Marleen Gründel

Der Montag im Überblick Ein filmreifer Familienstreit und ein garstiger Gorillas-Chef

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem streitlustigen Familienclan, einem strauchelnden Lieferdienst und einem russlandtreuen Handelsmilliardär.

Intrigen, Erpressung, Tod: Die tragische Geschichte einer der einst reichsten und einflussreichsten deutschen Unternehmerfamilien könnte auch gut das Drehbuch einer Netflix-Serie füllen. Nur leider ist der Zwist in der Familie Haub, den Eigentümern der Handelsdynastie Tengelmann, seit Jahren Realität.

Jetzt streitet sich der Clan mal wieder vor Gericht. Nachdem der Älteste der drei Brüder Haub, Karl-Erivan, bei einer Skitour verschollen und später für tot erklärt worden war, übernahm sein jüngerer Bruder Christian im Juni vergangenen Jahres für 1,75 Milliarden Euro die Anteile der Erben von Karl-Erivan. Seitdem kann der 57-Jährige mit einer Mehrheit von fast 70 Prozent der Konzernanteile durchregieren. Doch als der Tengelmann-Chef seine Macht nutzte und im November die zweite Tranche des Kaufpreises aus den Konzernrücklagen bezahlte, ging der jüngste Bruder Georg auf die Barrikaden und reichte Klage ein.

Nun folgt die Retourkutsche: Christian will seinen Bruder Georg endgültig als Gesellschafter ausschließen lassen. Denn der Streit der Brüder beeinträchtigt inzwischen auch den Ruf und die Refinanzierungsfähigkeit der Tengelmann-Gruppe , wie unser Kollege Martin Mehringer schreibt. Fortsetzung folgt.

Streiterprobt: Tengelmann-Chef Christian Haub

Streiterprobt: Tengelmann-Chef Christian Haub

Foto:

Lars Heidrich / Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Volkswagen kauft Qualcomm-Chips: Als letzter deutscher Autobauer hat sich nun auch der Wolfsburger Konzern für einen Chiphersteller entschieden. VW will die speziell für das autonome Fahren entwickelten Halbleiter von Qualcomm ab 2026 weltweit über alle Marken hinweg einsetzen. Nach Informationen von manager magazin soll der US-Konzern die Chips speziell auf Volkswagens Bedürfnisse anpassen. Der Auftrag ist Teil einer breit angelegten Rettungsaktion für VWs Softwaresparte Cariad, den größten Problemfall im Konzern. Wie das Softwarechaos Volkswagens Modelloffensive bedroht, können Sie hier noch einmal nachlesen .

  • Warren Buffet disst Bitcoin: Aus seiner Abneigung gegen Kryptowährungen wie den Bitcoin macht der Starinvestor keinen Hehl. Auch beim Aktionärstreffen seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway in Omaha am Wochenende nutzte er die Gelegenheit. "Wenn Sie mir sagen, Sie besitzen alle Bitcoins der Welt und Sie bieten sie mir für 25 Dollar an, dann würde ich sie nehmen", sagte Buffett am Samstag vor seinen Fans. Ansonsten würde er lieber ein Stück Land oder Wohnungen kaufen.

Die Personalie des Tages:

  • Infineon verliert Vertriebsvorstand: Helmut Gassel wird den Chiphersteller Ende Mai auf eigenen Wunsch vorzeitig verlassen. Der studierte Physiker war als möglicher Nachfolger des früheren Infineon-Vorstandschefs Reinhard Ploss gehandelt worden. Der Aufsichtsrat hatte sich dann jedoch für Joachim Hanebeck entschieden. Neuer Vertriebsvorstand wird nun der Österreicher Andreas Urschitz.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Gorillas mit Monsterproblemen: Gründer und Vorstandschef Kağan Sümer gerät zunehmend unter Druck. Der Expresslieferdienst verbrennt mehr als 50 Millionen Euro im Monat – und der Umsatz ist auch kaum höher, wie unser Kollege Jonas Rest herausgefunden hat. Das Investorengeld ist aufgebraucht und der Marktanteil im Heimatmarkt Deutschland hat sich seit August auf nunmehr 22 Prozent mehr als halbiert. Zum Vergleich: Der Berliner Rivale Flink kommt inzwischen auf Anteile von rund 69 Prozent. Insider sehen Sümer selbst als eine Hauptursache der Performance-Probleme. Gleich drei zentrale Führungskräfte habe der Chef vergrault. Mit welch neuen Ideen der Gorillas-Gründer potenzielle Investoren nun überzeugen will, erfahren Sie hier .

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Manager in der Sandwichposition: Lange Zeit wurden sie als strategische Verwalter abgetan, doch inzwischen ist klar, wie wichtig die sogenannten Mittelmanagerinnen und -manager sind. Laut Assistant Professor Zahira Jaser von der britischen University of Sussex Business School sind sie der Motor, der das Geschäft antreibt, die Räder, die alles am Laufen halten und der Klebstoff, der die Organisation zusammenhält. Unternehmen sollten ihre Führungskräfte somit nicht nur darauf trainieren, Führungsqualitäten zu entwickeln, sondern auch, wie sie Veränderungen nach oben hin bewirken können. Welche vier Verhaltensweisen diese Manager lernen sollten, beschreibt die Führungsexpertin hier .

Meine Empfehlung für den Abend:

Gutbürger in der Kriegsfalle: Thomas Bruch möchte Gutes bewirken, auch in bösen Zeiten

Gutbürger in der Kriegsfalle: Thomas Bruch möchte Gutes bewirken, auch in bösen Zeiten

Foto: imago stock/ imago/Becker&Bredel
  • Der russlandtreue Handelsmilliardär: Thomas Bruch ist ein Mann der Vorsicht. Auf die Frage, wie man angesichts der russischen Verbrechen weiter Geschäfte mit Russland machen kann, ringt er um jedes Wort. "Wir wollen nicht mit politischen Statements operieren, nicht in die eine, nicht in die andere Richtung", erklärt der Seniorchef des Handelsgiganten Globus. Warum der pazifistisch wirkende Familienunternehmer, der mit einem Vermögen von 2,3 Milliarden Euro im manager-magazin-Ranking der reichsten Deutschen  Platz 86 belegt, nicht anders kann und wie stark seine Verbindung zu Russland wirklich ist, hat unsere Kollegin Gisela Marie Freisinger in einem lesenswerten Porträt für Sie nachgezeichnet .

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel