Christoph Rottwilm

Der Dienstag im Überblick Teslas für Deutschland und Energie für Europa

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Start der Tesla-Fabrik in Deutschland, Energieplänen für Europa und einem psychologischen Ansatz aus der Welt des Führungskräfte-Coachings.

"Excited to hand over the first production cars made by Giga Berlin-Brandenburg" – das twitterte Elon Musk gleich zu Beginn dieser Woche. Der Tesla-Chef konnte es offenbar kaum erwarten, in den Flieger Richtung Deutschland zu steigen, wo er am heutigen Dienstag persönlich den Startschuss gab: Die neue Fabrik des Elektroautoherstellers aus Kalifornien geht offiziell in den Betrieb.

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"Der Osten ist industriell vorne mit dabei", sagte Bundeskanzler Olaf Scholz, der zu den 500 Gästen gehörte, die Tesla zum Produktionsstart nach Grünheide eingeladen hatte. Wirtschaftsminister Robert Habeck, ebenfalls vor Ort, sagte, es sei "ein besonderer Tag für die Mobilitätswende in Deutschland". Für 30 Tesla-Kunden dagegen war es vor allem ein Tag der Freude – sie durften ihr neues Model Y gleich persönlich in Empfang nehmen.

Selfie mit dem Chef: Tesla-CEO Elon Musk bei der Fabrikeröffnung in Grünheide

Selfie mit dem Chef: Tesla-CEO Elon Musk bei der Fabrikeröffnung in Grünheide

Foto:

NADINE SCHIMROSZIK / REUTERS

Vorausgegangen ist ein Prozedere, das besonders dem Macher Musk quälend langwierig erschienen sein muss. Schon vor mehr als zwei Jahren entschied sich Tesla für den Standort vor den Toren Berlins, eigentlich sollten dort bereits Mitte 2021 die ersten Neuwagen aus der Halle rollen. Tatsächlich erhielt Tesla die letzte Genehmigung aber erst vor wenigen Wochen – deutsche Gründlichkeit braucht eben Zeit. Musks Vorteil ist es, dass er in gewohnter Manier voll ins Risiko ging und seine Fabrik auch ohne Behördenstempel schon bis zur Produktionsreife hochzog.

Damit wird es für Deutschlands Autobauer nun endgültig ernst: Der große Vorreiter und Konkurrent in Sachen Elektromobilität produziert in nächster Nähe von Volkswagen, BMW, Daimler und Co. Bis zu 500.000 Autos im Jahr will Tesla in Grünheide herstellen, mit rund 12.000 Beschäftigten. Eine Batteriefabrik befindet sich ebenfalls im Bau. Dabei ist das Timing für Tesla-Chef Musk nahezu ideal – gleich mehrere Faktoren spielen ihm bei seinem Start in Deutschland in die Karten, wie meine Kollegin Maren Jensen berichtet.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Neuer Job: Digitalchefin Vanessa Stützle verlässt Douglas

Neuer Job: Digitalchefin Vanessa Stützle verlässt Douglas

Foto: DOUGLAS
  • Douglas sucht neuen Digitalmanager: Auch mit Blick auf den geplanten Börsengang will Douglas-Chefin Tina Müller die Parfümeriekette zum Onlinehändler machen, und dabei galt Digitalchefin Vanessa Stützle in den vergangenen Jahren als wichtige Helferin. Doch jetzt verlässt Stützle das Unternehmen, um beim Lampenhändler Luqom CEO zu werden. Für Tina Müller heißt es also Abschied nehmen von ihrer "Partnerin in Crime" – und schnellstens einen Ersatz suchen.

  • Chinesen auf Einkaufstour in Europa: 2020 waren die Firmenübernahmen durch chinesische Käufer in Europa stark zurückgegangen, doch jetzt geht es wieder aufwärts. Einer Übersicht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zufolge gab es 2021 einen deutlichen Zuwachs. Allerdings zeigen auch die höheren Hürden für den Einstieg in sensible Branchen ihre Wirkung, so die Analyse.

  • Chinesen in Schwierigkeiten: Vom Immobilienkonzern Evergrande kommen erneut besorgniserregende Nachrichten. Das Unternehmen kann eigenen Angaben zufolge seinen Jahresabschluss für 2021 nicht fristgerecht veröffentlichen. Ein Verstoß gegen die Börsenvorschriften, der Handel mit den Aktien von Evergrande wurde einmal mehr ausgesetzt.

Was heute sonst noch wichtig war:

Erst Starmanager, dann Absturz: Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher (Mitte) mit Anwälten

Erst Starmanager, dann Absturz: Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher (Mitte) mit Anwälten

Foto:

Lukas Barth / picture-alliance/ dpa

  • Schon gestern präsentierten wir Ihnen den umfangreichen Report unseres Kollegen Martin Mehringer  über Kündigungen auf der Führungsebene und welche Folgen sie auch für das Privatleben der Betroffenen haben können. Heute folgt einer der krassesten Fälle der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte: Als Chef der Halbleitersparte von Siemens galt Ulrich Schumacher als einer der Superstars der deutschen Wirtschaft. Er brachte Infineon an die Börse und wurde bereits als künftiger Siemens-Chef gehandelt. Dann folgte der Absturz, den Schumacher als Komplott gegen seine Person beschreibt. Gegenüber dem Kollegen Mehringer äußert sich der frühere Topmanager, der inzwischen als Investor agiert, erstmals öffentlich über diese düstere Zeit seines Lebens, die ihn neben vielen Nerven und Kraft auch ein kleines Vermögen gekostet hat. Ein wirklich lesenswertes Interview: "Ich hatte ständig Angst, wenn es an der Haustür klingelte" .

  • Der Ukraine-Krieg markiert eine neue Phase der Globalisierung, und unser Kolumnist Henrik Müller hat sich diese Veränderung genau angeschaut. Sein Urteil: Während sich die politische Macht weltweit künftig wohl wieder verstärkt in zwei Blöcken zentralisiert, geht es bei der ökonomischen Macht in die andere Richtung: Sie fragmentiert zunehmend. Welche Folgen das für Unternehmen und ganze Volkswirtschaften hat, hat Müller hier für Sie aufgeschrieben .

  • Der Ukraine-Krieg ist auch das übergeordnete Thema eines Interviews, das meine Kollegen Martin Noé und Dietmar Student mit Gewerkschaftsboss Michael Vassiliadis geführt haben. Weil Deutschland viele fossile Energieträger aus Russland bezieht, gerät die alte Energieordnung hierzulande durch den russischen Angriff auf die Ukraine durcheinander. Vassiliadis, wohl einflussreichster Gewerkschafter Deutschlands, fordert vor dem Hintergrund ein dichtes Netz für Strom, Gas und Treibstoff in ganz Europa. Selbst Atomstrom aus Frankreich dürfe kein Tabu sein, sagt er. 

Meine Empfehlungen für den Abend:

  • Nicht nur viele Führungskräfte kennen das Problem: Sie wissen um eine eigene Schwäche, sie würden sich an der Stelle gerne verbessern – aber es gelingt ihnen einfach nicht. Ein Grund dafür kann sein, dass die Ursache für das Problem weit zurück in der Vergangenheit liegt. Im Coaching von Führungskräften ist daher derzeit eine Methode aus der Psychologie auf dem Vormarsch: Die Analyse von Mustern aus der Kindheit, mit deren Hilfe Schwierigkeiten in der Gegenwart bewältigt werden können. Fachleuten zufolge kommt es dabei auf sechs Faktoren an, die in der familiären Vergangenheit geprägt wurden, und die unser Verhalten am Arbeitsplatz immer weiter beeinflussen. Wie Sie diese Faktoren erkennen und wie Sie Ihr Verhalten ändern können, erfahren Sie in der Titelgeschichte des neuen Harvard Business managers: Welchen Einfluss unsere Kindheit auf unsere Karriere hat .

  • Neues aus der Rubrik "Was macht eigentlich?": Diesmal geht es um den früheren Allianz-Manager Joachim Faber. Für den Versicherungskonzern baute er einst einen der weltgrößten Vermögensverwalter auf, zudem führte er den Aufsichtsrat der Deutschen Börse. Kollege Dietmar Palan weiß: Das Geld anderer Leute ist auch heute noch Joachim Fabers Metier. 

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm