrzeug 2021 war? Das Fahrrad. Und die Aussichten für eine Fortsetzung des E-Bike-Booms scheinen gülden. Wie sonst ist der sagenhafte Preis von 1,56 Milliarden Euro zu erklären, den der Finanzinvestor KKR für den niederländischen Radbauer Accell (Haibike, Winora, Batavus, Raleigh, Sparta, Babboe und andere) zahlen will. Bei einem operativen Gewinn von 61 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2021 ist das ein ordentliches Multiple.

  • Und auch in Asien steigen immer mehr Menschen aufs Fahrrad. Auf den Philippinen hat der Staat die Pandemie genutzt, um 500 Kilometer neue Radwege zu bauen, wie die Ökonomen der Weltbank in einem Blogpost  beschreiben.

  • Der indische E-Scooter-Bauer Ola Electric hat nichts mit Daimler-Chef Ola Källenius zu tun. Erfolgreich ist er trotzdem. In einer Finanzierungsrunde hat Ola 200 Millionen Dollar eingesammelt und wird nun mit 5 Milliarden Dollar  bewertet. Ole, Ola.

Deep Drive: Studie der Woche

Als eine der weltweit letzten Bastionen erreicht die digitale Disruption auch den Autohandel. Neue Angebote mit monatlich kündbaren Autoabos (also known as Vehicle-as-a-Service) ergänzen den klassischen Bar- oder Kreditkauf. Damit können Hersteller neue und vor allem jüngere Kundinnen und Kunden erreichen. Nur sind denen Faktoren wie etwa die Marke nicht mehr so wichtig. Wo also die Risiken liegen, zeigt eine Studie der Strategieberatung Berylls, die uns exklusiv vorliegt.

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Geisterfahrer der Woche

Nicht die Karren Eurer Väter: US-Präsident Joe Biden (r.) ist kein Freund von Tesla-Boss Elon Musk und lud lieber Mary Barra (Mitte) ein.

Nicht die Karren Eurer Väter: US-Präsident Joe Biden (r.) ist kein Freund von Tesla-Boss Elon Musk und lud lieber Mary Barra (Mitte) ein.

Foto: Andrew Harnik / AP

Während in Texas der wertvollste Autobauer der Welt seine Show abzog (siehe oben), plauderten im sehr weit entfernten Washington die CEOs der beiden größten US-Autobauer GM und Ford mit dem Präsidenten. Joe Biden (79) hatte pikanterweise nur Mary Barra und Jim Farley geladen, um auch über die Elektrozukunft der Branche zu sprechen. Dazu passt eine aktuelle Studie, wonach ältere Amerikaner ein E-Auto lieber bei den traditionellen Herstellern  kaufen würden als bei diesen neumodischen Rabauken.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny