Eva Buchhorn

Der Donnerstag im Überblick Musks Milliarden-Lapsus

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Rekordergebnissen für Elon Musk, einer Dividende bei der Deutschen Bank und dem Kurzabsturz in Walldorf.

Wenn Elon Musk spricht, hört die globale Wirtschaftsgemeinde zu – und natürlich auch wir vom manager magazin. Unsere Kollegen Lukas Heiny und Jonas Rest haben daher heute Nacht eine Extraschicht eingelegt: Der Tesla-Chef hatte zum sogenannten Earning`s Call geladen, der Vorstellung des Geschäftsberichts. Ab 23.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit ging es los. Heiny verfolgte die Telefonkonferenz, Jonas Rest sammelte ab 4.30 Uhr die Marktstimmen ein. Und wie immer hatte Musk ein paar rekordverdächtige Details zu verkünden.

Zum Ersten: Zusammengerechnet übersteigen Teslas Gewinne seit Gründung inzwischen die Verluste. Gegenüber den Investoren und Analysten kostete Musk dieses Detail regelrecht aus: "2021 war das Jahr des Durchbruchs", frohlockte er, "wir sind eine echte Firma geworden."

Zum Zweiten: Auch operativ läuft es glänzend. Wie glänzend, das schien selbst für Musk noch gewöhnungsbedürftig zu sein. Von "5,5 Millionen" Nettogewinn 2021 sprach er zunächst; stutzte, lachte und korrigierte sich: "5,5 Milliarden" seien gemeint.

Rekordabsatz, Rekordgewinn, Rekordmarge – steht also ab jetzt alles senkrecht in der Tesla-Welt? Nicht ganz. Die Investoren hatten auf neue Modelle gehofft, den mythischen "Cybertruck" etwa. Dazu kam es nicht, Musk will erst einmal aufbauen, statt sich weitere Neuheiten aufzuhalsen. Chipkrise und Lieferengpässe begrenzen seine Möglichkeiten, die gigantische Fabrik für das Model Y in Brandenburg wartet noch auf Genehmigungen.

Der für seine Energie und seine Ansprüche berühmte Antreiber Musk als Bremser – das hat die Tesla-Gemeinde auch noch nicht erlebt. Unsere Zusammenfassung von Musks aktuellen Plänen lesen Sie hier: "Wie Tesla 2022 das Billionen-Spiel eröffnen will ."

Mission accomplished: Tesla-Chef Elon Musk findet, sein Elektro-Startup sei nach Spitzenzahlen nun eine "echte Firma"

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Foto: Matt Rourke / AP

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Automarken verlieren an Strahlkraft: Während sich alle Welt gerade für Tesla begeistert, muss der Rest der Branche um Kunden fürchten. Weniger Menschen werden künftig einfach klassisch ein Auto kaufen, prognostiziert die Beratung Berylls in einer Studie. Jüngere Kunden interessieren sich demnach stärker für Autoabos und ähnliche Angebote. Was den Jüngeren im Vergleich zu ihren Eltern dagegen weniger wichtig ist: die Marke ihres Autos.

  • Britische Autobauer am Boden: Chipkrise, Brexit, Lockdowns und Corona-Erkrankungen haben sich zu einem Horrorjahr für Englands Autobauer summiert. 859.575 Autos wurden auf der Insel produziert, so wenig wie seit 65 Jahren nicht mehr. Wichtigster Absatzmarkt mit 55 Prozent ist weiterhin die EU. Die Ausfuhren nach China, Japan oder in die USA sackten zweistellig ab.

  • Deutsche Bank kündigt Dividende an: Wie Tesla-Chef Musk hatte auch Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, gerade einen starken Auftritt vor Investoren. Die Transformation greift, nach langer Durststrecke verkündete die Bank heute das beste Ergebnis seit zehn Jahren. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 1,94 Milliarden Euro, im Vergleich zu 113 Millionen Euro im Vorjahr. Der Vorsteuergewinn kletterte binnen Jahresfrist von gut einer Milliarde auf rund 3,4 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen am Erfolg teilhaben. Ihnen stellte Sewing eine Dividende von 20 Cent pro Aktie in Aussicht.

  • Kursabsturz bei SAP: Nicht zuletzt mithilfe der Titel der Deutschen Bank machten die deutschen Aktienmärkte heute einen Großteil ihrer Anfangsverluste wieder wett. Der Dax stabilisierte sich zuletzt bei 15.376 Punkten. Großer Verlierer war nach einer gesenkten Prognose die Walldorfer Softwareschmiede SAP: Ihre Papiere sackten um 9 Prozent ab, neun Milliarden Euro Börsenwert wurden vernichtet. Nach Ankündigungen der US-Notenbank Federal Reserve, bis Ende März die Wertpapierkäufe einzustellen und die Leitzinsen zu erhöhen, gehen Analysten nun auch von einem Ende weiterer Höhenflüge an den Börsen aus.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Inflation ist wieder gestiegen, das dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben. Bemerkbar macht sich das nicht nur an der Supermarktkasse, sondern auch bei der Geldanlage: Dort droht die Geldentwertung kostbare Erträge zunichtezumachen. Wie verhindert man das? Das haben wir jemanden gefragt, der sich im Sichern von Vermögen auskennt: Reinhard Panse verwaltet seit Jahrzehnten Milliarden für Deutschlands Reichste. Sorgen macht er sich nun aber vor allem um das Vermögen derjenigen Deutschen, die weder Aktien noch Immobilien besitzen. Im Interview mit unserem Kollegen Christoph Rottwilm erklärt er außerdem, warum Luxusimmobilien sich nicht mehr als Kapitalanlage eignen .

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Foto:

Johannes Mann / Getty Images / Getty Images

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Kommt der beste Nachfolger für einen CEO immer aus der Vorstandsetage? Keineswegs, meint ein Autorenteam des Harvard Business Manager. Oft sind Kandidatinnen und Kandidaten aus den Ebenen darunter die eindeutig bessere Wahl. Aufsichtsräte sehen sich auf der Suche nach einem CEO-Nachfolger daher inzwischen häufiger bei den Bereichsleitern um  – selbst wenn dort bei Kandidatinnen und Kandidaten noch nicht alle Fähigkeiten für den Spitzenposten vorhanden sind. Ob ein Aufsichtsrat allerdings wirklich so breit schaut, hängt von Eigenschaften ab, die bei den Aufsehern klassischerweise nicht immer im Übermaß vorhanden sind: Kreativität, Bauchgefühl und Mut. Insbesondere, wenn es um einen der wichtigsten Personaltrends der Dekade geht: Diversity.

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Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn