Lukas Heiny

manage:mobility Auf ins Teslaversum

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Wie Elon Musk Apple übertrumpfen will.

  • Warum Spitzenmanagerinnen bei Bosch enttäuscht sind.

  • Wo Volkswagens neues Mega-Werk hinsoll.

  • Wie wenig Wolfgang Reitzle vom Elektroauto-Hype hält.

  • Was von Lilium-Gründer Daniel Wiegand zu halten ist.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Aufbruch ins Teslaversum

Die Entfesselung: Tesla-Chef Elon Musk auf dem Weg in neue Dimensionen

Die Entfesselung: Tesla-Chef Elon Musk auf dem Weg in neue Dimensionen

Foto: Illustration: Tim McDonagh für manager magazin; Foto: [M] Al Drago / Bloomberg

Elon Musk (50) will mit Tesla nicht nur mit seinen Elektroautos allen anderen davonfahren. Er revolutioniert das Geschäftsmodell der gesamten Industrie. Die schnellste Produktion mit vollkommen neuartigen Maschinen, die schnellsten Chips, die schnellsten Ladesäulen. Und noch mehr: Tesla soll ein Plattformkonzern mit einem eigenen Ökosystem an Produkten und Diensten werden – ganz nach dem Vorbild von Apple, nur noch gewaltiger. Das Risiko ist hoch, keine Frage. Aber die Vorstände deutscher Autobauer sind längst aufgerüttelt. Ihre Reaktion? „Panik“, so einer der vielen Insider, mit denen meine Kollegen Michael Freitag und Jonas Rest für ihre Recherche gesprochen haben. Wie Tesla sogar Apple übertrumpfen will. 

Köpfe: Filiz Albrecht ++ Volker Wissing ++ Ilka Koljonen ++ Rouven Mohr

Nummer eins: Boschs Personalgeschäftsführerin Filiz Albrecht

Nummer eins: Boschs Personalgeschäftsführerin Filiz Albrecht

  • Filiz Albrecht (50) ist die erste und einzige Frau in der Geschäftsführung von Bosch, eine zweite Managerin ist bislang nicht in dem Gremium. Intern herrscht inzwischen Unmut über Hierarchien und Kultur: Das Bosch-Problem mit Spitzenmanagerinnen. 

  • Volker Wissing (51) hat als Verkehrsminister zuletzt mit unklaren Äußerungen für Wirbel gesorgt (E-Fuels? Elektroautoziele?). Beim Staatskonzern Deutsche Bahn dagegen herrscht Klarheit. Wissing schont den Vorstand um Richard Lutz und Ronald Pofalla, allen Problemen zum Trotz. Sogar eine Gehaltserhöhung ist drin.  Nur die Logistik-Tochter Schenker sollen sie verkaufen.

  • Inka Koljonen (48) wird neue Finanzchefin des Lkw-Bauers MAN, der zu Volkswagens Tochter Traton gehört.

  • Rouven Mohr (42), bislang Audi-Manager, soll neuer Technik- und Entwicklungsvorstand bei Lamborghini werden. Als Chief Technical Officer  löst er den stilprägenden Maurizio Reggiani ab.

Unternehmen: Continental ++ Volkswagen ++ Bosch ++ Yunex ++ Toyota

"Es wird jeder Stein umgedreht": Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle

"Es wird jeder Stein umgedreht": Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle

Foto:

Anne Gabriel-Jürgens / 13 Photo

  • Für den Autozulieferer Continental läuft es gerade nicht so besonders. Vor ein paar Wochen waren die Fahnder da, der Finanzvorstand wurde gefeuert, die Dieselkrise ist zurück. Darüber haben meine Kollegen Michael Freitag und Martin Noé mit Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle (72) gesprochen. Er hat ihnen auch seinen Plan für die Zukunft des kriselnden Zulieferers erklärt, was er von den Avancen der Tech-Konzerne hält ("Wir sind für jede denkbare Kooperation offen"), was von Elektroautos ("helfen dem Klima noch nicht") und was von der E-Auto-Förderung ("keine Marktwirtschaft"). Hier lesen Sie das Interview. 

  • Im Dezember genehmigte der Aufsichtsrat von Volkswagen eine neue Fabrik für den Bau der nächsten Elektroautogeneration "Trinity". Mit dem Beschluss zum Anti-Tesla-Werk sollte Frieden einkehren im aufgewühlten Konzern. Doch so einfach ist es nicht, das Wie und das Wo (O-Ton Herbert Diess: "außerhalb der Backsteinmauern") erhitzt die Gemüter. Nun zeichnet sich ein Kompromiss ab. Gar nicht so weit weg vom Stammwerk .

  • Mit dem Wunsch nach Batteriezellen made by Bosch lief eben jener Diess einst beim Zulieferer auf. War den Anführern des Stiftungskonzerns zu riskant. Nun kommen sie doch zusammen: VW und Bosch wollen gemeinsam Maschinen für die Gigafactories  entwickeln. Wenige Tage nach seinem Antritt hat der neue Bosch-Chef Stefan Hartung (56) damit das Comeback im Batteriebusiness besiegelt.

  • Die Siemens-Tochter Yunex liefert digitale Systeme für die Maut- und Verkehrstechnik. Bisher war sie Teil der Mobility-Sparte, wird nun aber an die italienische Infrastrukturholding Atlantia verkauft – und damit an die Benetton-Dynastie.

  • Toyota kam lange glimpflich durch die Chipkrise – nun erwischt es auch die Japaner. Sie werden ihre Produktionsziele verfehlen.

Neue Mobilität: Lilium ++ Autoflight ++ Elektroroller

Vorhang auf: Gründer Daniel Wiegand präsentiert das aktuelle Modell seines Jets; der finale Prototyp soll erst im kommenden Winter fertig werden

Vorhang auf: Gründer Daniel Wiegand präsentiert das aktuelle Modell seines Jets; der finale Prototyp soll erst im kommenden Winter fertig werden

Foto:

Florian Generotzky für manager magazin

  • Mit seinem Start-up Lilium verfolgt Daniel Wiegand (36) eines der spektakulärsten und gleichzeitig umstrittensten Projekte der globalen Techbranche: Sein Lilium-Jet soll bekanntlich senkrecht starten und geradeaus fliegen können, und das komplett abgasfrei. Viele Belege für seine Vision kann er freilich nicht liefern. Mein Kollege Michael Machatschke hat ihn getroffen und mit dessen Professor, mit Begleitern und mit Aufsichtsratschef Tom Enders über den Gründer gesprochen. Die Leitfrage: Blender oder Prophet?  Und unser Fotograf hat gleich auch ein paar frische Bilder des aktuellen Modells geschossen.

  • Im benachbarten Augsburg will die chinesische Firma Autoflight ab 2023 ebenfalls ein neues Flugtaxi testen. Viel mehr als eine vage Idee scheint es bei der Firma, die sonst Lastdrohnen herstellt, aber noch nicht zu geben.

  • Las Palmas, die Hauptstadt von Gran Canaria, führt eine öffentliche Elektrorollerflotte ein. Man habe die Erfahrungen und das Chaos in anderen Städten analysiert, die wie in Deutschland Konzessionen an private Betreiber vergeben. Nun betreibt die Stadtverwaltung die E-Scooter-Flotte selbst  – als wohl erste weltweit, sagen Fachleute . In Las Palmas (wie auch in anderen Städten) hatte man zuvor schon gute Erfahrungen mit einem kommunalen Shared-Bike-Service gemacht.

Deep Drive: Studie der Woche

Forscher der ETH Zürich haben untersucht, warum und in welchen Situationen Menschen auf Elektroroller oder E-Bikes umsteigen. Spannende Erkenntnis: Weiter als 60 bis 200 Meter will eigentlich niemand bis zum nächsten Fahrzeug laufen – es muss direkt da sein. Und noch spannender: Die Dinger werden vor allem für Strecken benutzt, die sonst zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Folge: Die vermeintlich grünen Shared-Mobility-Konzepte seien sogar schädlich fürs Klima.  Nur wenn Menschen eigene Elektroscooter besitzen, sei die Bilanz positiv.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Geisterfahrer der Woche

Musk-Jet: Diese Gulfstream G650ER mit der Nummer N628TS wird gewöhnlich vom Tesla-Chef genutzt, hier bei einem Besuch auf dem BER

Musk-Jet: Diese Gulfstream G650ER mit der Nummer N628TS wird gewöhnlich vom Tesla-Chef genutzt, hier bei einem Besuch auf dem BER

Foto: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shutterstock

Am vergangenen Wochenende kursierten Gerüchte, Tesla-Chef Elon Musk sei auf dem Weg nach Deutschland (war er nicht, will er Mitte Februar sein). Das hätte womöglich geheißen: Eröffnung der Fabrik in Grünheide, und das hätte womöglich den Aktienkurs nach oben getrieben. Auch deswegen verfolgen Robo-Accounts die Flugbewegungen seines Privatjets quasi minutengenau. Nun forderte Musk, solche Dienste zu stoppen. Aus Sorge um seine Sicherheit. Der Betreiber des prominentesten Accounts mit immerhin fast 83.000 Followern wehrt sich vehement , schließlich seien die Daten öffentlich verfügbar wie auch die jedes anderen Flugzeugs inklusive der Air Force One. Nur interessieren sich für die Musk-Reisen fast 50-mal mehr Menschen als für die Reisepläne des US-Präsidenten.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny