Christoph Rottwilm

Der Donnerstag im Überblick Daimlers Eingeständnis und Ralfs Unverständnis

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit starken Geschäftszahlen vom Ausnahmekonzern Tesla, dem Aus der desaströsen Partnerschaft von Daimler und Renault und einem Ausraster am Telefon in Shanghai.

Gute Nachrichten sind selten in diesen Tagen, aber Tesla liefert sie erneut. Wie andere Autobauer ist der US-Konzern von Widrigkeiten wie Corona-Lockdowns in China sowie globalen Lieferengpässen betroffen. Doch Elon Musk und seine Truppe können damit offenbar besser umgehen, einen anderen Schluss lassen die Geschäftszahlen des Unternehmens für das erste Quartal kaum zu.

Tesla erzielte von Januar bis März weltweit Umsätze von 18,8 Milliarden US-Dollar, ein Unternehmensrekord. Seinen Gewinn steigerte der Autobauer auf 3,3 Milliarden Dollar, auch das ein Höchstwert. Und so soll es weitergehen. Um nicht weniger als 60 Prozent will Konzernchef Musk die Verkäufe rund um den Globus in diesem Jahr steigern – eine Wachstumsrate, von der etablierte Autohersteller naturgemäß Lichtjahre entfernt sind, die aber selbst manchen Start-up-Gründer neidisch machen dürfte.

Das Rekordquartal zahlt sich dabei nicht nur für Investoren aus (die Aktie zog spontan kräftig an), sondern auch für Musk persönlich. Der Tesla-Lenker erhält bekanntlich kein festes Gehalt, sondern hat vor einigen Jahren einen Vergütungsplan ausgehandelt, der an das Wachstum des Unternehmens sowie das Erreichen bestimmter Finanzziele gebunden ist. Drei weitere der im Plan fixierten zwölf Wegmarken hat Tesla im ersten Quartal passiert. Für Elon Musk, den ohnehin mit Abstand reichsten Menschen der Welt, bedeutet das ein erneutes Plus von 23 Milliarden Dollar auf dem virtuellen Konto.

Reicher dank Rekordquartal: Tesla-Chef Elon Musk legte starke Zahlen vor

Reicher dank Rekordquartal: Tesla-Chef Elon Musk legte starke Zahlen vor

Foto: CHRISTIAN MARQUARDT / POOL / EPA

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Ende einer unglücklichen Partnerschaft: Vor mehr als zehn Jahren starteten Daimler und Renault mit großen Erwartungen ihre Kooperation, die einstigen Konzernchefs Dieter Zetsche und Carlos Ghosn legten zum Beweis ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit auf verschiedenen Autoshows legendäre Auftritte hin. Doch das ist lange her, inzwischen ist klar: Das gesamte Unterfangen war ein Flop. Schon vor einiger Zeit lösten beide Autobauer ihre gegenseitigen Kapitalbeteiligungen wieder auf. Jetzt haben meine Kollegen Michael Freitag, Lukas Heiny und Margret Hucko erfahren: Mercedes beendet die Partnerschaft mit Renault endgültig 

  • Ende der Zuversicht: Dem Autozulieferer Continental vermiesen die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sowie Kostensteigerungen die Geschäfte. Conti-Chef Nikolai Setzer zog daraus nun die Konsequenzen – und senkte die Prognose für das laufende Jahr.

  • Ende einer Begeisterung: Vor drei Monaten stieg US-Hedgefondsmilliardär Bill Ackman im großen Stil bei Netflix ein. Der Investor lobte den Streamingdienst in den höchsten Tönen und betonte, sein Engagement sei langfristig angelegt. So langfristig war es aber doch nicht: Nach dem jüngsten Kurssturz der Netflix-Aktie am Mittwoch hat Ackman sämtliche Anteile verkauft – mit einem satten Verlust von 400 Millionen Dollar.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Rauf mit den Zinsen: Angesichts der historisch hohen Inflation wird der Druck auf die Europäische Zentralbank größer, schon bald ihren Leitzins zu erhöhen. Das erkennen zunehmend auch die Köpfe der Notenbank selbst. Binnen kurzer Zeit haben sich nun vier Mitglieder des EZB-Rats für einen ersten Zinsschritt schon im kommenden Sommer ausgesprochen.

  • Rauf auf den Sattel: Radsport als Freizeitausgleich ist in der Corona-Zeit immer beliebter geworden. Daher boomt auch das Geschäft mit der passenden Kleidung. Doch nicht jeder möchte sich in einen bunten Dress aus kratzigem Lycra zwängen, wie es jahrelang den Markt dominierte. Erste Alternativen dazu kamen bereits vor 20 Jahren in den Handel. Inzwischen gibt es ein paar Dutzend neuer Label – meine Kollegin Katharina Slodczyk stellt Ihnen zwei davon näher vor.

  • Raus aus dem Saal: Auf dem Treffen der Finanzminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer kam es zu einer bemerkenswerten Protestaktion. Als der russische Finanzminister das Wort ergriff, verließen reihenweise Delegierte das Meeting, darunter US-Ministerin Janet Yellen, EZB-Chefin Christine Lagarde und Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Doch nicht alle Anwesenden kehrten dem Russen den Rücken zu – Deutschlands Finanzminister Christian Lindner etwa gehörte zu denjenigen, die auf ihren Plätzen sitzen blieben und lauschten.

Meine Empfehlung für den Abend:

Mieses Management: Der Lockdown in Shanghai lässt einen Deutschen am Telefon ausrasten

Mieses Management: Der Lockdown in Shanghai lässt einen Deutschen am Telefon ausrasten

Foto:

BRENDA GOH / REUTERS

  • Seit drei Wochen dürfen die Menschen in Shanghai ihre Wohnungen nicht verlassen. Berichte in sozialen Medien lassen erahnen, welchen Horror die Einwohner im vollständigen Corona-Lockdown derzeit durchleben. Die Versorgung mit Essen, Medikamenten und Corona-Tests ist schlecht organisiert. Es gibt Videos, wie Beamte Haustiere töten, weil ihre Besitzer positiv getestet in ein Quarantänelager müssen. Ihrem Unmut offen Ausdruck verleihen können Bürger in dem autoritären Land jedoch kaum. Für Auswärtige gilt das weniger. Ein offenbar deutscher Staatsbürger (namens Ralf) hat seiner Empörung über den Umgang mit dem Coronaausbruch nun in einem Telefonat mit einer Behördenmitarbeiterin freien Lauf gelassen. Ein Mitschnitt des Wutausbruchs verbreitet sich gerade im Internet. Es ist ein Zeitdokument zum Reinhören und ein Schmankerl für Freunde klarer Worte zugleich.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm